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Witsel (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 09.11.2021, 21:12 (vor 1813 Tagen) @ Graz-ist-schwarzgelb

So ein Leistungsabfall wie bei ihm ist mir bei kaum einem anderen aufgefallen. Außerdem denk ich nicht dass alle so weit über Niveau gespielt haben. Hatten wenig Verletzte und eine eingespielte Truppe.

Wenig Verletzte - ja.

Eingespielte Truppe - na ja.

Wir hatten eine zweite Saison unter Tuchel hinter uns, in der wir den Verlust dreier Spieler der Extraklasse in keiner Weise kompensieren konnten. Dafür gab es so einige Querelen auf diversen Ebenen, die Mannschaft schien alles andere als geschlossen. Tuchel machte auf dem Platz das beste aus der Situation; er richtete System, Spielweise und Taktik am überragenden (aber auch sehr eigenen) Offensivspieler Dembélé aus, der alle Freiheiten auf dem Platz erhielt. Dessen Defensivverweigerung wurde kompensiert, indem ein Spieler hinzutreten ihm postiert wurde, der Dembélés eigentliche Defensivaufgaben für ihn mitübernahm. Tuchel ließ am Ende gnadenlosen Ergebnisfußball spielen, um mit Ach und Krach doch noch einen CL-Platz zu erreichen. Eine Saison der Rückentwicklung, darüber sollte auch der Pokalsieg nicht hinwegtäuschen.

In der Saison darauf ging es dann richtig chaotisch zur Sache. Ein spät verpflichteter neuer Trainer ohne Einfluss auf Neuverpflichtungen, dessen Ausrichtung hinsichtlich System, Spielweise und Taktik die Mannschaft nach anfänglichem Höhenflug vollkommen überforderte. Hinzu schien die Mannschaft auch zerstrittener denn je; nicht wenige wollten auch den Fußball von Peter Bosz wohl gar nicht annehmen. Der Fall ins Bodenlose setzte ein, die Clubführung musste die Notbremse ziehen. Mit Peter Stöger wurde dann ein Interimstrainer geholt, der mit einer völlig verunsicherten und überforderten Mannschaft noch die CL-Qualifikation retten sollte. Was ihm am Ende auch gelang, mit einem Ergebnisfußball ohne jedes Entwicklungspotential.

Zu Beginn der Saison, als Witsel zu uns kam, war das Team alles mögliche, aber nicht eingespielt.

Dass es dann in der folgenden Hinserie derart positiv lief, hatte mehrere Gründe. Der erste war der neue Trainer Lucien Favre. Niemand, der die Zuschauermassen mitreißt, insbesondere nicht in Dortmund. Aber ein Fußballfachmann, der nicht nur eine klare Vorstellung vom Fußball hat, den er spielen lassen will, sondern der auch weiß, wie dies pragmatisch und mit Blick auf Stärken und Schwächen einzelner Spieler umzusetzen ist. Dies in Verbindung mit seine persönlichen Art war Balsam für eine zuvor verkorkste Mannschaft, die nicht an ihr eigentliches Niveau herankam. Eine ruhige Vorbereitungsphase tat ihr Übriges.

Der zweite Grund war der Umstand, dass neuhinzugekommene Spieler sofort einschlugen. Niemand hätte gedacht, dass z.B. Witsel,aus China und ohne große Spielpraxis kommend, seine Rolle auf dem Feld sofort und derart überzeugend einnehmen würde. Oder Paco. Wenn es eng war wurde er eingewechselt, machte sofort sein Tor und das Westfalenstadion explodierte.

Andere Spieler fanden zu ihrer früheren Stärke zurück und blieben konstant. Auch Bürki war als Keeper ein echter Rückhalt.

Eine von Beginn an positive Atmosphäre im gesamten Club, auf allen Ebenen, bei den Zuschauern und im gesamten ‚Umfeld‘, entwickelte sich immer weiter und trug dazu bei, dass die Mannschaft auch ein klein wenig davon getragen wurde.

Hinzu kam auch die internen Probleme bei den Bayern, die man dann auch noch in einem mitreißenden Spiel schlug. Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg, wie es so schön heißt. Und der führt auch dazu, dass ein Team erfolgreicher spielt, als es eigentlich zu leisten im Stande ist. Es funktionieren dann Dinge, an denen man sonst scheitert.

Der Wendepunkt, an dem mMn der eher unrunde Verlauf der zweiten Saisonhälfte ihren Ausgangspunkt hatte, war die erste (dumme) Saisonniederlage beim Underdog Fortuna Düsseldorf, wo zwei Kontertore den Knockout brachten. Von da an wurde auf allen Ebenen alles ein wenig anders. Was vorher leicht und unbekümmert schien, wurde nun schwerer und mühsamer. Das erste Herummäkeln am Trainer setzte ein,Verletzungen kamen hinzu, Verunsicherungen waren zu spüren. Geleichzeitig legten die Bayern eine Aufholjagd par excellence hin, nachdem Hoeneß die Gegnern des Trainers im Team konsequent rasiert hat. Mannschaftliche Geschlossenheit war die Folge, alles zog (wieder) an einem Starng, war voll fokussiert auf ein Ziel. Während bei uns ein entsprechender Gegentrend einsetzte. Ein eher leichter, aber ausreichender Gegentrend, um hier und dort die Punkte zu lassen, die in der Hinrunde noch geholt wurden.

Wovon auch Witsel betroffen war.

Ja eine Verlängerung ist absolut OK. Allerdings finde ich das Verhältnis Leistung und Gehalt derzeit (generell bis auf die eine Hinrunde) nicht passend.

Ich persönlich schätze es so ein, dass man Witsel gehen lassen sollte bzw, nicht mit ihm verlängern sollte, wenn man eine überzeugende Alternative auf dieser Position in petto hat. Jemand der defensiv wie für das Spiel nach vorne nicht nur eine qualitative Verbesserung bedeutet, sondern auch eine direkteren Spielstil besitzt. Gerne ein junger Spieler, der seine Klasse bereits unter Beweis stellt und gleichzeitig Potential für eine weitere positive Entwicklung besitzt.

So einer wir Tchouaméni beispielsweise. Den wollten wir vor zwei Jahren übrigens holen und waren auch ziemlich weit in den Gesprächen. Bis die Verantwortlichen von Girondins Bordeaux, der Spieler selbst und sein Berater sich anders entschieden. Jetzt dürfte der Zug wahrscheinlich abgefahren sein für uns, aber wer weiß.


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