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Neue Spielformen Kinderfußball (Fußball und Sport allgemein)

prosakind, wäre-gerne-in-Graz, Freitag, 01.10.2021, 13:31 (vor 1572 Tagen) @ Laehsche

Hi,

Danke für Deine Eindrücke. Bei uns ist das ähnlich, schwierig finde ich vor allem, dass selbst wenn man die Ausbildungsrichtlinien des DFB einigermaßen umsetzen will, man von vielen Gegner einfach die "Ergebnisorientierung" aufgezwungen bekommt. Ich trainiere im vierten Jahr einen 2012er Jahrgang. Wir sind ein kleiner Vorortverein bisher ohne Leistungsorientierung, aber auch mit vielen Kindern und entsprechend mehreren Mannschaften in den jüngsten Jahrgängen. Wir selbst haben das Glück, viele mit (Bewegungs-)Talent gesegnete Spieler zu haben. Wir sind als Mannschaft evolutionär gewachsen, haben nie nach Leistung sortiert und neue Spieler vor allem durch Schulhofwerbung meines Sohnes dazu bekommen. ;-) Im Kern spielen wir seit fast vier Jahren zusammen. In unserem Verein gibt es zwei weitere 2012er Teams, die ein etwa vergleichbares Niveau haben. In unserer Mannschaft sind 13 von 16 Spielern recht leistungshomogen, dass heißt ich kann sie ohne weiteres blind tauschen. 3 Spieler aber hängen aus unterschiedlichen Gründen (spät angefangen, wenig Fußballverständnis, mangelnde motorische und/oder kognitive Fähigkeiten) doch deutlich zurück. Der Unterschied zwischen ihnen und den anderen wird dabei eher größer als kleiner.

Ich habe in der gesamten Bambini- und F-Jugendzeit immer alle Spieler abwechselnd zu den Spielen mitgenommen. Wer bei mir mitfährt, spielt auch so gut wie gleichviel (ganz fair verläuft das ja nie, aber vielleicht spielen die entwicklungsschnelleren Spieler 55%, die entwicklungsverzögerten 45% der Zeit). Wir sind damit auch lange recht gut gefahren. In der Bambini haben wir alles kurz und klein geschossen, in der F-Jugend waren wir zumindest immer konkurrenzfähig, wenn auch einige knappe Spiele dann verloren gingen.

Nun wirkt sich aber zunehmend, dass gerade die ehrgeizigeren Vereine bereits nach Leistung (in dem Alter mitunter: nach Körpergröße) sortieren. Die haben kleine Kader mit hoher Leistungsdichte (gerne dann die besten 10 aus ehedem 30 Kindern des Jahrgangs). Trete ich gegen die mit meiner Top 7 (bez. 7 aus den 13) an, sind wir wettbewerbsfähig. Lasse ich nur einen der (nicht despektierlich gemeint) "Fußlahmen" spielen, ist es damit vorbei. Dann spielen wir de facto mit einem Mann weniger - und das können wir auf Dauer nicht kompensieren. Der Frust, der da bei den Stärkeren entsteht, ist nicht zu vernachlässigen. Und hier ist dann auch die Krux: die Kinder sind jetzt überwiegend 9 Jahre, die wissen selber sehr genau, wer wie Fußball spielt und welche Auswirkungen das auf die Mannschaftsleistung hat. Das ist bei uns zwar noch kein Problem, weil es wirklich Freunde sind, die lange zusammenspielen. Ich mag aber kaum meine Hand dafür ins Feuer legen, das es ewig so bleibt. Und im Grunde wird das Mannschaftsabschneiden auch dafür sorgen, wann meine besseren aus dem Verein "herauswachsen". Ich finde das wirklich schwer und ich mag ja auch alle meine Spieler. Für mich habe ich aber den Schluß gezogen, dass wir jetzt E-Jugend sind und irgendwann dann auch mal sowas wie Leistungsstand und Wettbewerbsorientierung zählen muss. Wir haben daher begeonnen, die Kernspiele (aka Ligaspiele) nur noch mit den ersten 13 durchzuziehen. Da rotiere ich dann fair die Spielteilnahmen und wer mit kommt, kann auch weiterhin gleiche Einsatzzeiten bekommen. Für die glorreichen 3 bleiben dann leider nur noch Freundschaftsspiele und die Hoffnung, das da der von allen Ausbildungskonzepten versprochene Schub ("der Blümchenpflücker von heute ist der Leistungsträger von morgen") kommt...

Funino ist etwas an uns vorbeigegangen. Ich habe das im Training öfter mal ausprobiert (wobei das mit dem Provinzverein und den vier Toren schon organisatorisch schwer ist, wir haben nämlich nur 4 und trainieren mit 5 anderen Mannschaften gleichzeitig), aber wir haben die Jungs leider durch zuviel Torschußtrainings zu Schußspezialisten erzogen. Die schließen ab wie D-Jugendliche - der Bock, auf kleine Tore zu spielen, ist da nicht mehr so groß. Ich kann die Kerngedanken aber gut nachvollziehen und halte es auch grundsätzlich für sinnvoll, wobei ich auch sagen würde, die Begeisterung für das große Tor und die Überwindung eines Torwarts ist in jedem Alter "real" und nicht durch Erwachseneninterpretationen anerzogen.


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