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Kohfeldt (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 16.02.2021, 10:23 (vor 2089 Tagen) @ Blarry

Was meinst Du, wie ich mich zurückhalten musste, darauf hinzuweisen, dass Kohfeldts Trümmertruppe in dieser Saison bedeutend weniger Gegentore kassiert als wir? Ihr hättet doch tagelang nur nach dem KohPep gebettelt, wenn ihr einen genaueren Blick auf die Tabelle gewagt hättet.

„beteutend weniger“?

Werder hat bislang zwar ein paar wenige Tore weniger kassiert als der BVB, allerdings mehr als ein Dutzend weniger erzielt. Und während die Tordifferenz Werders einen leicht negativen Wert aufweist, ist sie beim BVB knapp zweistellig positiv.

Aber man muss konstatieren, dass Kohfeldt dazugelernt und aus der letzten So-gut-wie-Abstiegssaison die richtigen Konsequenzen gezogen hat.

So kritisch wie er in der letzten Saison auch von mir gesehen wurde, umso mehr muss ich ihm nun Respekt zollen. Und ich halte ihn aufgrund seiner Entwicklung für einen interessanteren Trainer als noch in der vorletzten Saison. als es einen kleinen Hype um ihn gab.

Muss man sich vergegenwärtigen. Er übernimmt in der laufenden Saison ein verunsichertes Team, bei dem Leistungen und Ergebnisse nicht stimmen und insgesamt sehr verkrampft auf dem Spielfeld agiert. Er lässt offensiven Kombinationsfußball spielen. der ansehnlich ist und die notwendigen Punkte bringt und führt Werder aus der Abstegszone ins gesicherte Mittelfeld. In der Folgesaion greifen die von ihm implementierten Abläufe immer besser, Werder wird am Ende erstaunlicher Achter und hätte sich fast für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert.

Dann überzieht man etwas unhanseatisch die Zielsetzung für die neue Saison und spricht von ‚Europa‘. Dabei unterschätzt man völlig die Auswirkungen des Fortgangs Kruses, den man nicht auffangen konnte. Hinzu kamen eine ausgesprochen hohe Anzahl von Langzeitverletzten gerade in der Defensive, eine extreme Schwäche bei Defensivstandards und teure Neuverpflichtungen, die entweder lange verletzt ausfielen und nicht zur Form fanden, oder sich nicht als Verstärkung zeigten. Die Ergebnisse wurden analog zu den Leistungen im Laufe der Hinrunde immer schlechter, dennoch ließ Kohfeldt seinen Vorstellungen gemäß den gleichen Fußball spielen wie in der Vorsaison. Besser gesagt er hat es versucht, denn es ging gewaltig daneben. Die personelle Besetzung des Kaders gab dies ohne Kruse schlicht nicht her; hinzu kamen lange Formtiefs, z.B. beim völlig überspielten M. Eggestein. Schließlich galt man als quasi abgestiegen. Der Club ging ein sehr hohes Risiko, an einem Trainer festzuhalten, der offensichtlich nicht in der Lage war, in einer Krise adäquat zu handeln und zunehmend gereizter auf (auch berechtigte) Kritik reagierte. Am Ende kam die ‚Coronapause‘ wohl für keinen Club passender als für Werder. Man arbeitete gezielt an Fitnessschwächen, was nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu den Punktgewinnen führte, die am letzten Spieltag doch noch (auch durch die Versäumnisse der direkten Konkurrenz und die Schützenhilfe anderer bedingt) zur Erreichung des Relegationsplatzes langte. In der Relegation konnte man sich glücklich retten.

Es macht auf mich den Eindruck, als sei die Erfahrung dieser Saison ein Lernprozess im Zeitraffer für Kohfeldt gewesen. In der aktuellen Saison lässt er den Fußball spielen, den der Kader ohne Kruse und mit einigen Baustellen auf diversen Positionen tatsächlich hergibt. Defensiv sehr stabil; man fängt sich deutlich weniger Tore als in der Vorsaison. Allerdings auf Kosten des Offensivspiels; Tore sind eher Mangelware und resultieren oft aus Standards oder Kontern. Aber man erzielt respektable Ergebnisse, holt genügend Punkte und zeigt sich auch zunehmend spielerisch verbessert. Mit dem Abstieg hat Werder nichts zu tun.

Für mich rückt Kohfeldt damit wieder in die Riege derjenigen Trainer, die man im Auge behalten sollte.


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