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Neu auf schwatzgelb.de: Peinlicher offener Brief (BVB)

istar, Freitag, 30.10.2020, 16:43 (vor 2181 Tagen) @ Voomy

Natürlich haben sie das Recht dazu. Absolut, so wie jeder andere Wirtschaftsbetrieb halt. Sollen sie alle klagen - unsere Gerichte sollen am Ende festlegen, was rechtens ist und was nicht, dafür sind sie da, ich halte große Stücke auf unsere Rechtsprechung und die Gewaltenteilung.

Das Problem ist - und da schlage ich den Bogen zurück zu meinem ursprünglichen Beitrag von gestern - die Fußballvereine dürfen alleine aufgrund einer Sonderstellung so wirken wie sie es tun. Der Umstand, dass internationale Wettbewerbe stattfinden, Länderspiele stattfinden, die Bundesliga mit einer eher fragwürdigen Test-Routine unterwegs ist, all diese Sachen zeigen, dass man ohnehin schon Sonderrechte genießt, die "der Bäcker nebenan" eben nicht genießt.

Sich dann hinzusetzen und Schlagzeilen zu produzieren, indem man dagegen klagt, ob Recht oder nicht, ist ein Armutszeugnis. Ebenso wie ich persönlich die Aussagen des BVB in diesem Kontext als Armutszeugnis empfinde. Der Fußball so froh sein, dass wir ihn gewähren lassen, wie wir es tun.

Mit einer Klage, so sehr sie auch rechtlich in Ordnung ist, wird diese Geduld gesellschaftlich / moralisch / wie man es auch immer nennen möchte, überstrapaziert. Und dann darf man sich nicht wundern, wenn man das Verständnis verliert.

Wenn wir irgendwann in ein, zwei Jahren wieder Normalität haben, darf sich niemand der Fußball-Funktionäre darüber wundern, dass sich ein Teil der Anhänger verächtlich abgewendet hat oder zumindest nicht mehr so investiert ist, wie es vorher der Fall war.

Wo ist da denn die große, angebliche Sonderrolle? Dürfen oder durften
andere Firmen keine Arbeitnehmer, ob Monteur oder Geschäftsführung, ins Ausland schicken?
Andersrum wird ein Schuh draus, wenn andere Wirtschaftszweige ihr Geschäft weiterführen dürfen, gibt's keinen Grund, dies dem Sport zu verwehren.
Dass Eishockey, Basketball etc. deutlich mehr auf Zuschauereinnahmen angewiesen sind, ist ein anderes Thema.
Wird ein kompletter Lockdown notwendig, wird auch kein Fußball mehr gespielt.
Der Ach so böse Fußball hat jedenfalls nicht zügig die Chance ergriffen, Mieten zu kürzen, Milliardenschwere Staatshilfen beantragt und trotzdem reihenweise Personal abgebaut. Und die Vorstände diverser Konzerne verzichten auch nicht auf mehr Gehalt als ein durchschnittlicher Bundesligaprofi.
Und der Fußball soll froh sein, dass "wir" ihn gewähren lassen? Wer ist "wir"? Sind das irgendwelche B-Promis und weithin unbekannte Philosophen, die ihr Glück kaum fassen können, endlich auch mal in eine Talkshow eingeladen zu werden?
Oder wer ist das?
Und wer sich "verächtlich" abwenden will, der soll das doch einfach machen.
Nicht Woche für Woche, Tag für Tag lamentieren, einfach machen.

Von mir aus könnte der BVB auch gerne klagen, für mich ist Fußball auch unter Corona-Bedingungen im Stadion immer noch am schönsten. Und ich fühle mich da sowas von sicher, du glaubst es nicht.
Aber er hat sich ja schon positioniert und akzeptiert die Einschränkungen. Über welche ungelegten Eier reden wir hier eigentlich?


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