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Die Fahne muss weg - nicht (BVB)

Dimmsonen, tiefste Eifel, Samstag, 25.01.2020, 15:11 (vor 2418 Tagen) @ Tigo

Gestern war es irgendwie seltsam.
Es waren bei uns im Block im großen und ganzen eigentlich die bekannten Gesichter.
Und trotzdem haben sich viele überhaupt nicht mit dem Spiel beschäftigt. Was natürlich auf die Stimmung geschlagen hat.
War echt kurios.

Gestern war auch für mich der seltsamste Stadiontag aller Zeiten. Irgendwie hatte ich nie das übliche Gefühl eines Wettbewerbsspiels, sondern es erinnerte mich eher an das Abschiedsspiel von Dede. Ok, letzteres war sogar emotionaler.

Die Karre bis unters Dach vollgepackt mit sehr aufmerksamen Berufsnölern, die sich schon mal an mir als Fahrer warmliefen. Dabei sollte sich das doch eher wohlig bekannt anfühlen, glich es doch ziemlich exakt dem was rund ums Spiel hier abgesondert wird. Ich erhielt Feedback über jedes Lenkmanöver und vor, während oder nach jeder Abfahrt wurde im kollektiv, mal mehr und mal weniger jugendfrei, diskutiert/ gebrüllt. „Rechts. Ne fahr geradeaus. du hast doch keine Ahnung, da ist immer Stau. Mein Handy zeigt aber rot an. Google ist Scheiße, ich kenn mich hier aus. Neeeein, nicht da lang“. Es war gefühlt unsere 50. gemeinsame Fahrt, wir sind noch immer angekommen, es dauert immer ziemlich exakt 2,5 Stunden und was sie nicht wissen: ich hab noch nie in meinem Leben auf nur irgendeine Silbe von denen gehört und wenn sich jemand bestätigt fühlt weil ich seiner Idee nachging, lag es einzig und allein daran dass ich eh da lang gefahren wäre. Ohnehin fahre ich immer den selben weg und beteilige mich an den Diskussionen nur mit, für meine Verhältnisse, durchaus ungewohnten Einwürfen wie:“könnt ihr einfach auch mal die Fresse halten?“.

Da wir auch einen Kölner Fan dabei hatten, der dem Dargebotenen sichtlich irritiert bis peinlich berührt beiwohnte, hatten wir im Schmackes reserviert. Ich bin ja wirklich ein Freund von guten Fanbeziehungen, Respekt und war irgendwo auch Stolz meinem Kölner Mitreisenden, der auch mein Onkel ist, das friedliche Miteinander und die inzwischen gute Beziehung der Lager zu demonstrieren. Aber gleichzeitig war das auch der Dolchstoß für das übliche Spieltagsgefühl, da ich einen nicht geringen Teil meiner Motivation aus einer gelegentlich ungesunden Abneigung gegenüber dem Gegner ziehe. Und eigentlich finde ich auch Köln ziemlich kacke, aber da war ich schon eingelullt. Im Schmackes lief das “Trömmelchen“ aus den Lautsprechern und selbst Borussen sangen gemeinsam. Bitte nicht falsch verstehen. Nach dem Spiel finde ich sowas ziemlich dufte und würde das gerne häufiger so sehen. Mir fehlen die Artikulationsfähigkeiten um auszudrücken was ich genau meine, aber im Endeffekt war da die Luft bei mir raus.

Nach nem kleinen „Ruhrpott-Carpaccio“ ging es zum Stadion und auch da: Ein paar singende Kölner zwischen vielen Borussen, alle sind glücklich, alle sind happy, allem sind froh. Ok, jetzt nicht unbedingt meine Mitreisenden. Die waren am nölen, allerdings ging der Kelch an mir vorüber. Aber auch hier kann ich nicht sagen worum es jeweils im Detail ging, da ich es mir angeeignet habe anhand der Tonlage zu hören wann es Sinn macht mich doch mal einzuschalten. Eigentlich sind das auch total liebe Leute, aber sobald die das Trikot anhaben und im Auto sitzen passiert irgendwas mit denen und dauert an bis wir wieder zuhause auf dem Parkplatz sind. Falls wer Bock hat in einer Bachelorarbeit darüber zu schreiben, oder das einfach mal erleben möchte, dem kann ich die Truppe gerne auf unbefristete Zeit leihen. Allerdings überkommt mich das Gefühl als wären hier viele von euch auch mit ähnlichen Kollegen gesegnet. Aber das ist wie bei einem Golfturnier. Die abgefuckten Gesichter nahezu aller, die von ihrer Runde zurück kommen und sich schwören nie wieder den Kack zu machen, sind nächste Woche wieder top motiviert und erstklassig angezogen da.

Da das, wie eventuell schon aufgefallen, kein Spielbericht ist(habt ihr ja alle gesehen), halte ich mich dies bezüglich kurz.
Ich finde es ungerecht so frühe Tore zu schießen und sich nicht um eine vernünftige Toiletten- und Einlasssituation zu kümmern. Da sich letzteres offensichtlich als unlösbare Aufgabe erweist und auch mir keine Lösung einfällt daran was zu ändern, bereite ich gerade einen Redebeitrag für die nächste JHV vor, mit dem Ziel, Tore erst ab der 10. Minute zu erzielen. Warum auch früher, wenn man gegen Ende einfach Haaland bringen kann und der dann Tore nach Bedarf macht.

Das Spiel war jetzt keins für flammende Emotionen, außer vlt. als Dahoud sich in kurzer Buxe warm machte. Da wurde mir nämlich kalt. Aber eigentlich war da schon vieles sehr gut, geplant und mit einigen tollen Einzelaktionen versehen. Aber, und da komme ich wieder zu meinem Ausgangsthema, fühlte sich vieles falsch an. Im gesamten „sichtbaren“ Radius um mich rum war kaum Fokus auf das Spiel und es glich eher einer Kappensitzungsatmosphäre, mit zugebener Maßen deutlich besserer Unterhaltung. Die stets selben Leute um mich rum, die ich nur durch gelegentliches Abklatschen nach Toren kenne, schienen sich durch die Bank weg relativ wenig für das Geschehnis zu interessieren. Ein stets rotierendes Drittel war durchgängig nicht am Platz und ich bin sicher während des Spiels 100 mal aufgestanden, um den wohlig warmen Bauchkontakt mit fremden Menschen erleben zu dürfen, während sie sich mit Herrenhandtaschen vorbei quetschten. Eine geile Truppe hatte sogar eine Standleitung und sie kamen nur kurz zum Bier exen vorbei, um sich dann wieder auf den Weg zur Bar zu begeben. Und sie taten es gefühlsecht. Ich habe ohne Witz eine komplett Blau-Rot-Grüne Wade mit einem fast Tennisball großen Epizentrum. Ok, ich muss Marcumar nehmen, aber sowas hatte ich in 8 Jahren nicht. Es ist mir auch erst zuhause aufgefallen.

Und so saßen wir da rum, wohnten einer sportlichen Darbietung bei und freuten uns darüber, aufgrund der spezifischen Sitzkonstellation und dem schwer adipösen Durchschnittsgewichtes, uns gegenseitig an uns wärmen zu können. Wir waren eingelullt. Meine gelegentlichen Versuche den Support auch in unsere Gefilde zu tragen, wurde bestenfalls ignoriert, gelegentlich auch leicht herablassend kommentiert. In den letzten 5 Minuten standen einige auf und klatschten!! Was für mich zwar noch kein Hoffnungsschimmer, aber immerhin ein Lebenszeichen darstellte, war für Andere scheinbar zu viel der Ekstase. Zum ersten Mal wurde ich mehrfach angesprochen mich doch wieder zu setzen, da „andere das Spiel auch sehen wollen“. Oder er brüllte 15 mal laut „hinsetzen“ aus einem Meter Entfernung. Der nölende Typ weckte in mir erste Vorfreude auf die Rückfahrt, da dort in der Regel jeder seine „Top Ten was alles Kacke war“ zum besten gibt. Außer mir, ich versuche uns einfach irgendwie nach hause zu bringen und freue mich auf den Moment, wo wir auf dem Parkplatz sind und die schwer verdaubaren Borussen wieder die normalen, tollen Leute sind.


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