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Manndeckung der Eintracht: Unsere Antwort war nur zeitweise richtig (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 23.09.2019, 17:08 (vor 2434 Tagen) @ Sascha

Vielleicht wäre ein Typ wie (!) Mandszukic vorne wirklich sehr sinnvoll gewesen. Einer, der permanent und in jedem Spiel viel unterwegs ist.

Ich glaube nicht, dass Favres System der Spielkontrolle das Problem ist. Es ist mit Sicherheit nicht spektakulär und ich kann verstehen, warum einige damit nicht warm werden. Aber wenn man es richtig durchzieht, wird es verdammt effektiv.

Gleichzeitig birgt es in meinen Augen eine Gefahr und unsere offensiven Ballkünstler sind für diese Gefahr sehr anfällig: Passivität. Das mit der Spielkontrolle funktioniert nämlich auch nur, wenn man das Spiel des Gegners mit den richtigen Laufwegen in ungefährliche Bereiche kanalisiert. Dann kann man auch mal tiefer stehen und auf Ballgewinne über Umschaltsituationen setzen.

Bei uns schleicht sich allerdings dann schnell der Schlendrian ein. Vorne geht man nicht mehr richtig mit, beziehungsweise lässt sich in Zweikämpfen sehr leicht abkochen und ermöglicht dem Gegner dadurch, Schritt für Schritt das Spielgeschehen in unsere Hälfte zu schieben und Druck aufzubauen.

Ganz generell habe ich unser Spiel gestern gar nicht so schlecht gesehen. Letztlich haben wir unnötigerweise zwei Punkte hergegeben. Was neben Fehlern im individualtaktischen Bereich mMn daran lag, dass wir phasenweise unzureichend oder auch nicht richtig oder konsequent genug auf das veränderte Agieren des Gegners unsererseits reagiert haben. Einiges vom dem, was Du in Deinen Ausführungen beschreibst, liegt mAn darin begründet.

Das Mittelfeld der Eintracht ist nicht sonderlich kreativ aufgestellt gewesen. Mit Fernandes ein Abräumer vor der 3er-Kette, mit Kohr ein lautstarker ähnlicher Spielertyp davor und neben diesem mit Sow ein talentierter Spieler, der aber noch in der Phase der Umstellung auf ein anderes Liganiveau ist. Gefahr für den Gegner produziert die Eintracht diese Saison nicht durch die Mitte, sondern über die wingbacks Kostić auf links und Durm/Costa/Chandler auf rechts. Das war zwar auch in der letzten Saison unter Hütter ähnlich und auch bei Kovac so. Doch durch die massiven Veränderungen im Sturm ist dies noch einmal stärker ausgeprägt. Nicht von ungefährdet man mit Dost einen Abnehmer für hohe Flanken als Zentralstürmer noch auf den letzten Drücker verpflichtet. In der Anfangsphase bekam die Eintracht auch keinen Zugriff auf unser Spiel und wir konnten unsere spielerische Überlegenheit gerade im Mittelfeld geschickt ausnutzen. Im Laufe der ersten Halbzeit intensivierte die Eintracht dann ihr Mittelfeldpressing und setzte dieses höher an. Das ist ein Grund gewesen, warum wir immer tiefer standen und nicht mehr von hinten heraus den Spielaufbau betreiben konnten. Der für mich entscheidende war, dass Hütter im Mittelfeld auf Manndeckung umgestellt hat. Damit wollte er die Dominanz unseres Mittelfeldes unterbinden, was ihm gelungen ist. In erster Linie deshalb, weil unsere Spieler sich dieser unangenehmen Manndeckung entzogen haben. Allerdings nicht so, wie man dies macht, um die Spielkontrolle zu behalten, sondern indem man sich zurückzog. Die geräumten Mittelfeldräume wurden dann auch nicht von den Offensivspielern besetzt und so dem Gegner überlassen. Gleichzeitig verstärkte die Eintracht ihr Spiel über die Außen. Kostić hatte dabei nicht seinen besten Tag und sein Zusammenspiel mit dem neuen Sturm funktioniert noch nicht so recht. Über die rechte Seite ging es dafür umso effektiver. Bei konsequenter Defensivarbeit unserer Offensivaußen wäre dies so leicht nicht möglich gewesen.

Das adäquate Mittel bei Manndeckung des Gegners ist das Spiel ohne Ball. Die Mitspieler müssen immer wieder ihre Gegenspieler durch plötzlich angezogene Spurts mitziehen, sodass freie Räume entstehen, in die aufgerückte Spieler stoßen können. D.h. z.B. man zieht 10x einen Spurt an, wird aber vielleicht nur einmal tatsächlich angespielt. Dieses Spiel ohne Ball haben wir zu Beginn der zweiten Halbzeit dann recht gut hinbekommen und folgerichtig auch den erneuten Führungstreffer erzielt. Um dann aber wieder diesbezüglich nachzulassen. Es ist sicherlich verständlich, erhöhten Aufwand minimieren zu wollen. Aber nicht immer ist das zielführend.


Der Marco Reus aus der letzten Hinrunde war damals der Spieler, der die Wege gegangen ist, die weh tun und der dem Gegner "Gegendruck" bietet. Aktuell lullen sich alle häufig gegenseitig ein, genügen sich darin, den Ball kunstvoll mit der Hacke weiterzuleiten und verfallen ziemlich schnell in ein "so tun als ob".

Siehe oben. Reus hat die notwendigen Läufe genauso eingestellt wie seine Mitspieler.

Wenn wir um die Meisterschaft mitspielen wollen, werden uns spielerisch/technisch/individualtaktisch limitierte Spieler nicht weiterhelfen. Aber ohne die Bereitschaft, immer wieder auch vermeintlich vergeblich zu Laufen, werden wir bestimmte auch kein Meister.


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