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Neu auf schwatzgelb.de: Der BVB in den USA: Ein großes Missverständnis? (BVB)

Knüppler17 ⌂, Mittwoch, 30.05.2018, 13:14 (vor 2986 Tagen) @ docity
bearbeitet von Knüppler17, Mittwoch, 30.05.2018, 13:21

Ich sehe das alles nicht so kritisch. Die USA sind ein grosser Markt, warum sollte man sich da nicht zeigen. Und ich halte es auch für wirksamer, nach LA zu fliegen als in irgendeine Provinz. Ich habe Teile der Aufzeichnung des Spiels gesehen und ich fand, es war schon relativ viel schwarzgelb dabei. Man muss ja bedenken, dass es diese mal eine Heimmannschaft gab, die scheinbar auch eine nicht so schlechte Fanbase hat.

Im Text und auch der Diskussion wurde zu keinem Zeitpunkt gefordert, derartige Reisen zu unterlassen oder sich in den USA nicht zu zeigen. Dieses Rad lässt sich im Profisport nicht mehr zurückdrehen, jede andere Annahme wäre naiv. Allerdings - und darum geht es - sollten wir Fans Erwartungen an den Verein formulieren, die bei solchen Reisen erfüllt werden sollten. Welche das sind, wird im Text ausführlich dargelegt.

Der LAFC wurde 2014 gegründet und spielt seit 2018 in der MLS. Genau so viel lässt sich zur "Fanbase" sagen - es sind im besten Fall Leute, die seit vier Jahren dabei sind, und ansonsten eben Zuschauer, die dieses Jahr hinzugekommen sind und sich zuvor wahrscheinlich nicht in ein Fußballstadion verirrt hatten. Bei RB Leipzig wäre von Plastik oder Retorte die Rede.

Ich bin jedes Jahr in den USA im Urlaub und seit ca. zwei Jahren findet man auch BVB-Klamotten in Puma-Shops. Da ich im Urlaub meist im BVB-Trikot rumlaufe (meine Missionstätigkeit für den BVB! :-)), kommt man manchmal schon mit Einheimischen ins Gespräch und in den letzten Jahren waren da auch einige Leute nicht spanischer Herkunft dabei, die den BVB bzw. die Bundesliga kennen. Natürlich ist das erste Thema immer Pulisic. Ich glaube aber schon, dass der Fussball in den USA die Chance hat, deutlich grösser zu werden.

Ich war nun auch schon das eine oder andere Mal in den USA. In Cincinnati, knappe zwei Autostunden von Columbus entfernt, findet jedes Jahr ein Oktoberfest mit rund 1 Mio Besuchern (verlängertes Wochenende) statt. Die Region ist eines der alten US-Industriezentren, hätte (ebenso wie das von anderen genannte Pittsburgh) hervorragend gepasst. In Cincinnati ist eines der Jugendprojekte des BVB beheimatet, weshalb Ohio sich eigentlich aufgedrängt hätte.

Und dazu eine Anekdote: 2014 habe ich in Cincinnati mehrere High School Spiele gesehen. Der Trainer einer Mannschaft war zugleich der Trainer des BVB-Nachwuchsprojektes. Am Spielfeldrand lief ein Jugendlicher, ca. 16 Jahre alt, in einer BVB-Trainingsjacke herum. Das Champions League Finale 2013 gegen die Bayern hatte die Mannschaft gemeinsam gesehen. Als ich einige der Zuschauer bzw. Spieler auf Borussia Dortmund ansprach, schauten die wie ein Pferd und fragten nach: "Borussia what?" Kurze Bemerkung zu den BVB-Klamotten, dann kam gerne: "Ah, yes, a soccer club. Never seen a game, but they're supposed to be good. Got it as a gift."

Nicht nur konnten sie mit dem Namen nichts anfangen, sondern sie konnten sich nicht einmal daran erinnern, diesen Club ein Jahr vorher im Champions League Finale gesehen zu haben. Obwohl ihr Trainer zugleich im Jugendprojekt involviert war. Genau so viel bringt dieses Engagement in den USA, wenn man die Amerikaner nicht mit einer großen Rahmengeschichte begeistert und genau an den Stellen abholt, an denen sie abgeholt werden wollen. Wie das Beispiel aus der Musikwelt zeigt, bedeutet US-Engagement eben nicht handverlesene Auftritte in Metropolen zu absolvieren, sondern kontinuierliches Engagement mit enormem Einsatz. Angesichts der langen Vorbereitungsphase für die USA-Tour hätte ich mit wesentlich mehr Marktnähe und Vorbereitung gerechnet.

Ich finde auch die Orte der zweiten Reise im Juli ganz gut ausgewählt. Ich glaube im Norden gibt es viele Deutschstämmige und dann spielt der BVB im schwarzgelben Stadion der Steelers. Mich hätte es z.B. gereizt der Mannschaft hinterherzureisen, aber leider ist der Juli nicht mein Urlaubsmonat.

Ja, der BVB spielt in Pittsburgh. Nur wird auch dieses Gastspiel nach wenigen Tagen wieder vergessen sein, wenn der BVB nicht wesentlich mehr Energie hineinsteckt, um genau diesem Vergessenwerden entgegenzuwirken. In Chicago wird Manchester City, in Charlotte der Liverpool FC 90% der Aufmerksamkeit auf sich ziehen. In diesem Show-Wettbewerb gegen internationale Schwergewichte anzutreten, in einem Markt ohne ausgeprägtes Interesse an deutschem Fußball, wird entweder (so gut wie) niemanden über den Tag hinaus interessieren oder intensiven Aufwand in Vor- und Nachbereitung erfordern. Wenn der BVB bei seinem Einzelauftritt die eigene Historie aber schon hinten über fallen ließ, steht nicht zu erwarten, dass dies im Rahmen des ICC plötzlich alles stattfinden wird. Und dann reden wir hier wirklich von einer verpassten Chance, bei der es letztlich nur um die Kohle ging.


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