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BVB Aktie - wen es nicht interessiert: bitte nicht lesen (BVB)

george, berlin, Mittwoch, 30.08.2017, 12:21 (vor 3060 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Gestern hatte ich über zwei Stunden mit dem Analysten telefoniert. Da ging es nicht darum, "huch wie toll sind Sie eigentlich?", da würde man ja kaum zwei Stunden telefonieren. Es ging um Kritik meinerseits, ich finde seine Angaben zum Umsatz sehr optimistisch und wollte wissen, unter welchen Bedingungen dieses Umsatzziel 556 Mio erreicht werden solle.

Er nannte Bundesliga Platz 2, Pokalviertelfinale bei zwei Heimspielen, CL Achtelfinale (RB Leipzig in Gruppenphase raus, Bayern Viertelfinale, diese Angaben sind wichtig für den Marktpool)
Außerdem geht er von einer leichten Aufstockung beim Puma Vertrag aus. Den Emre Mor Deal hatte er schon drin, obwohl dieser zum Zeitpunkt der Analyse vom 28.8. noch nicht in trockenen Tüchern war.

Diese Umsatzerwartung ist bei den Zielen natürlich ambitioniert, allerdings sollte man auch beachten, daß die bisherigen Umsatzerwartungen, die er zu Beginn einer Saison erstellt hatte, ganz klar übertroffen wurden, entweder weil es sportlich klar besser lief (letztes Jahr Pokalsieg und CL Viertelfinale) oder weil es Transfereinnahmen gab oder sogar beides gleichzeitig.

Zwar sind diese Umsatz- und Gewinnerwartungen sicherlich ambitioniert, ich kann ihn dabei aber nicht wirklich kritisieren, es müsste nur ein Spieler für 10 Mio verkauft werden und alles ist anders. So etwas kann man aber seriöserweise nicht prognostizieren.

Beim Kursziel und der fairen Bewertung hatte ich auch einige Kritikpunkte, bzw. bei seinen vorherigen Analysen. Im letzten Sommer stand der Aktienkurs bei 4 Euro und er erhöhte das Kursziel auf 6 Euro, d.h. er benannte ein Kurspotential von satten 50%

Tatsächlich stieg der Aktienkurs schon im Oktober bis 5,88. Da der Analyst aber bei den Zahlen zum Geschäftsjahr 2015/16 durch ständige Anpassungen am Ende viel zu optimistisch war und auch die Zahlen zum ersten Quartal in 16/17 klar unter seinen Erwartungen waren (geringere Transfereinnahmen als vermutet, höhere Personalkosten) hatte er nach dem stark gestiegenem Aktienkurs das Kursziel nicht mehr erhöht, daraus folgt, daß er das Rating von "Kaufen" auf "Halten" gesenkt hatte.

Daraufhin verkauften einige institutionelle Anleger mit denen er direkten Kontakt unterhält, z.B. Artisan sechsstellig und der Aktienkurs sank sehr schnell bis unter 4,80

Wenn man jetzt böswillig ist, könnte man sagen, er hat absichtlich Fehler gemacht, um sich oder anderen Vorteilen zu verschaffen. Für mich sah das auch sehr merkwürdig aus, daher hatte ich auch da mit ihm Kontakt.
Tatsache ist, daß er zwar im Sommer 2016 das große unmittelbare Kurspotential erkannt hatte, aber danach etwas den Überblick verlor, denn es wurden zwar seine hochgesteckten Erwartungen verfehlt, aber keineswegs die Erwartungen des Marktes insgesamt.

Gab ja auch noch andere Analysten, Bankhaus Lampe hatte das Kursziel von 5 auf 7 erhöht, daraufhin stieg der Aktienkurs intraday +10% es war das höchste Intradayplus aller Zeiten bei der BVB Aktie. Lampe hatte viel viel tiefere Erwartungen als Oddo.

Danach hatte Oddo aber immer weiter den Überblick verloren. Der Aktienkurs stieg und sie sind der Nachrichtenlage nur hinterher gerannt, statt die Dinge zu antizipieren. Wer diesen Analysen folgte, hatte keinen Vorteil. Die Kursziele von Seydler also 6,00 und danach 6,50 wurden sehr schnell erreicht. Als er auf 7,50 hochstellte, wurde dieses Kursziel einen Tag später mit 7,70 übertroffen.

Jetzt könnte man sagen, der Markt spinnt, der Markt ist viel euphorischer als der Analyst, warum eigentlich???

Dazu müsste man wissen, daß der Analyst auch gleichzeitig die faire Bewertung viel höher angesetzt hatte und diese faire Bewertung von vielen Quellen, u.a. Watzke auf der Bilanzpressekonferenz bestätigt wurde. Ein geringeres Kurspotential zu vermuten, weil Trump mit Nordkorea durchdreht oder weil der Markt insgesamt schwächelt, ist ja legitim. Wenn der Markt aber eine Beziehung zu diesen Dingen weitgehend verneint, was man ebenso nachvollziehen kann, dann orientiert sich der Markt eben mehr an den unternehmsspezifischen Dingen und macht unmittelbar vor der HV keine langanhaltende Konsolidierung.

Folgendes hatte Seydler im Mai 2016 prognostiziert:

2016/17 Umsatz 305 Mio
2017/18 Umsatz 325 Mio

Damit wurde seine Schätzung für 16/17 um glatt 100 Mio übertroffen, die Enttäuschung die er komnstruiert hatte, bezog sich natürlich nur auf die ständigen Anpassungen die er vornehmen musste.
Beim Umsatz für 17/18 musste er die Schätzung um sagenhafte 231 Mio nach oben anpassen, dies obwohl die Saison noch gar nicht richtig angefangen hatte!!! Das Klischee, es ginge hier nur um die sportlichen Erfolge, dies wäre eine Fanboyaktie, ist damit eindrucksvoll widerlegt. Auch um hohe Transfereinnahmen kann es kaum gehen, man hatte natürlich keine 231 Mio Transfereinnahmen.

Die Unterstellung, er würde absichtsvoll zu niedrig prognostizieren ist auch falsch, niemand hatte etwas wesentlich anderes prognostiziert, die Erwartungen wurde von jedem übertroffen, inkl. meiner Wenigkeit. Daß die Erwartungen der Analysten und auch von Borussia Dortmund, die zu Beginn der Saison erstellt wurden, Jahr für Jahr klar übertroffen wurden, ist seit 7 Jahren der Fall, bei der Umsatzschätzung keine einzige Ausnahme.

Die Ex-Transferumsätze sind 7 Jahre durchgehend gestiegen, keine Ausnahme. Ob man Meister wird oder plötzlich gegen den Abstieg kämpft, ob man glorreich das CL Finale erreicht oder plötzlich "nur" noch EL spielt und da enttäuschend bereits im Viertelfinale ausscheidet, ist egal, jedes Jahr gab es höhere Ex-Transferumsätze.

Und dann mal was zum Nettogewinn an sich. Oddo schätzt für diese Saison einen Nettogewinn von 73 Millionen, es wäre der höchste Gewinn aller Zeiten und auch der höchste Gewinn in der Geschichte der Bundesliga. Dies als Einmaleffekt abzutun, wäre nicht besonders schlau, denn der Buchwert steigt dadurch eklatant und nachhaltig. Beim Götze Rekordtransfers stand der Aktienkurs nach dem CL Finale im Sommer 2013 bei 3,05. Obwohl klar war, daß der damalige Rekordgewinn einmalig war, stieg der Aktienkurs bis Sommer 2014 bis 5,199

Die Kapitalerhöhung bei klar höheren Aktienkursen als noch in 2013 wäre ohne die Rekordgewinne nicht möglich gewesen, sagte Watzke, die Rekordgewinne brachten klar steigende Aktienkurse, nur deswegen gab es die Kapitalerhöhung.

Deswegen könnte dieser Dembele Transfer einiges bewirken, was eben nachhaltig ist. Dennoch wartet der Markt erst mal ab, wie sich die Sache ohne Dembele rein sportlich entwickelt. Wenn man jetzt durch diese klare Schwächung die CL verpasst, wäre das Ganze sehr schnell relativ, denn wenn man danach wieder die CL verpasst, kann man getrost sagen, daß die Transferpolitik gescheitert wäre und das hätte selbstverständlich Auswirkungen auf den Aktienkurs!

Bei dem Toptransfer Kagawa in 2012 passierte mit dem Aktienkurs zunächst gar nichts, erst als die Saison begann und man erfolgreich war, stieg der Kurs. Beim viel wichtigeren Götze Transfer sank sogar der Aktienkurs direkt 5%. Die Steigerungen danach kamen erst bei Beginn der Saison, das wesentliche wie immer unmittelbar vor der HV. Bei den Toptransfers Hummels/Gündogan/Miki war es ähnlich. Es war eine Gewinnverfünffachung zu erwarten und der Aktienkurs bewegte sich monatelang überhaupt nicht. Erst als die Saison begann, stieg der Aktienkurs.

Schließlich der 100 Mio Toptransfer Pogba bei Juventus Turin. Da passierte sehr lange nichts, danach gab es aber auch aufgrund der sportlichen Erfolge ausgehend vom Tief bei 0,201 eine Verfünffachung des Aktienkurses bis 1,05. Ohne den Toptransfer wäre das kaum möglich gewesen. In den Jahren davor wurde Juventus 5x hintereinander Meister und mit dem Aktienkurs passierte nichts wesentliches.

Alle Angaben sind ohne Gewähr, dies hier stellt keine Handlungsempfehlung dar. Wen das alles nicht interessiert: Bitte einfach ignorieren. Ich werde zukünftig nicht mehr auf den Diskussionsstil antworten oder über mich persönlich oder was auch immer. Auch nicht über die Motivation der Analysten, weil diese bezahlt werden würden. Das haben wir ausgiebig genug gemacht, ich habe darauf sehr sehr viele Antworten gegeben. Über die eigentlichen Inhalte können wir gerne diskutieren, wenn das alles nicht interessant ist, dann bleibt es einfach bei diesem einen posting und das wars. Ich werde in den nächsten Wochen hier nicht mehr schreiben. Da ich öfter mal eine Mail bekomme: In jeder Mail muss eine E-Mail Adresse angegeben werden auf die ich antworten kann.


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