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Der BVB - Atalanta Bergamo - Spielthread (BVB)

Blarry, Essen, Mittwoch, 02.08.2017, 10:31 (vor 3087 Tagen) @ Sascha

Bosz' Ansatz Gegenpressing und Ballbesitz zu kombinieren, ist ehrenwert, aber ich habe Zweifel, dass das klappt.

Äquivalent dazu: "Benz' Ansatz, Kutsche und Verbrennungsmotor zu kombinieren, ist ehrenwert, aber...". Pressing ist nunmal die Grundlage jeden Ballbesitzspiels; im Jahr 2017 gibt keine Profifußballmannschaft mehr den Ball freiwillig ab. Mit Ball spielen wollen heißt: ohne Ball den Gegner unter Druck setzen, bis man Ball hat. Das hat Tuchel, wenn er es denn begriffen hat, zumindest als nebensächlichen Aspekt der Trainingsarbeit betrachtet: sein eher passiv abwartendes Defensivkonzept passt methodisch nicht zum Ballbesitzspiel, und das hat man uns in der defensiven Phase des Spiels absolut angesehen.

Ja, "Gegenpressing" beschreibt schon mehr als nur das schnelle Rückerobern des Balls und impliziert eine gewisse Art Offensivspiel: schnell, direkt, mit wenigen Ballkontakten den Torabschluss suchend. Das ist jedoch kein Element, das der Idee von Ballbesitz zuwiderhandelt, sondern sie vielmehr ergänzt und bereichert. Wenn man eh darauf aus ist, früh und hoch stehend in Ballbesitz zu kommen, warum soll man im direkten Anschluss an den Ballgewinn entstehende Unordnung beim Gegner nicht ausnutzen? Das Spiel des großen FC Barcelona ging bergab, nachdem gerade dieses schnelle Nachsetzen mehr und mehr für Rückpässe und verwaltenden Bürokratenfußball geopfert wurde.

Mittlerweile hat jede Bundesligamannschaft ein Mittel gegen das Pressing im Repertoire und viele überlassen uns den Ball ja bereitwillig und schauen sich an, was wir damit anstellen.

Das technische Niveau selbst bei eher mittelguten Bundesligamannschaften ist mittlerweile viel höher als noch zu unseren Meisterjahren, ja. Aber auch "damals" war unser wichtigstes Element nicht die individuelle Überlegenheit unserer Pressingspieler gegenüber technisch traurigen gegnerischen Innenverteidigern, sondern das Überraschungsmoment und das Timing, zum richtigen Zeitpunkt in den richtigen Räumen die richtigen Wege zu gehen und den Ballverlust genau dort zu provozieren, wo man ihn haben will. Und genau dieses organisierte, durchgeplante, einstudierte Ballerobern hat uns die letzten (mindestens!) zwei Jahre gefehlt.

Und letztendlich bin ich mir auch nicht bei allen Spielern sicher, dass sie für diese Kombination geeignet sind. Dembélé ist beispielsweise unverzichtbar bei eigenem Ballbesitz, weil er die Fähigkeit hat, mit seinen Dribblings die Abwehr auseinander zu reißen. Ob er aber diszipliniert das Verschieben beim Gegenpressing hinbekommt, wage ich zu bezweifeln. In der letzten Saison hatte ich bei ihm eher den Eindruck, dass er relativ ratlos ist, was er anstellen muss, wenn er eben nicht den Ball hat. Dazu noch die Frage, ob so eine kraftraubende Spielweise nicht eigentlich Gift für ihn ist. Es war ja in mehr als einem Spiel, bei dem er selbst bei 90 Minuten schon deutliche Erschöpfungsanzeichen aufwies.

Wir haben eine ausgesprochen gesunde Durchmischung von altgedienten "Klopp-Spielern", die aggressives Pressing mit der Muttermilch verabreicht bekamen, und jungem, technisch und mental auf blitzsauberen Ballbesitzfußball geschulten Nachwuchs, die den Ball natürlich in den eigenen Reihen halten können. Was die unterschiedlichen Spielelemente, die wir auf den Rasen bringen können angeht, haben wir (Marianne-Modus aktiv ;)) definitiv den besten, breitesten und komplettesten Kader der Liga. Müssen sich nur noch alle Elemente gegenseitig ergänzen und stärken.


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