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Neu auf schwatzgelb.de: Der Tag, der der schönste von allen werden sollte: Das Spiel, dessen Name nicht genannt werden darf (BVB)

Klendathu, Mittwoch, 27.05.2026, 18:42 (vor 2 Stunden, 32 Minuten) @ Redaktion schwatzgelb.de

Ich habe jetzt erst alle Beiträge in diesem Thread gelesen, bevor ich anfange zu schreiben. Nachdem ich den Beitrag von nickeltiegel gelesen habe (mein herzliches Beileid für euren schweren Verlust!) verbietet es sich hier eigentlich von einem "schlimmen Tag" oder einer "schlimmen Zeit" zu sprechen, die ich und viele anderen damals nach diesem Tag hatten, aber dennoch möchte ich gerne hier meine Geschichte, wie ich sie damals erlebt habe, ebenfalls teilen, auch wenn ich nicht erst seit dem erwähnten Beitrag weiß, dass es natürlich weitaus wichtigeres als Fußball und mögliche Erfolge gibt. Nun denn:

Der Sonntag in Augsburg war der erste richtig heiße Tag des Jahres. Ich weiß noch, wie ich im Zug von München aus das erste Radler trank und ich das überhaupt nicht vertragen habe, weil es einfach so drückend warm war. Daher habe ich mich im Anschluss auf Cola Zero beschränkt, weil ich dieses wichtig Spiel natürlich mit klarem Kopf verfolgen wollte. Im Block konnte ich mich nicht am Support beteiligen, weil ich einfach so nervös war, dass wir diese Steilvorlage der Bayern (und ja, es war wirklich ein ekelhaftes Gefühl sich über Tore von RB zu freuen) nicht nutzen können. Beim 1:0 für uns brachen dann alle Dämme und mir wurde beim Jubeln richtig schwarz vor Augen. Hat aber alles ohne Ohnmachtsanfall geklappt und so ging es mit dem breitesten Grinsen seit langem nach Hause.

Im Freundeskreis meines Bruders gibt es eine DK für die Süd, die ich immer mal wieder haben kann, wenn ich mich frühzeitig ankündige. Bereits im Vorjahr hatte ich abgemacht, dass ich für das letzte Spiel gegen Mainz eben diese Karte in Anspruch nehmen möchte, wo nicht einmal die kühnsten Optimisten damit gerechnet hätten, dass es an diesem Tag um die Schale gehen würde. Da hatte ich tatsächlich richtig Glück.

Da meine Familie in der Nähe von Dortmund wohnt, bin ich einen Tag vorher angereist. Egal wo ich hinging, es gab kein anderes Thema. Selbst mit der Wurstfachverkäuferin im Edeka habe ich einen kurzen Plausch über den BVB gehalten. Es ist einfach herrlich zu sehen, in welche Euphorie Dortmund und die (schwatz-gelbe) Umgebung verfallen kann. Das hatte ich nach 10 Jahren, die ich nicht mehr dort wohne, schon wieder fast vergessen (auch wenn die Meisterschaften, die ich im Stadion erleben durfte, vor allem natürlich 2011 + 2012, immer noch in bester Erinnerung sind).

Am Spieltag bin ich dann auf den Friedhof zu meinem Vater gefahren. Er ist 2016 an einer Krankheit verstorben und ich bin zuvor immer mit ihm zu den Heimspielen ins Westfalenstadion gegangen. Ich versprach ihm ein Stückchen Meisterrasen für sein Grab. Dieses Versprechen konnte ich bislang leider nicht einlösen.
Auf dem Weg nach Dortmund im Stadion hab ich mich wie eine Woche zuvor zurückgehalten, was meinen Getränkekonsum anging, damit ich mit klarem Kopf und leerer Blase das Spiel und die Atmosphäre verfolgen konnte.
Zum Spiel ist ja alles gesagt. Ich war wie alle anderen total konsterniert und habe kein Wort rausgebracht. Diese Stille im Stadion nach Abpfiff werde ich nie vergessen. Ebenso wenig wie das "Aufstehen, Aufstehen, ..." in Richtung aller, die auf dem Feld auf dem Boden saßen/lagen. In der Niederlage zeigt sich eben, wer Größe beweisen kann. Einige vereinzelte haben aber auch Richtung der Mannschaft gepöbelt, was ich vollkommen daneben fand. Im Große und Ganzen waren die Reaktion aber eher so, dass man stolz auf uns Fans sein konnte (zumindest, das was ich so mitbekommen habe).

Am Tag danach habe ich alle meine Sport-Apps deaktiviert. Ich wollte erstmal nichts mehr mit Fußball zu tun haben. Eine Zusammenfassung des Spiels habe ich mir nie angeschaut, da ich bei dem Gedanken daran ehrlichweise Bauchschmerzen bekomme. Zu der Zeit habe ich in Unterföhring bei Sky gearbeitet. Auf dem Weg in meinen Büroraum musste ich immer durch die Kantine gehen, die auch für Mitarbeiterversammlungen genutzt wurde. Dort steht eine kleine Bühne mit einem riesigen Bild im Hintergrund, das immer mal wieder wechselt und meistens den neusten Serienhit (wie bspw. House of the Dragon) bewirbt. Die nachfolgenden Monate musste ich mir dort jedes mal das Bild anschauen, wie die Bayern freudetrunken im Kölner Stadion die Schale hochhielten. Was hätte ich gerne Müller, Kimmich und Konsorten die Augen ausgekratzt oder zumindest einen albernen Schnurrbart gemalt (ich bin ein unbelehrbarer Hooligan, ich weiß^^), aber das hätte nur unnötigen Ärger gegeben. Der Abstieg der Blauen und irgendwas wahnsinniges rund um den Nicht-Aufstieg des HSV waren alles nichts mehr als eine Randnotiz.

Also, ich denke auch nicht gerne an diesen Tag zurück, hoffe aber, dass sich uns alle nochmal eine solche Chance ergeben wird und ich dann auch wieder im Stadion mit dabei sein kann ... und dann mit besserem Ausgang.


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