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Kanes Deutsch.. (Spieltage)

nico36de, Ruhrgebiet, Mittwoch, 27.05.2026, 16:26 (vor 2 Stunden, 30 Minuten) @ Pfostentreffer

Zudem gibt es viele Gründe, warum man keine Sprache lernen kann / möchte.

In der Tat gibt es solche Gründe. Bei den meisten, die das nicht wollen sind es aber Gründe wie: Will ich eben nicht, Deutscheland isse Schweinestaat, ich lebe doch auch in meiner Parallelwelt super etc. Mir fällt aber außer "keinen Bock" kein Grund ein, der stichhaltig wäre.

Und es gibt Länder, da gibt es 4 oder 5 Amtssprachen. Soll man die dann alle lernen? Vor allem, wenn man nach 3 oder 4 Jahren wieder weg ist?

Nein, eine reicht. Zumal frage ich mich, was diese komplett unsinnige Bemerkung soll: meines Wissens ist Englisch hier keine Amtssprache.

Gerade im Ruhrpott kenne ich Menschen, die 50 Jahre hier leben und kein Deutsch sprechen. Und trotzdem ein schönes Leben führen. Was sagst du denen?

Den Alten sage ich nichts. Weils nichts bringen würde. Das hat die Einwanderungspolitik vor Jahrzehnten verbockt.

Wenn jemand aber im Alter von Harry oder jünger ist, würde ich das Gleiche sagen, was ich Harry sagen würde. Dass es dazugehört, die Landessprache zu sprechen, wenn man in ein anderes Land zieht.

Und wenn es nach mir ginge, würde ich es ähnlich machen wie Kanada oder Australien. Da werden Kenntnisse der Sprache für eine Aufenthaltserlaubnis vorausgesetzt. Ob es wirklich ein schönes Leben ist, wenn man im Krankenhaus nach einem Unfall die Symptome nicht beschreiben oder von seiner Allergie gegen bestimmte Änästhetika berichten kann, wage ich zu bezweifeln.

Es ist dir aber unbenommen, ein Leben "schön" zu finden, in dem du mangels Sprachkenntnissen in deiner Blase gefangen bist.

Als allererstes der riesige Aufwand, besonders wenn man nur kurz-mittelfristig an einem Ort bleibt und dann weiter zieht. Besonders wenn es so eine schwere Sprache wie die deutsche ist, besonders für Leute, die überhaupt noch nie eine Sprache gelernt haben und erstmal überhaupt lernen müssen, wie man eine Sprache lernt, wie unser Harry. etc. Und wenn man nur eine beschränkte Zeit bleibt, warum sollte man sich dann so stark integrieren anstatt einfach sein eigenes Ding zu machen?

Erstens ist Deutsch zumindest aus der Sicht derjenigen, die sich damit auskennen, keine besonders schwierige Sprache. Deutsch gilt je nach Muttersprache als mittelschwer bis gehoben.

Zweitens kann man natürlich überall sein eigenes Ding in seiner eigenen Welt machen. Ist ja heute ohnehin der Trend. Ob der schöne Harry aber (außer der Befriedigung seiner Ignoranz und Faulheit) Vorteile hat, wenn er nach drei Jahren in einem Land die Sprache nicht einmal so rudimentär kann, dass er ein Interview über Fußball mit dem maximal beschränkten Wortschatz führen kann, halte ich für fraglich.

Er hätte es auf vielen Ebenen viel leichter: Er hat kein Problem mit seinem Aufenthaltsstatus oder Arbeitserlaubnis, Geld bis zum abwinken und ist kein Analphabet, wie bspw. eine der Damen aus dem Pott die ich oben erwähnt habe, sie hat nie eine Schule besucht. Von ihr jetzt mit 70 zu verlangen, sie soll deutsch lernen, nur um die moralischen Vorstellungen anderer zufrieden zu stellen, finde ich sehr unverhältnismässig.

Wow, ein noch apfelbirnigerer Vergleich wäre wohl schwer zu finden. Und es hat auch nichts mit moralischen Vorstellungen zu tun. Nur damit, dass es das Zusammenleben vereinfacht, wenn man die Sprache des Landes kann, in dem man lebt. Und diejenigen, die darauf verzichten, das häufig tun, weil sie genau daran kein Interesse haben.

Es ist also sehr stark von den individuellen Umständen abhängig, ob es für die Person den extremen Aufwand rechtfertigt, eine neue Sprache zu lernen. Und oft alles andere als eine Selbstverständlichkeit oder Integrationsverweigerung.

Ich kenne niemanden mit Migrationshintergrund (70jährige Analphabetinnen sind allerdings nicht unter den Bekannten), der mehrere Jahre hier lebt, voll integriert ist und nicht die Sprache spricht. Und jede Menge von dejenigen, dei die Sprache brauchbar bis exzellent gelernt haben, wirken auch nicht heller als der gute Harry. Außerdem hat es für die sicher sehr viel mehr Aufwand bedeutet, die Sprache zu lernen, als es das für Kane würde.

Über Pep's "super super super" und andere misslungene Phrasen bspw. wurde sich jahrelang im ganzen Land lustig gemacht, Trap's Pressekonferenz mit "Flasche leer" etc. dürfte das Hauptbeispiel sein, warum Spieler ohne perfektes Deutsch lieber Interviews geben in einer Sprache, die sie sicherer beherrschen und vermutlich das berühmteste "unangenehme Auffallen" von schlechtem Deutsch in der deutschen Medien-Öffentlichkeit der letzten Jahrzehnte.

Mag sein, lustig wars ja auch. Es gibt aber einen Unterschied zwischen lustig und unangenehm. Und unangenehm fanden das allenfalls Hohlbirnen, die sich freuten, dass sie sogar mal die Sprache besser beherrschten als andere.


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