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tz: Goretzka darf gehen (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 11.07.2023, 12:01 (vor 932 Tagen) @ koom

Als Persönlichkeit wäre das definitiv eine interessante Verpflichtung. Intelligenter Spieler, wort- und redegewandt, medial angesehen.

Mit Goretzkas Auftreten neben dem Fußballplatz habe ich persönlich genauso Schwierigkeiten wie mit seinem Auftreten auf dem Spielfeld (insbesondere mit dem der letzten zwei Jahre).

Dabei geht es mir nicht um die Inhalte seiner Äußerungen nichtfußballerische Themen betreffend. Da sehe ich mich oftmals gar nicht weit weg von seiner Meinung oder teile sie sogar. Es ist vielmehr die Tatsache, dass es eine Agentur ist, die ihn in seinen öffentlichen Äußerungen und Aktivitäten ‚positioniert‘. Vielleicht nicht ganz zufällig die gleiche, die der DFB-Präsident zu seinem Verband gelotst hat und die vorher für die politische Partei tätig war, welcher eben dieser DFB-Präsident angehört und für die er lange Jahre als politischer Beamter und Funktionär tätig war.

Wenn man eine Meinung hat und diese öffentlich äußern möchte, gibt es Gelegenheit genug dazu. Wenn ich allerdings eine Agentur dazu benutze, für mich das ‚richtige‘ Thema zum ‚richtigen‘ Zeitpunkt im ‚richtigen‘ Medium auszuwählen, dann wächst in mir persönlich der Verdacht, dass es vielleicht weniger um die Inhalte als vielmehr um die ‚richtige‘ Positionierung in der Öffentlichkeit geht. Und das mag ich persönlich nicht.

Hinzu kommt, dass genau diese Agentur genau dann die ‚richtigen‘ Interviews mit Goretzka in genau den ‚richtigen‘ Medien platziert, wenn z.B. sein Startelfanspruch ins Wanken gerät. So nach seiner Rückkehr aus einer Verletzungspause in der Anfangsphase der letzten Saison. Sich dem Wettbewerb zu stellen sieht anders aus.


Sportlich - schwierig. Goretzka hat überragendes Talent und Anlagen, um ein hochdominanter Spieler zu sein. In den letzten Jahren hat er sich aber sehr darauf ausgeruht und "fachlich" (wie so viele bei den Bayern) sehr nachgelassen. Momentan ein reiner Mitschwimmer, der mit untergeht, wenn ihm niemand halt gibt.

Goretzka hat fußballerisch Stärken und Schwächen, wie jeder Spieler. Nur gehört er nach meiner Einschätzung zu den Spielern, bei denen man besonders darauf achten muss, dass Position und Rolle auf dem Platz seinen Stärken entspricht. Gerade in den letzten zwei, eher drei Jahren wurde er mehr und mehr falsch eingesetzt.

Defensivorganisation, Aufbauspiel oder strategisch-vorausschauendes Spiel gehören nicht zu seinen Stärken. Auch als box-to-box-Achter ist er weniger geeignet, da seine Raumorientierung gerade defensiv problembehaftet ist. Offensiv dagegen kann er eine Waffe sein. Eigentlich ist Goretzka in meinen Augen ein Spieler für das zentrale offensive Mittelfeld, der allerdings Tiefe benötigt, um seine Stärken einzubringen. Dynamik, Wucht, Schuss (gerade von außerhalb des Sechzehnmeterraumes), Kopfball. Eher kein Spieler für eine Ballbesitzmannschaft, eher für ein Umschaltteam.

Bei Bayern wurde er interessanterweise unter Kovac und im ersten Jahr unter Flick entsprechend eingesetzt und das mit Erfolg. Da war die Aufgabenverteilung auch noch eine andere, zumal sich mit Thiago ein Spieler im defensiven Mittelfeld befand, der seinen Raum dicht hielt und gleichzeitig das Spiel nach vorne aus der Tiefe einleitete. Nach dem Fortgang Thiagos rückte Goretzka auf dem Feld nach hinten und sollte Aufgaben übernehmen, für die er nicht unbedingt geeignet ist.


Pessimistisch sehe ich auch nicht, dass das unter Terzic besser werden würde. Auch der wirkt nicht wie ein Feinmechaniker in Sachen Spielereinstellung. Und wenn sogar Tuchel Goretzka "aufgibt", dann klingt das nach einem ziemlichen Problemfall.

Man sollte vielleicht nicht einen Chefcoach isoliert sehen. Als Chef muss man nicht alles besser oder genauso gut beherrschen wie seine Mitarbeiter. Sicherlich muss man in allen Teilbereichen über eine gewisse Kompetenz verfügen, sonst wird es mit der fachlichen Autorität schwierig. Wesentlicher in meinen Augen ist es allerdings, den richtigen analytischen Blick zu haben und dann die sich ergebenden Aufgaben richtig zu delegieren. In den Trainerstäben gibt es heutzutage immer mehr ‚Spezialisten‘, die in ihrem Fachbereich auch eine höhere fachliche Kompetenz besitzen als der Chefcoach. Weder Kloppo, noch Guardiola oder andere Toptrainer sind one-man-shows. Sie sind die Chefs mit Spitzenmitarbeitern neben sich.

Insofern halte ich persönlich es für sehr wichtig, dass der BVB den Vertrag von Armin Reutershahn verlängert hat. Der ist auch nicht bekannt als ein „Feinmechaniker in Sachen Spielereinstellung“, wie Du es ausdrückst. Aber er ist mMn jemand mit mit einem klaren Blick auf die oftmals einfachen, aber umso wesentlicheren Punkte. So z.B. hinsichtlich der Positionierung von Spielern auf dem Feld.

Dass Tuchel mit einem Spieler in zentraler Position Probleme hat, dessen taktisches Verhalten defizitär ist, sollte nicht verwundern. Da zu erwarten ist, dass Tuchel nach den ersten Ansätzen in dieser Richtung zu Ende der letzten Saison verstärkt wieder zum Ballbesitzfußball zurückkehren wird, wird Goretzka auch keine große Zukunft haben bei Bayern.

Ob er beim BVB an der richtigen Adresse wäre, bezweifle ich allerdings. Mit Nchema hat man jemanden geholt, der genau die offensiven Stärken Goretzkas abbildet und gehaltlich deutlich unter den Vorstellungen Goretzkas liegen dürfte. Ein weiterer ähnlicher Spielertypus für die Startelf wäre mAn eher kontraproduktiv; es fehlt aus meiner Sicht eher das kreative aus der Tiefe agierende Element.


Rein von den grundsätzlichen Potential wäre es vielleicht einer für Klopps Liverpool, aber der holt sich keine "kaputte" Ware mehr, sondern nur fertige Premium-Modelle.

Wenn man ein Team auf ein Topniveau gebracht hat und dort halten will, dann benötigt man Spieler, die wenig fehlerbehaftet sind. Man kann und muss immer wieder Toptalente einbauen und entwickeln, aber viel Zeit zur Fehlerminimierung kann man keinem Spieler zugestehen.

Goretzka wäre eigentlich ein typischer Fall für Werder unter Otto und Schaaf… ;-)

Vielleicht können die Bayern ihn ja Tottenham anbieten und in einen Kane-Deal miteinbauen. Bevor er zu Bayern ging wollten die Spurs ihn schon einmal verpflichten… ;-)


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