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Neu auf schwatzgelb.de: Rainbow Borussen zur Diskussion um Felix Nmecha: Das Nmecha-BVB-Dilemma - Intoleranz tolerieren? (BVB)

Kris, Dienstag, 27.06.2023, 12:04 (vor 1143 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Vielen Dank für den guten Artikel. An die (noch) nicht geouteten Spieler musste ich auch die ganze Zeit denken.

Ich vergleiche Nmecha mal mit Naidoo.
Gesegnet mit großem Talent, am Anfang einer tollen Karriere mit vielen Fans, die sein Produkt kauften und seine Konzerte besuchten, und dann - getrieben von „christlichem“ Sendungsbewusstsein – haut er das alles durch öffentliche Äußerungen und Reden in die Tonne.
Eine Sprache, die solche Leute verstehen, ist, ihr Produkt nicht mehr zu kaufen und ihnen keine Bühne mehr zu geben, auf denen sie öffentlich für ihren menschenfeindlichen Mist werben können. Vor einiger Zeit hat er sich auch mal öffentlich entschuldigt, was ihm aber kaum jemand abgenommen hat. Die „Entschuldigung“ sollte wohl nur dem eigenen Vorankommen dienen.

Genauso würde ich als BVB-Verantwortlicher es mit Nmecha sehen. Das Talent ist eine Sache, doch immer auch im Kontext zu verstehen. Nmechas letzte Entschuldigung kann genauso wenig ernst genommen werden, oder glaubt irgendwer, dass er jetzt „geläutert“ ist? Geduldete homophobe Äußerungen ziehen auch einen Sumpf von Gesinnungsgenossen an, die die Bekanntheit der Person in Verbindung mit der Bekanntheit des Vereins, der homophobe Äußerungen aus der jüngeren Vergangenheit duldet, für ihre Zwecke vereinnahmt.
Ob ein Spieler einer bestimmten Ideologie anhängt, hat der BVB beim Transfer zwar nicht zu prüfen, aber zwischen Denken und Handeln gibt es einen großen Unterschied. Ein Spieler, der schon mehrfach durch homophobe Äußerungen aufgefallen ist, sollte bei uns keine Bühne bekommen. Der passt einfach nicht zum Verein. Und wir sollten ihm auch für das in der Vergangenheit Gesagte keine Bühne bereiten, nur weil er ab jetzt für die Zeit beim BVB einen Maulkorb bekommt. Einen Spieler, der sich in der Vergangenheit mit diskriminierenden Äußerungen hervorgetan hat, für seine Vertragszeit mit dem BVB zu identifizieren, auch wenn er noch so erfolgreich spielen sollte, geht mir gründlich gegen den Strich. Hat die Scouting-Abteilung denn nicht darauf hingewiesen, dass man sich da ein Ei ins Nest legt? Oder gilt der Spruch „Borusssia verbindet…“ nur für die Fans? Ist das erst der Anfang? Wer kommt als nächstes? Ein Spieler, mit offen rassistischer Gesinnung? Ein in der Vergangenheit aufgefallener Frauenschläger, der sich aber entschuldigt hat?

Schlimm finde ich auch die Nicht-Kommunikation seitens der derzeit Verantwortlichen, zumal die Diskussionen ja doch recht hoch kochen. Oder gibt es bisher ein Angebot, mit Fan-Vertretern in der Sache zu reden und ihnen zumindest mal das Gefühl zu geben, ihr Anliegen ernst zu nehmen. Das bedeutet ja nicht gleich, dass man als Fan bei allen Transfers mitreden will, aber eine Kommunikation in dieser speziellen Sache, eine inhaltliche Erklärung, warum man dennoch ausgerechnet diesen Spieler haben will, würde sicherlich zur Entschärfung der Diskussion beitragen.
Erinnert mich an das Führungsverhalten der neuen Leitung meines letzten Arbeitgebers: Fakten schaffen, ohne auch nur die leiseste inhaltliche Mitsprache, und dann kannst du schauen, wie du damit zurechtkommst, ob es dir passt oder nicht. Passt es dir nicht, kannst du ja gehen.
Als Fan war ich immer sehr stolz darauf, einen Verein zu unterstützen, der von sich aus für genau die „Borussia verbindet…“-Werte steht. Für sein Engagement für Minderheiten und Benachteiligte, klare Kante zeigen gegen Rassismus und andere Diskriminierung, die jährlichen Fahrten nach Ausschwitz u.v.m. Für mich hat das einen sehr hohen Stellenwert. Auch dass die jetzige Diskussion überhaupt bei uns in diesem Umfang geführt wird, deutet darauf hin, wie wichtig den daran beteiligten Fans die Angelegenheit ist und dass man versucht, Einfluss auf die Transferentscheidung zu nehmen.

Liebe Verantwortliche: Der Verein steht nicht nur über einzelnen Spielern, sondern auch über aktuellen Trainern und Sportdirektoren, selbst über den Personen des Vorstandes und dem Präsidenten, auch wenn diese maßgeblichen Einfluss auf die aktuellen Geschehnisse haben. Wenn das Kind einmal in den Brunnen gefallen ist und dieser Spieler transferiert wurde, ist es zu spät und der Schaden in Sachen Glaubwürdigkeit angerichtet.


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