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Jogi hätte Bock, habe ich gelesen (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 25.10.2022, 21:24 (vor 1189 Tagen) @ guy_incognito

https://www.t-online.de/sport/fussball/wm/id_69822378/wm-2014-joachim-loew-favorisiert-eine-ungewoehnliche-abwehrkette.html

https://www.sueddeutsche.de/sport/deutsche-abwehr-bei-der-fussball-wm-loew-favorisiert-den-riesen-riegel-1.2006536

Löw suggerierte damals, dass bei der WM 2014 keine klassischen AV benötigt werden.

Wenn man keine geeigneten Kandidaten hat, dann muss man andere Möglichkeiten in Betracht ziehen.


Dabei hätte es mit Großkreutz, Durm und dem vorab aussortierten Marcell Jansen Alternativen gegeben.

Großkreutz und Durm waren schlichtweg keine wirklichen Alternativen. Beide waren beim BVB nur auf die AV-Positionen gerutscht, weil es verletzungsbedingte Probleme auf diesen Positionen gab. Sie haben eine Reihe ordentlicher bis guter Spiele auf diesen für sie fremden Positionen gemacht, auch in der CL. Wobei es bei Kevin mehr waren als bei Erik Durm. Und es funktionierte bei BVB deshalb, weil sie das kloppsche System der Kollektivverteidigung internalisiert hatten. Aber genau dieses System wurde unter Löw in der NM eben nicht gespielt. Was ein entscheidender Grund dafür war, dass sich Schmelzer nie in der NM in akzeptabler Weise präsentieren konnte.

Im Prinzip war die Nominierung der beiden für den WM-Kader ein Zeichen dafür, wie schwach Deutschland auf den defensiven Außenpositionen besetzt war (und immer noch ist). Schon unter Klinsmann musste Arne Friedrich RAV spielen, unter Jogi waren es dann jahrelange Experimente mit Boateng, Schmelzer, Aogo, Janssen und wer immer auch noch; je nachdem, ob Lahm links oder rechts spielte.

Auf Großkreutz und Durm in einem WM-Turnier zu setzen, wäre ein viel zu hohes Risiko gewesen. Deren Funktion im Kader war eine andere. Großkreutz war als Allrounder mitgenommen worden.

Höwedes hat als Notlösung sicherlich ein solides (kein gutes) Turnier absolviert. Selbstverständlich obliegt es dem Trainer Personalentscheidungen zu treffen. Das dann als großen taktischen Kniff zu verkaufen, war vielmehr ein Witz.

Da kein geeigneter LAV zur Verfügung stand, setzte Löw auf Höwedes mit der Maßgabe, dass er seine Seite dicht macht. Nach vorne brauchte und sollte er sich gar nicht orientieren. Und diese Aufgabe hat er voll erfüllt.

Ein Turnier ist immer eine sehr spezifische Wettkampfform, anders als eine Meisterschaft. Und durch den kompakten Spielplan ist es auch anders als ein Pokalwettbewerb. Es gibt zwar eine Marschroute, wie man generell durch das Turnuer kommen will. Aber es muss häufig von Spiel zu Spiel entschieden werden, wie man mit Ausfällen durch Verletzungen oder Sperren umgeht. Wenn es sich dabei um Mangelpositionen handelt, wird es besonders knifflig.


Die Forderungen Lahm zurück auf die AV Position zu versetzen, kamen sehr früh im Turnier. Er hatte damals massive Probleme in den Spielen gegen Ghana und Algerien. Und die taktische Umstellung im Algerien-Spiel erfolgte erst nach der Verletzung Mustafis. Es war die individuelle Qualität Neuers, die das Ausscheiden verhinderte. Khedira und Schweinsteiger waren damals einsatzbereit.

Aber die Zeit verwischt die Erinnerungen.

In der Tat.

Es war nämlich der Ausfall von Hummels (Erkältung), der zu Mustafis Einsatz auf der RAV-Position führte. Boateng rückte in die IV, wo er neben Mertesacker spielte.

Khedira und Schweinsteiger standen zwar zur Verfügung, waren aber beide noch nicht richtig fit. Löw entschied sich für Schweinsteiger auf der 8 neben Kroos und Khedira blieb bis zu Mustafis Verletzung auf der Bank.


Und dass Schweinsteiger das halbe Jahr vor der WM ausfiel, stimmt schlichtweg nicht.

Da liegst Du völlig richtig und ich habe da etwas durcheinandergebracht. Schweinsteiger war in der abgelaufenen Saison verletzungsbedingt zwar lange ausgefallen (zweimal sogar), das war allerdings im zweiten Saisondrittel. Das Problem war, dass er am Ende der Saison erneut ausfiel mit Patellasehnenproblemen. Es stand Spitz auf Knopf, ob er es bis zur WM noch schaffen würde.

Wie auch immer, nach dem Schlusspfiff war Merte reif für die Eistonne, Lahm auf die RAV-Position zurückgekehrt, Schweinsteiger wieder auf die alleinige Sechs und Khedira auf die linke Acht. Und Hummels ab dem Viertelfinale neben Boateng in die Innenverteidigung.

So wurde man dann auch Weltmeister, mit drei ‚gelernten‘ IV in der Viererkette.

Man muss kein taktisches Genie als Trainer sein, um ein Turnier zu gewinnen. Aber man muss im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen treffen. Und der Gewinn des Titels hat gezeigt, dass Löw sehr viele richtige Entscheidungen getroffen hat.


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