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Neven heute abend bei Lanz (BVB)

Zico80, Donnerstag, 08.09.2022, 13:03 (vor 1450 Tagen) @ Jarou9

Beschränkt auf die Frage, warum die Chinesen in Afrika gerade recht erfolgreich sind (unbeachtet ihrer Ambitionen und Ziele dort) ist "Geld" sicherlich nicht die falsche Antwort. Ist doch klar, dass man sich so die armen Länder und ihre leider oft nicht ganz unkorrupten Regierungen zum Freund macht.

Aber halt auch nicht nur. Neven hat - coolerweise, da diese Position in der deutschen Diskussion in den grossen Medien quasi nie vorkommt - weiterhin klar darauf hingewiesen, wieso wir in vielen afrikanischen Ländern weniger Vertrauen geniessen:

A) am Beispiel Namibias. Im Gegensatz zu uns hat China dort (noch) keinen Genozid durchgeführt, nicht hundertausende Sklaven (also: Menschen) aus dem Land entführt, nicht ihre Geschichte und Kultur ausgeschlöscht und unsere übergestülpt sowie ihnen auch heute noch jede Chance zur wirtschaftlichen Entwicklung beraubt. Obwohl wir - und nicht China - all das gemacht hat, stellen sich deutsche Politiker vor Ort hin und sagen, dass es besorgniserregend sei, wenn nun wo viel mit China kooperiert wird. Das erntet vor Ort nur Kopfschütteln.

B) China recht egal ist, was die Geschäftspartner sonst so treiben (Korruption, Menschrechte etc.) und sie ihnen im Gegensatz zu uns "nicht sagen, was sie zu tun haben". Wohlgemerkt nachdem wir sie jahrhundelang ausgebeutet haben.

C) Die im Gegenzug versprochene Entwicklungshilfe nicht nur bei korrupten afrikanischen Politikern landet, sondern vor allem in den Taschen von europäischen "Beratern" wandert. Während die Bevölkerung hier das Gefühl vermittelt wird, dass wir sie finanzieren und ihnen helfen. In der Realität ist natürlich vor allem das Gegenteil der Fall.

D) Die Chinesen kündigen nicht nur an wie wir, sondern setzen um: Neue Autobahn in Nairobi oder Zugstrecke nach Mombasa als Beispiele.

E) Wir haben ein falschen Blick auf Afrika, da unsere Kolonialgeschichte nicht geschult wird und ein Grossteil der europäischen (und vor allem der deutschen) Bürger keine Ahnung hat, was wir dort die letzten Jahrhunderte angerichtet haben und aktuell anrichten (und das ohne wirklich über den Klimawandel zu sprechen).

Leider war die Sendung hier zu Ende, sonst hatte Neven Lanz vielleicht noch erzählt, dass wir die Konzentrationslager nicht in Auschwitz, sonder in Namibia erfunden und erstmals eingesetzt haben, 40 Jahre vor Hitler's Machtergeifung. Dann hätte Lanz bestimmt ordentlich mit den Ohren geschlackert.

Neven weiss auf jeden Fall wovon er spricht, man merkt, dass es wirklich zu 100 % sein Thema ist und nicht aufgesetztes "Weisser Ritter" Gehabe. Sehr beeindruckend. Hätte nicht gedacht, dass ich vor einem Fussballer mal mehr Respekt entwickele als vor den meisten unserer hohen Tiere zusammen genommen.


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