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Zeigt Putin denn Respekt (Politik)

HoschUn, Ort, Donnerstag, 03.03.2022, 21:36 (vor 1400 Tagen) @ Grigori

So siehts nämlich aus. Ich kann es nicht mehr hören. Souveräne Staaten schließen ein Bündnis das hat Putin dann einfach zu akzeptieren.


Tut er aber nicht. Und im Falle der Ukraine würde es wohl kein russischer Präsident akzeptieren. Das weiß und wusste man im Westen seit Jahrzehnten.

Ich finde es ziemlich befremdlich, wenn selbst Teile des außenpolitischen Establishments der USA einen nüchterneren Blick auf das Thema haben, als viele hier im Forum.

Im Jahr 2008 hat der US-Botschafter in Moskau folgendes nach Hause gefaxt:

“Ukrainian entry into Nato is the brightest of all red lines for the Russian elite (not just Putin). In more than two-and-a-half years of conversations with key Russian players… I have yet to find anyone who views Ukraine in Nato as anything other than a direct challenge to Russian interests… It will create fertile soil for Russian meddling in Crimea and eastern Ukraine."

Dass das aktuelle Russland eine Ukraine in der NATO nicht zulassen kann, das ist durchaus richtig. Nur wie macht dann der aktuelle Krieg noch Sinn? Die Ukraine in die NATO aufzunehmen war noch eine fixe imperialistische Hirngeburt der späten Bush-Administration. Die Europäer haben das verhindert, aber ein Hintertürchen offen gelassen um den Amerikanern einen Gesichtsverlust zu ersparen. Aus Putins Sicht war alles optimal: Die Ukraine hatte de facto keine realistische Möglichkeit in die NATO zu kommen während gleichzeitig die NATO gespalten und gelähmt war in dieser Frage, was sich dann in der quasi widerstandslosen Annektion der Krim auch manifestierte. Die Reaktion des Westens darauf war im Rückblick ziemlich seicht und sanft. Man könnte sagen: sehr veständnisvoll gegenüber Russland. Was die Lähmung und Spaltung der NATO nur weiter vertieft hat.

Jetzt hat Putin genau das Gegenteil erreicht: Eine gestärkte und geeinte NATO, die massiv aufrüstet (gegen Russland) und ein großer Rest an Ländern in Süd/Osteuropa die jetzt große (nachvollziehbare) Sehnsucht haben sich schnellstmöglich in die Arme der EU oder NATO zu retten. Zudem eine NATO die aus moralischen und Gesichtswahrungsgründen keine große Neuordnung der Sicherheitsarchitektur in Europa mehr mit Russland wird durchführen können. Nur noch gegen Putin. All das was Putin zum politischen Ziel dieser "Operation" erklärt ist auf absehbare Zeit unerreichbar, wenn es nicht sogar massiv gegen russische Interessen backfiren wird. Putin hat jede Verhandlungsmacht aufgegeben, abgesehen davon was er mit purer militärischen Gewalt in der Ukraine durchsetzen kann.

Wenn man also Verständnis für die russischen Sicherheitsinteressen hat, dann müsste dein Unverständnis gegenüber dieser kriegerischen Politik nur umso größer sein. Denn diese Politik wird in keinster Weise russischen Sicherheitsinteressen dienen. Es ist vielleicht eine denkbare psychologische Erklärung für die höchstpersönlichen Motive Putins, aber es bleibt politisch trotzdem eine dumme und kontraproduktive Motivation auf Sandkastenniveau. Und dass es so kommen wird war auch absehbar. Auch ich war am Donnerstag sehr überrascht von so einem Krieg gegen die ganze Ukraine, weil ich Putin ehrlich gesagt nicht für so politisch dumm gehalten habe. Außer da ist noch irgendwo eine versteckte Ebene die wir nicht sehen können, weil doch wir zu dumm sind diese Genialität zu durchschauen. Ich glaube es nicht.


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