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Tuchel scheint Teile der Kabine verloren zu haben (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Freitag, 28.01.2022, 01:11 (vor 1455 Tagen) @ Tigo
bearbeitet von Will Kane, Freitag, 28.01.2022, 01:18

Die Situation war in jedem seiner Vereine etwas unterschiedlich. Trotzdem war das Ergebnis immer das ähnlich.
In Paris hat man sich sicherlich auch nicht aus Langeweile gegen ihn gestellt. Gebe aber zu, dass die Situation mit Leonardo schon speziell war.

Ich habe die Zeit Tuchels beim PSG sehr genau verfolgt. Da lässt sich nichts mit dem BVB und wahrscheinlich auch nicht mit der jetzt bei Chelsea vergleichen.

Tuchel wurde zum PSG geholt, weil der Despot vom Golf es so wollte. Tuchel hat ihn auch im persönlichen Gespräch, zu dem er antreten musste, überzeugt. Der Despot war es leid, mit namhaften Trainern immer wieder aufs Neue früh in der CL zu scheitern, obwohl man sehr viel Geld für ein extrem teures Starensensemble investiert hatte. Daraus resultierte die Idee, es einmal mit einem jungen, talentierten Trainer zu versuchen.

Nur war das gesamte Management des Clubs von Beginn an gegen die Verpflichtung Tuchels, was diverse Verantwortliche, darunter auch Sportdirektor Henrique als direkter Vorgesetzter des Trainers, auch öffentlich vor der Entscheidung für Tuchel auch so geäußert haben. Auch Starspieler Neymar äußerte sich dahingehend, einen renommierten Trainer zu bevorzugen.

Tuchel wurde also gegen den Widerstand des gesamten Managements und trotz der Skepsis des Superstars des Teams allen vor die Nase gesetzt. Und Henrique boykottierte seinen Trainer auch gleich von Beginn an nach Kräften. Höhepunkt war dann die Posse um die Verpflichtung von J. Boateng, die Henrique in letzter Sekunde durch ziemlich unverschämtes Benehmen torpedierte. Hoeneß schäumte vor Wut und fand auch Worte die ihre Wirkung nicht verfehlten. Der PSG trennte sich von Henrique.

Nur holte der Clubchef mit Leonardo für diese Position einen alten Buddy von ihm zurück zum PSG, der den Traum von einer Verpflichtung Messis verwirklichen sollte. Leonardo ist bekannt dafür, nur mit Trainern zusammenzuarbeiten, die er selbst eingestellt hat. Und er legte auch sofort los. Er identifizierte die Trainerposition als wichtig dafür, Messi von einem Wechsel nach Paris überzeugen zu können. Für Leonardo also gleich zwei gewichtige Gründe, Tuchel zu schassen. Der bekam auch gleich die Zielsetzung, das Finale der CL zu erreichen. Wenn er dies nicht schaffen würde, müsse er gehen. Meisterschaft und zwei Pokalsiege selbstverständlich vorausgesetzt. Öffentlich vor versammelter Presse so geäußert.

Tuchel hatte aber die Mannschaft, insbesondere auch die Superstars, hinter sich gebracht und man spielte eine souveräne Saison. Leonardo erhöhte dann auch gleich die Zielvorgabe (wieder öffentlich) auf den Gewinn der CL.
Es kam der Saisonabbruch, PSG wurde bei einem meilenweiten Punktvorsprung zum Meister erklärt. Nach der langen Zwangspause gewann der PSG in seinen ersten zwei Pflichtspielen Pokal und Ligapokal und startete erfolgreich in das CL-Turnier. Leonardo musste nolens volens seine Zielvorgabe öffentlich modifizieren. Am Ende erreichte man souverän das Finale und unterlag in diesem den Bayern denkbar knapp, ohne das wirklich unterlegene Team gewesen zu sein. Der größte Erfolg der bisherigen Clubgeschichte. Der Mannschaft war klar, dass Tuchel daran den wohl entscheidenden Anteil hatte.

Es folgte nach einer quasi nicht vorhandenen Vorbereitung der Start in die neue Saison und der PSG tat sich schwer, so wie andere Teilnehmer am CL-Turnier auch. Aber man war dennoch ganz vorne mit dabei in der Tabelle. Dennoch nutzte Leonardo diese Situation, um Tuchel wegen unattraktiven Fußballs die Papiere in die Hand zu drücken. Die Spieler waren z.T. stinkig wegen dieser Entscheidung; die öffentliche Reaktion Mbappés war nicht die einzige entsprechende Meinungsäußerung. Diese Entscheidung soll auch maßgeblich zum Bruch Mbappés mit den Clubverantwortlichen beigetragen haben.

Die Situation beim PSG war in keiner Weise mit der beim BVB zu vergleichen. Wie es sich nun bei Chelsea verhält, kann ich nicht wirklich beurteilen; nur insofern, dass auch diese Situation eine andere ist als sie es beim PSG war.

Btw Pulisic hat sich nicht beschwert, weil er wenig spielt sondern weil er jedes Spiel auf einer anderen Position spielt.

Richtig, Pulisic hat sich öffentlich beschwert, dass er ständig auf anderen Positionen aufgeboten werde. Lukaku war es, der sich über zu wenig Einsatzzeiten nach der Systemumstellung öffentlich beklagt hat. Seine Äußerungen haben dabei das große Medienecho hervorgerufen.

Wenn man so will sind beide Verlierer der Systemumstellung Tuchels. Der eine spielt deutlich weniger, der andere kommt auf immer wechselnden Positionen zum Einsatz. Verlierer sind aber auch andere, z.B. Werner. Der dürfte darüber auch nicht zufrieden sein. Er beklagt sich allerdings nicht, zumindest nicht öffentlich.

Solche Verlierer gibt es immer und sie sind bestimmt nicht glücklich mit ihrer Situation. Und es kommt auch immer wieder vor, dass gerade solche Verlierer bei Schwächephasen des Teams (und Chelsea befindet sich mitten in einer solchen Schwächephase) ihre Chance nutzen, um Stimmung gegen den Trainer zu machen. Ob dies zu einer Schwächung und am Ende zu einer Demission Tuchels führen wird, muss man abwarten. Es wird entscheidend davon abhängen, ob und wie das Team aus der Schwächephase herauskommen wird und wie sich das Team in der Gesamtheit zu Tuchel stellen wird.


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