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Bela Rethy nur mehr im Reserveteam (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Samstag, 10.07.2021, 14:14 (vor 1652 Tagen) @ Habakuk

Die Stimme von Schmidt erinnert mich immer sehr an einen Reporter aus früheren Zeiten: Jochen Sprentzel. Damals wurde ja noch nicht derart penetrant kommentiert. In jedem Fall gehört Oliver Schmidt nicht zu den Selbstdarstellern am Mikrofon und auch nicht zu denen, die einem die Emotion beim Einwurf an der Mittellinie ins Gehirn brüllen wollen. Grundsätzlich würde ich aber auch meist lieber den Stadionton hören, oder vielleicht einen Minimalkommentar, der mir in erster Linie das sagt, was ich als Fernsehzuschauer nicht sehen kann. Naja. Man wird ja noch träumen dürfen.

Sprentzel ist mir als Kommentator eher von Olympischen Spielen in Erinnerung. Und wenn es in der Sportschau um die Hertha ging.

Was die Live-Kommentierung von Fußballspielen im TV anbelangt, so bin ich persönlich von Ernst Huberty und Co sozialisiert worden. Sehr dosiert und zurückhaltend waren in den 60ern die Fernsehkommentatoren. Warum sollten sie auch etwas kommentieren, was die bewegten Bilder eh zeigten? Und das bei nur einer Kameraeinstellung (Totale).

Das läßt sich auch erklären. Mitte der 50er-Jahre steckte das gerade einmal in Deutschland eingeführte Fernsehen noch in den Kinderschuhen. Das Radio war das absolut dominierende Medium. Der Rundfunkkommentar des WM-Finales 1954 durch Herbert Zimmermann hat sich ins kollektive Fußballgedächtnis eingeprägt, an die Kommentierung der TV-Übertragung erinnert sich kaum jemand. Es gab ja auch erst wenige TV-Geräte in Privathaushalten. Was sich in den folgenden Jahren infolge steigenden allgemeinen Wohlstandes, Ratenzahlungsmöglichkeiten und günstigerer Preise und weiterer technischen Entwicklung rasant änderte. Das Finale der WM 1966 ist mit den TV-Kommentierungen von Rudi Michel verbunden; wer das Spiel im Radio kommentierte, weiß heute fast niemand mehr.

In dieser Zeit der enormen Zunahme der TV-Geräte in Privathaushalten und dem damit verbundenen steigenden TV-Konsum (was das Alltagsleben enorm beeinflusst hat), mussten sich die in diesem neuen Medium arbeitenden Menschen für ihr Publikum von denen unterscheiden, die im alten Medium Radio tätig waren. Dessen waren sich gerade diejenigen bewusst, die vom Rundfunk kamen. Für Übertragungen von Fußballspielen (was in der Regel Spiele der Nationalmannschaft oder Europapokalspiele waren und daher ein Vergleich zu heute viel seltener stattfanden) bedeutete dies, nicht mehr bildhaft und im Dauerton das Spielgeschehen wiederzugeben. Die Zuhörer waren jetzt Zuschauer und konnten ja selbst sehen, was auf dem Rasen passierte.

Interessanterweise wich der zurückhaltende Kommentierungsstil im gleichen Maße einem immer stärkeren Wortanteil wie der technische Fortschritt Farbübertragungen, bessere Bildqualitäten, immer mehr Kameraperspektiven und Zeitlupenwiederholungen lieferte. Je mehr Brimborium vor und nach der Übertragung eines Fußballspieles gemacht wurde, umso mehr wurden die Kommentatoren zu Dauerrednern.

Was schließlich dazu geführt hat, dass ich persönlich versuche, die jeweilige Kommentierung irgendwie auszublenden.


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