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Image, Realität und Wahrnehmung (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Mittwoch, 11.11.2020, 11:21 (vor 1890 Tagen) @ Muli

Und wer ist Saruman? Aki oder Cash-Carsten?

Bin in der Sache aber voll bei dir und finde das auch reichlich bescheiden.
Einerseits wird gerne noch das Bild des ehrlichen Ruhrpottklubs gezeichnet, der weiß wo er herkommt und die Speerspitze der Traditionsvereine im Kampf gegen die Retorte darstellt. Andererseits dann maximale Profitgier auf Kosten der Kleinen.

Reichlich scheinheilig meiner Meinung nach.

Mich wundert immer wieder, dass es offensichtlich nicht wenige BVB-Anhänger gibt, die das Image vom Club mit der Robin Hood - Attitüde für bare Münze nehmen.

Anhänger anderer Clubs sehen das schon lange nicht oder nicht mehr so. Bereits in den 90ern, als wir ein paar Jahre sportlich auf echter Augenhöhe mit Bayern waren und es sogar schien, als hätten wir leicht die Nase vorn und wir dies auch in der Außendarstellung nicht zu kurz kommen ließen, hörte ich oft Sätze wie „Ihr kauft Euch den Erfolg doch auch nur zusammen“ oder „Ihr seid doch genauso wie die Bayern“. Sicherlich fanden es auch viele gut, dass die Bayern echte Konkurrenz hatten. Aber es gab schon seinerzeit nicht wenige, die uns kritisch sahen.

Dass mit dem zusammengekauften Erfolg war auch nicht so falsch, und als das risikoreiche Wirtschafts-/Finanzierungsmodell des BVB in sich zusammenfiel, gab es weniger Solidaritätsbekundungen als es Häme gab. Nur der strikte Konsolidierungskurs durch Aki und Co nach der mehr oder weniger wundersamen Rettung und der Erfolg der ersten Klopp-Jahre mit einer jungen no-name-Truppe mit ‚Vollgasfußball‘ erzeugte eine Sympathiewelle, weil wir mit relativ geringen Mitteln den Bayern Paroli bieten konnten.

Nun ist es zwar durchaus möglich, mit relativ geringen Mitteln zu Erfolg zu kommen. Nur ist es nicht möglich, mit diesen relativ geringen Mitteln diesen Erfolg zumindest dauerhaft zu bestätigen. Das wussten Aki und Co natürlich auch und unsere Ausgaben wuchsen wie auch unsere Einnahmen wuchsen. Schließlich wollte (und musste) man oben bleiben und vielleicht sogar zu den Bayern aufschließen. Die Mannschaft wurde von Jahr zu Jahr ebenso teurer wie auch die Transfers.
Der Götze-Transfer und der Wechsel Lewandowskis zu den Bayern wurde zwar laut beklagt, aber dies wurde uns von den Anhängern anderer Clubs mehr und mehr als unglaubwürdige Jammerei ausgelegt, da unser Verhalten auf der Transfermarkt aus deren Sicht sich in zunehmendem Maße nicht unbedingt von dem der Bayern unterschied. Für die waren wir so etwas wie Bayern 2 geworden.

Auch als Aki sich mehrfach öffentlich gegen den neuen unliebsamen Konkurrenten aus Leipzig positionierte, wurde das von Anhängern anderer Clubs durchaus kritisch gesehen. Da hieß es des Öfteren, man sei zwar auch strikt gegen dieses ‚Konstrukt‘, aber wir als Großkopfete sähen doch nur unsere Position als Nr. 2 gefährdet.

Nachdem es ein paar unschöne Ereignisse gab, sahen sich Aki und Co plötzlich auch öffentlich in der Defensive. Und da man das gepflegte eigene saubere Image nicht gefährden will und Sponsoren auch nicht unbedingt Negativberichterstattung mögen, hört man auch nichts mehr in Richtung Leipzig. ‚Ansagen‘ gen Süden gibt es ohnehin schon länger nicht mehr; die Bayern haben deutlich gezeigt, wo Bartl den Most holt.

Der BVB ist ein Club im professionellen professionellen Fußballgeschäft, der seine nationale und internationale Stellung nicht verschlechtern, sondern halten und wenn möglich etwas verbessern will. Alles andere ist mehr oder weniger gut gemachte Folklore. Die Frage nach der Glaubwürdigkeit dieser Folklore stellt sich da eher weniger.

Wir sind in einem Boot mit dem eindeutigen Marktführer Bayern, aber auch mit Leipzig, Gladbach oder Leverkusen. Bayern ist dabei der Kapitän, wir der 1. Offizier. Und diejenigen, die im Maschinenraum sind, träumen davon, einmal mit auf der Brücke zu stehen. Da sie aber wissen, dass dies mehr als unwahrscheinlich ist, sind sie froh, überhaupt an Bord sein zu dürfen. Und meutern deshalb auch nicht. Wer dies dennoch tut, findet sich schneller im Beiboot wieder, als er ‚Ahoi‘ sagen kann. Was die letzte Warnung vor dem Kielholen ist.


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