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Favre vs Aki (Susi) (BVB)

Blarry, Essen, Donnerstag, 27.08.2020, 21:07 (vor 2233 Tagen) @ Pommes-Pils

Hummels ist sehr wohl Viererkettenkompatibel.

Hängt halt davon ab, auf was für einem Level. In München war man sich in einem seltenen Akt der Einigkeit sicher, dass das sportlich nicht mehr hinhaut, und dass man mit einem zehn Zentimeter kleineren und zehn Prozent schnelleren Spanier hintenrum sicherer steht.

Wenn wir extrem hoch verteidigen würden, wie unter Bosz, dann würde dies sicher deutlich ins Gewicht fallen. Aber so spielen wir nunmal nicht, sondern stehen relativ tief und lassen den Gegner mit dem Ball machen.

Das waren exakt meine auch an dieser Stelle formulierten Gedanken vor vierzehn Monaten. Die Hoffnung, dass der Transfer für alle Beteiligten - Bayern, Hummels, BVB - nur Vorteile bringt. Leider hat sich die Aussicht, dass wir mit Favre sowieso tiefer stehen und Mats' Geschwindigkeitsdefizit dadurch nicht so ins Gewicht fällt, schnell zerschlagen, weil diese lästigen anderen elf Spieler in anderen Trikots als gelben, die bei einem Fußballspiel mit auf dem Platz stehen, mal so gar nichts davon hielten, gegen uns auf Ballbesitz zu spielen. Wir haben naturgemäß immer noch verdammt viel Ball, stehen dadurch immer noch verdammt hoch, und lassen dadurch immer noch hektargroße Räume zwischen Bürki und Innenverteidigern.

Aber auch in Szenen, in denen wir uns zurückzogen und sich das Geschehen im toten Raum 30 Meter vor unserem Tor abspielte, war es mitunter brenzlig. Hummels' Party Piece war seit jeher das Ausrücken aus der Abwehrkette zur Balleroberung gegen Pässe in seine Richtung. Nur ist es nicht mehr 2011. Angreifer sind mit Kopf und Füßen schneller (sorry Burgstaller), und Mats schafft es nicht mehr so zuverlässig, den Gegner zu stoppen, wie als junger Hüpfer. Gefühlt sind durch inkonsequentes oder zu langsames Herausrücken mehr Gegentore entstanden als weil einer 40 Meter dem Stürmer hinterherlaufen musste.
Und das ist dann schon bedenklich, weil es eine andere Art der Gefährdung schafft, die anders behoben werden will. In einer stehenden Viererkette ist das Loch, das ein herausrückender Innenverteidiger reißt, nunmal um einiges problematischer als mit fünf Mann hinten. Ich meine, Favre hätte das ursprünglich mit extrem weit innen stehenden Außenverteidigern und zurückkippenden Flügelstürmern zu kitten versucht, so dass praktisch vier zentrale Verteidiger im Strafraum standen und die Seitenlinie vom Außenstürmer und einem der Sechser beackert wurde. Was wiederum eine Lücke im Zentrum schafft, aber alles hat irgendwo seinen Folgen. Diese Problematik ist alles andere als trivial und schon gar nicht mit irgendwelchen Dogmen von "Viererkette oder nix" und "der muss immer spielen" zu lösen. Sonst hätte Favre vergangenen Dezember nicht die Reißleine ziehen müssen.


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