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Vermutlich Saison Aus für Sahin (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Mittwoch, 03.06.2020, 01:11 (vor 2047 Tagen) @ Elmar

Vielleicht sehen wir Nuri nicht mehr in der Bundesliga.

https://www.kicker.de/776694/artikel/kohfeldt_vor_dem_nachholspiel_nichts_was_uns_retten_kann_

Eine Zukunft bei Werder scheint für Sahin so gut wie ausgeschlossen. Dafür ist im Laufe der aktuellen Saison wohl zuviel in der Beziehung zu Kohfeldt in die Brüche gegangen.

Es ist schon eine ziemlich wechselhafte Zeit für Nuri bei Werder gewesen, und er dürfte seinen Teil zu dieser wechselhaften Geschichte beigetragen haben. Beim BVB ohne Zukunft, holte Baumann ihn in einer last-minute-Aktion kurz vor Transferschluss als back up für den häufig verletzungsbedingt ausfallenden Bargfrede und Trainer Kohfeldt bedachte ihn mit einigen Vorschusslorbeeren. Wobei es schon etwas unstimmig erschien, dass Bargfrede durch einen gänzlich anderen Spielertypen vertreten werden sollte.

In der Hinserie der letzten Saison kam Nuri dann auch mehrfach zum Einsatz, wobei er nicht überzeugen konnte. Der eine oder andere (auch spielentscheidende) Bock war dabei, offensichtlich gab es Eingewöhnungsschwierigkeiten, vielleicht gab es Akzeptanzprobleme bei den Mitspielern, seine (bekannten) Geschwindigkeitsdefizite zeigten sich deutlich. Dennoch war auch zu erkennen, dass er nach wie vor über sehr gute Passqualitäten verfügt, ein Spiel immer noch durchaus strategisch lenken kann und auch Führungsqualitäten besitzt.

In der Rückrunde kamen diese positiven Fähigkeiten dann immer besser zur Geltung; man konnte sehen, wie Nuri sein Passspiel vorausschauend aufzog. Dabei kam es ihm zugute, dass seine mangelnde Geschwindigkeit im von Kohfeldt präferierten 4-3-3 durch die beiden laufstarken 8er Klaassen und M. Eggestein kompensiert wurde und gerade M. Eggestein in Überform spielte. So kam man in der Defensivbewegung auch nur selten in Bedrängnis. In der Offensivbewegung war es der in typisch überdurchschnittlicher Rückrundenform frei-floatend spielende Kruse, der das von Nuri aus der Tiefe aufgezogene Passspiel kreativ verwertete und seine Mitspieler immer wieder in gute Position brachte. Fast hätte man sogar noch die EL-Qualifikation geschafft, woran vor und zu Beginn der Saison nicht zu denken war.

Kohfeldt hob dabei immer mehr nicht nur die fußballerischen Qualitäten Sahins hervor, sondern vor allem auch seine strategisch vorausschauende Spielweise. Trainer und Spieler verstanden sich offensichtlich immer besser, tauschten sich nach eigenem Bekunden durchaus kritisch immer mehr aus. Nuri wurde in Bremen schließlich als der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld gesehen und seine Akzeptanz in der Mannschaft stieg immer mehr. Nuri erhielt sogar das Privileg, beim Training der zweiten Mannschaft Werders zu hospitieren. Seinen Wunsch, später einmal als Trainer zu arbeiten, hat er nie verborgen.

Auch in der Vorbereitung zur neuen Saison schien sich diese Entwicklung fortzusetzen, wobei bereits diese Vorbereitung durch sich häufende Verletzungen und langfristige Ausfälle wichtiger Spieler gerade in der Defensive geprägt und beeinflusst war. Dies setzte sich direkt zu Saisonbeginn fort und teilweise hatte Werder im Defensivverbund keine Innenverteidiger und keine Außenverteidiger zur Verfügung. Im Mittelfeld mussten Klaassen und M. Eggestein durchspielen, obwohl sie weit hinter ihrer Form der Vorsaison blieben und vor allem M. Eggestein ausgelaugt wirkte. Auch in der Offensive wurde immer deutlicher, dass Kruse in keiner Weise ersetzt Werden konnte. Der Plan Kohfeldts, Kruses Rolle auf verschiedene Spieler zu verteilen, scheiterte komplett. Die Neuzugänge schlugen auch nicht ein und Füllkrug, der sich im Sturm zu einer wirklichen Verstärkung zu entwickeln schien, verletzte sich früh so schwer, dass er für die gesamte Saison ausfiel.

Nicht die besten Voraussetzungen für Sahin. Seine Schwächen konnten nicht mehr kompensiert werden und traten im weiteren Saisonverlauf immer stärker zu Tage. Gleichzeitig fehlten in der Offensivbewegung adäquate Anspielstationen. Wobei man sich im ersten Saisondrittel trotz aller Widrigkeiten recht ordentlich schlug und sicherlich noch mehr gepunktet hätte, wenn man sich selbst nicht mit einem extrem schlechten Verhalten bei Defensivstandards entscheidend geschwächt hätte.

Im zweiten Saisondrittel kam dann allerdings der Absturz, Kohfeldt fand kein Mittel um die Mannschaft zu stabilisieren. Defensiv ein offenes Scheunentor, im Aufbauspiel ohne erkennbaren Plan und in der Offensive nicht existent. Kaum ein Spieler erreichte seine Normalform, Nuri genausowenig wie die anderen. Wobei er in einigen Spielen besonderes abfiel und einmal bereits nach einer guten halben Stunde als besonderer Schwachpunkt ausgemacht und ausgewechselt wurde. Und dann zunächst auf der Bank platznehmen musste und nach dem Liganeustart noch nicht einmal mehr im Kader war.

Gleichzeitig merkte man, dass das Verhältnis zwischen Trainer Kohfeldt und Sahin nicht nur merklich abkühlte, sondern am Ende in einer totalen Eiszeit mündete. Auslöser dieser 180-Grad-Wende in der Beziehung war offensichtlich eine Auseinandersetzung in der Kabine. Sahin hat wohl in einem offenen Disput die angebliche oder tatsächliche Intensität des Trainings bemängelt und eine entsprechende Änderung gefordert. Offene Unterstützung hat er dabei von J. Eggestein und Claudio Pizarro erhalten. Ob er dies in Eigeninitiative oder in Absprache mit anderen Spielern getan hat oder von anderen Spielern aufgrund seines besonderen Verhältnisses zu Kohfeldt vorgeschickt wurde, ist nicht klar. In der Konsequenz jedenfalls war er außen vor, aber auch J. Eggestein und Pizarro (der sich dann auch noch verletzte) erhielten keine oder kaum eine Chance mehr.

In Bremen spricht man allerdings auch davon, dass die Skepsis Sahin gegenüber bei einem Teil der Mannschaft nie verschwunden gewesen wäre und man ihn gerade in der Krisensituation als dem Trainer gegenüber illoyal empfunden habe. Auch das wird sich schwerlich nachprüfen lassen.

Die ‚Coronapause‘ hat Werder offensichtlich gut genutzt und für Kohfeldt war sie vielleicht die Jobrettung. Regeneration, Aufarbeitung physischer Defizite, am Ende erstmals ein Mannschaftstraining mit einem Großteil der Mannschaft bei gleichen Belastungsmöglichkeiten haben zu defensiver Stabilität und einem in Relation konstruktiverem Aufbauspiel geführt. Im Offensivdrittel sieht es zwar weiterhin eher ‚uninspiriert‘ aus, für zwei 1:0-Siege und ein 0:0-Remis hat es allerdings gereicht. Und zwar ohne Nuri, für den noch nicht einmal auf der Bank Platz war.

Ob Werder sich nun doch noch rettet, wird man sehen. Die Chancen stehen mittlerweile gar nicht schlecht. Nuri wird davon so oder so nicht mehr viel mitbekommen. Wenn er tatsächlich am Bosporus seine Spielerkarriere zuende ergehen lassen möchte, dann wünsche ich ihm dabei viel Glück und Erfolg.


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