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Neu auf schwatzgelb.de: ?Die Selbstveropferung? des Mario Götze. (BVB)

Ravenga, In der Ruhr liegt die Kraft, Samstag, 23.06.2018, 03:09 (vor 2963 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
bearbeitet von Ravenga, Samstag, 23.06.2018, 03:13

Im Grunde ähnelt die Geschichte Götzes oberflächlich an die von Lars Ricken: Mega-Talent, der schon in ganz jungen Jahren entscheidenden Anteil am Erfolg der Borussia hatte, wichtige Tore schoss und dem eine goldene Zukunft prophezeit wurde. Der letzte Schritt zum Weltklasse-Fußballer bleibt dann allerdings aus, die Leistung stagniert (auf immer noch hohem Niveau), bis dieser eine Moment kommt, der prägend für die Karriere dieser Jungen Fußballer sein wird. Bei Ricken denkt man doch auch zuerst an das Tor gegen Juve, im Falle Götzes ist es halt das Tor zur Weltmeisterschaft, welches dann medial bis ins kleinste ausgeschlachtet wurde. Ricken hatte das Glück, dass er noch nicht zu Zeiten des Internets bzw. Social Media aktiv war, der Hype um Götze und die Weltmeistermannschaft war ja nochmal um einiges krasser. Dass Spieler daran zerbrechen bzw. scheitern können, glaube ich sofort. Auf den ersten Blick erstaunlich, wie sich die größten Momente einer Karriere in der Folge als Hemmnis herausstellen können.

Wie auch immer, der Artikel ist schon knallhart, aber er spricht auch viel Wahres an. Ich bin ja alles andere als ein Fan von Mario Götze, aber ich weiß mittlerweile, den damaligen Wechsel zu den Bayern einzuordnen. Wir haben in der Zwischenzeit die Abgänge von Hummels, Mkhitaryan, Dembele und Aubameyang erlebt, die alle nicht an den Schock des Götze-Wechsel heranreichen, aber in ihrem Ablauf dafür zehnmal ekelhafter waren. Dass er den Schritt nach München ging, kann ich auch gut nachvollziehen und verüble es ihm nicht (mehr).

Ich sehe Götze in erster Linie als Persönlichkeit kritisch, weil er sich total widersprüchlich verhält, was im Artikel ja auch behandelt wird. Er gibt sich als bescheiden, nachdenklich und conscious (wie Aubameyang auch), lässt aber kaum eine Gelegenheit aus, um sich - möglichst pathetisch - zu präsentieren und in Szene zu setzen. Das passt einfach nicht. Dass er einen Trainer nach dem anderen abkanzelt, mag einen wahren Kern haben (seine Aussagen zu Guardiola und Tuchel glaube ich ihm sofort), aber das als Grund neben seinem übertriebenen Ehrgeiz für seinen Niedergang heranzuziehen, zeugt von einer zweifelhaften Selbstreflexion. Die konnte man meiner Meinung nach aber auch nicht erwarten, für eine schonungslose Abrechnung mit sich selbst braucht es keine vierteilige Dokumentation. Passt aber wiederum ins Bild eines Menschen, der händeringend Zuspruch und Bestätigung braucht, die er nun versucht, sich auf diesem Wege zu holen. Eigentlich traurig.

Jedenfalls bin ich sehr gespannt, wie es mit ihm weitergeht. Zum Wohle des Vereins hoffe ich bei Götze auf eine Wiedergeburt a la Mkhitaryan unter Tuchel. Favres kommunikative Art könnte ihm entgegenkommen, aber er steht jetzt am Scheideweg: Wenn es selbst mit dem väterlichen Lucien Favre nicht klappt, sollte spätestens dann im Hause Götze mal die Frage aufkommen, ob es wirklich immer nur an den anderen liegt.


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