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Ole Werner (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 09.10.2023, 22:33 (vor 843 Tagen) @ guy_incognito


Werders Kader ist aus meiner Sicht nicht der eines Absteigers. Selbstverständlich schmerzt der Abgang von Füllkrug, aber mit Borré und Kownacki hat man zwei passable Leute verpflichtet, zudem mit Keita und Lynen Spieler für die 6er Position geholt.

Werders Kader weist durchaus ansprechende Qualität auf. Nur ist er unausgewogen und einige Positionen sind garnicht besetzt.

Keïta ist ein Achter und seine Verpflichtung war schon ein Coup. Zweifellos verfügt er über spielerische Qualitäten, die für einen Club wie Werder wie ein Hauptgewinn in der Lotterie sind. Aber es hat schon seinen Grund, warum andere Clubs (auch aus der Bundesliga) von einer Verpflichtung Abstand genommen haben. Das Risiko langer verletzungsbedingter Ausfälle ist bei ihm extrem hoch. Nur Werder hat sich auf dieses Risiko eingelassen.

Kaum in Bremen, fiel Keïta dann auch gleich mehrere Wochen aus. Zuletzt wird er durch Kurzeinsätze gegen Spielende wieder an längere Einsätze herangeführt und zeigte auch in den wenigen Minuten, dass er übe rKlasse verfügt. Gegen Hiffenheim stand er nun erstmals in der Starelf und gehörte prompt zu den schlechtesten Spielern Werders. Er wirkte in seinem Spiel, arrogant, konnte keine Impulse für das Spiel nach vorne geben und Lynen musste ordentlich Zusatzmeter machen, weil er die Wege zu kompensieren, die Keïta defensiv eben nicht gegangen ist. Keïtas Einsatz war für ca. 60 Minuten vorgesehen. Das war offensichtlich bereits zu viel, denn er wird nun erneut mit einer Muskelverletzung ausfallen.

Die erhofften mindestens ein Drittel aller Saisonspiele wird Keïta so nicht absolvieren und mit der gegen Hoffenheim gezeigten Leistung ist er alles andere als ein Gewinn. Aber vielleicht kommt es ja anders.

Borré ist am letzten Tag der Transferphase als Leihgabe vom Laster gefallen und Kowniacki muss erst einmal in der Bundesliga ‚ankommen‘.

Lynen und Damen sind auch erst kurz vor Toresschluss gekommen.


Erschreckend fand ich in erster Linie die Auftritte in Heidenheim und Darmstadt, insbesondere die ersten Halbzeiten. Gegen Hoffenheim in der aktuellen Form kann man verlieren, wobei das 2:3 natürlich selten dämlich war.

Werder hat in 2023 einen Schnitt von zwei Gegentoren pro Spiel und dürfte mit Schlacke die meisten Gegentore kassiert haben. Von nichts kommt dabei nichts. Frank Schmidt und Torsten Lieberknecht haben sich die Bremer Spielweise genau angeschaut und die Schwachstellen identifiziert (was dann auch nicht allzu schwer ist) und punktgenau bespielt. Resultat: Je vier Gegentore in diesen beiden Spielen gegen die Aufsteiger und absolut folgerichtige Niederlagen.

Gegen Hoffenheim ist man in der zweiten Halbzeit zurück ins Spiel gekommen. Und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als man sämtliche taktischen Maßgaben fallen gelassen hat und ohne große Struktur nur noch nach vorne gespielt hat. Hoffenheim hatte in dieser Phase mehrer über sehr gute Torchancen nach Kontern, hatte dies aber nicht nutzen können. Als dann der Ausgleich dann noch fiel, beging man im direkt wieder einen fatalen Abwehrfehler na die Heimniederlage war besiegelt.

Man hat in diese ersten Saisonphase gegen Mannschaften verloren, gegen die man eigentlich punkten sollte, wenn man nicht absteigen will. Die nächsten Gegner haben es in sich. Da sind eigentlich nur BMG und der FCA, die schlagbar erscheinen. Ob sie es für Werder in der momentanen Verfassung sind, darf bezweifelt werden.


Insgesamt liest sich die Bilanz von Ole Werner in 2023 verheerend.

Sie liest sich nicht nur so, sie ist es auch.

Ole Werner hat bei Übernahme des Teams die von seinem Vorgänger gerade gefundene 3-5-2-/5-3-2-Formation beibehalten und ein wenig adjustiert. Er ließ offensiv spielen, schaffte den direkten Aufstieg und ließ vor der WM-Pause in der Wiederaufstiegssaison genauso weiterspielen. Was für überraschende Punktgewinne bei ansehnlichen Spiel sorgte.

Nach der WM-Pause hatten sich allerdings die gegnerischen Trainer auf das Bremer Spiel eingestellt und es kam zu verletzungsbedingten Ausfällen, die nicht kompensiert werden konnten. Der Kader war in der Breite qualitativ zu schwach besetzt, alsdass Rotationen schadlos geblieben wären. Und Ole Werner war aber nicht in der Lage oder wahrscheinlich eher nicht willens, eine notwendige Anpassung der Spielweise vorzunehmen. Den Abstieg hat man auch deshalb verhindert, weil andere Teams gerade in der Hinrunde eben schlechter waren.

Ein vielleicht werdertypisches Kuriosum ist, dass man nach dem Abstieg zwei Trainer im Visier hatte und auch verpflichtete, die ein offensiv ausgerichtetes 4-3-3 spielen lassen wollen (Anfang wahlweise auch ein 4-1-4-1). Nur hat man im Kader weder Außenverteidiger (zumindest keine bundesligatauglichen), noch offensive Flügelspieler. Anfang hatte man offensichtlich zugesagt, entsprechend Spieler zu verpflichten, was aber auch aufgrund der Auflagen und Verkaufszwänge unterblieb. Notgedrungen musste Anfang eine an den Kader angepasste Formation finden, die dann von Werner aufgrund fehlender Alternativen übernommen wurde (s.o.)

Nun lässt Werner grundsätzlich offensiv ausgerichtet spielen, was durchaus attraktiv ist und dem Werdercredo entspricht. Der Haken ist nur, dass man damit zwar nach dem Wiederaufstieg die Gegner zunächst überraschen konnte, die dann aber seit der WM-Pause gezielt die Schwachstellen bespielen. Die Ergebnisse sind entsprechend. Und Werner reagiert nicht.. Bzw. schon, indem er z.T. andere Spieler bringt, da der Kader qualitativ etwas breite geworden ist. Aber die Spielweise inkl. Formation behält er bei.

Die offensive Spielweise bedingt, dass die Dreierabwehrkette hoch steht und oft, eigentlich immer, mannorientiert verteidigen muss. Nur zeichnet sämtliche infragekommenden Spieler der Dreierkette aus, dass sie eher langsam sind. Das 1:1 gegen schnelle Angreifer erweist sich dann zu oft als tödlich. Hinzu kommt, dass die fehlende Geschwindigkeit auch die Anstände in der Dreier-/Fünferkette zu oft nicht rechtzeitig enger gemacht werden. Was den Gegner geradezu zu Schnittstellenpässen einlädt, ebenfalls mit fatalen Folgen.

Außenverteidiger kann sich Werner wie schon andere vor ihm nicht schnitzen und die Geschwindigkeit seiner Innenverteidiger kann er auch nicht per Zauberspruch erhöhen. Allerdings könnte er seinen Offensivansatz überarbeiten. Z.B. zehn Meter tiefer stehen, damit die Innenverteidiger nicht mehr so oft ins Laufduell mit schnellen gegnerischen Stürmern müssen. Die Flügelläufer würden automatisch ebenfalls tiefer agieren, was die Abstände in der Defensivreihe enger werden ließe. Zusätzlich mit zwei Sechsern im Mittelfeld agieren, was die defensive Stabilität weiter erhöhen würde. Den offensiven Ansatz mit dem kombinativen Spielaufbau wird man dabei nicht unbedingt ändern, aber anpassen sowie durch mehr konterbasiertes Spiel ergänzen müssen. Die Spieler dazu hätte man mittlerweile.


Jedoch stelle ich auch die Frage in den Raum, wer denn überhaupt auf dem Markt wäre und ein Upgrade darstellen würde. Werder hat seit Thomas Schaaf zig Trainer ausprobiert und nur die eine Saison unter Kohfeldt nichts mit dem Abstieg zu tun gehabt.

Ole Werner könnte mMn aus dem Kader etwas machen, zumindest einen sicheren Platz im Mittelfeld erreichen. Sicherlich wird er auch von der Sportlichen Leitung oft genug im Regen stehen gelassen in den Transferphasen, in denen sich oft genug erst in den letzten Tagen Entscheidendes ändert. In Bremen heißt es aber auch, dass Werner an seiner eigenen Sturheit und ein wenig auch an seiner Distanziertheit scheitert.

Als möglicher Nachfolge wird u.a. Timo Schultz gehandelt.

Aber vielleicht bekommt Werner ja doch noch die Kurve.

Schaun mer mal.


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