Psychologie der Fast-Insolvenz (BVB)
Mich beschäftigt ein Punkt, der mit der Fast-Insolvenz des Vereines in den 2000ern zu tun hat und die Auswirkungen der Jahre danach auf die Transfers und Risikominimierung, bis zum heutigen Kader.
Aki Watzke / Thomas Treß sind heute wie damals bei uns noch für die wirtschaftlichen Gegebenheiten zuständig, geben das Geld frei für Kehl und Co und vielleicht hemmt das auch die Entwicklung des Kaders, weil nicht gut und richtig investiert wird und mit zu viel Angst, lieber 3-5 Spieler verpflichtet werden mit mittleren Mio Summen, als einer für das volle Budget
Wir haben in den letzten Jahren nie Spieler verpflichtet, die mehr als 30-35 Mio gekostet haben. Die vom Namen her nie wirklich so waren wie DER eine KRACHER. Natürlich gibt es immer Spieler die man auch für weniger bekommt, aber solche Spieler haben wir im Kader eigentlich seit Jahren. Die Spieler an denen sie wachsen können, erfahrene international gute Spieler die schon viel erlebt habe und Erfolge hatten, eine Mannschaft mitreißen durch Erfahrung oder Emotion und authentisch sind aufgrund ihrer Reputation allerdings nicht.
Risiko müsste man im finanziellen aufbauen, wenn man Spieler wie Jude 1 Jahr länger hält und dann mit finanziellem Risiko ihm einen TOP Spieler an die Seite stellt, wo er selbst dann sagt, okay REAL kann noch 1 Jahr warten. Im Idealfall bleibt er dann noch 1 Jahr, gibt etwas weniger Ablöse, aber das Team ist mit ihm und dann noch einem TOP Spieler (es gäbe da viele Namen für 50/60 Mio - das ist halt das Risiko und keine Garantie) in diesem Jahr gewachsen in der CL im Viertelfinale, etc - Jude geht und man verpflichtet direkt einen Spieler auf dem ähnlichen Niveau und nicht 2 Spieler die das kompensieren sollen.
Das ist am Ende nur ein fauler Kompromiss und eine Spirale des Durchschnitts und der Hoffnung das Spieler Sprünge machen von 2-3 Entwicklungsstufen innerhalb Saison.
Wir sehen genau diese Spirale seit Jahren
Mich beschäftigt folgender Punkt / Gegenpunkt
Obwohl die Aufteilung unseres Transferbudgets das Risiko von Fehleinkäufen minimieren kann, ist es eher offensichtlich und notwendig, ein höheres Risiko einzugehen und in 1-2 teure Top-Spieler zu investieren mit quasi einer Wette auf die Zukunft nur ohne den Sinn damit Transferprofit zu erwirtschaften, die Spieler wertbringend zu verkaufen, sondern eigene Erfolge zu feiern und um die Qualität und das Leistungsniveau der Mannschaft signifikant und langfristig zu steigern.
Dieses Vorgehen kann zwar finanziell riskanter sein, da ein größerer Anteil des Budgets in wenige Spieler investiert wird, aber sie kann auch zu einer deutlichen Entwicklung und das Wachsen der Mannschaft führen, indem sie Spieler von direkt höherer Qualität verpflichtet die in der Lage sind, sofortigen Einfluss auf das Team zu nehmen und seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Spieler wie z.B. Schulz, Hazard, Diallo, Can und andere zu verpflichten (Sabitzer und Nmecha lass ich noch raus) statt größer und teurer, ist zwar keine Sicherheit und man weiß es später immer besser, aber trotzdem stehen sie für den teuren Durchschnitt der am Ende mehr Ablöse verbrannt hat als es anders hätte laufen können.
Die scheinbare Aufteilung unseres Transferbudgets zur Minimierung des Risikos eines Fehleinkaufs führt dazu, dass statt 1-2 hochkarätigen Spielern lieber 4-5 Spieler für jeweils rund 20-30 Millionen Euro verpflichtet werden. Diese Vorgehensweise der gefühlten, psychologisch, verankerten Risikominimierung bei Watzke / Treß führt aber anscheinend auch dazu, dass die verpflichteten Spieler nicht die Qualität haben, um der Mannschaft sofort oder überhaupt entscheidend zu helfen, sie machen keinen Unterschied.
Auf Dauer und rückblickend zu den letzten Jahren schadet diese Vorgehensweise der Entwicklung der Mannschaft sogar, da bei Transfers kein signifikantes höheres Risiko für höheres internationales Niveau eingegangen wird und stattdessen "sicher" in durchschnittliche Spieler mit Potenzial investiert wird, die größtenteils (Schulz, Hazard, Diallo, Emre, Nmecha, Sabitzer, etc) welche die Liga bereits kennen und nicht das gesamte Budget auf 1-2 Spieler konzentriert.
Das in dem Kontext, dass diese, falls sie sich als Flops herausstellen vielleicht noch mit nur 50% Verlust leichter verkaufen lassen und man darauf hofft mit mehr Spielern, die Chance zu erhöhen zumindest 1 von 3-4 zu verpflichten der in die Mannschaft wächst und das Team verstärkt. Nicht unbedingt weil man das so als richtig ansieht, aber vielleicht mit der Erfahrung von 2006, unterbewusst, eine innerlich Schwelle aufgebaut hat kein Risiko einzugehen. Man sich das auch nicht eingesteht, es auch nicht mal selbst hinterfragt und nicht überbrücken kann.
Mir ist natürlich klar, die Entscheidung, wie ein Transferbudget aufzuteilen ist und wie viel Risiko man in Transfers steckt, gehört zu den komplexesten und wichtigsten Aufgaben und man hat eine Menge Verantwortung, gerade mit dem Wissen der Entwicklung 2006.
Es gibt kein "richtig" oder "falsch", verschiedene Strategien, verschiedenen Szenarien die erfolgreich sein können.
Unser BVB, der in der Vergangenheit finanzielle Schwierigkeiten hatte und in einer bedrohenden Lage war, quasi kurz vor der Insolvenz, könnte es in Person von Watzke und Treß seitdem für klüger halten, so eine Situation nie mehr entstehen zu lassen. Natürlich soll der Vorhof der Pathologie nicht wieder ein mögliches Szenario für den Verein sein. Vor dem Hintergrund scheint es nachvollziehbar das Risiko zu streuen, in mehrere Spieler zu investieren, um das Risiko von Fehleinkäufen zu minimieren, vielleicht gewollt, vielleicht ist man aber auch innerlich gefangen keine Risiken einzugehen und hält damit andererseits die Entwicklung der Mannschaft auf und erreicht langsam den Status der Stagnation.
Die Strategie, Positionen nach Abgängen mit einer Art 2 für 1 oder eine Klasse drunter wieder aufzufüllen, ohne bestimmte Risiko einzugehen hat das Team eigentlich in den letzten Jahren mehr ausgehöhlt und danach aufgefüllt mit Spielern deren wirkliche Leistungsspitze man nicht abschätzen kann und eigentlich hat sich diese Strategie als nicht erfolgreich dargestellt.