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Breitenreiter wird viel zu schlecht gesehen (Spieltage)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Samstag, 15.10.2022, 01:23 (vor 1183 Tagen) @ patrahn

Eigentlich hat der Mann doch überall mehr oder weniger geliefert. In der Retrospektive auf Schalke nen guten Job gemacht und in der Schweiz auch. Und in Hoffenheim ist man aktuell auch gut dabei. Keine Ahnung wieso er nicht so wirklich bei den größeren Vereinen mal im Fokus ist.

Breitenreiter hat auf seiner ersten Trainerstation in Havelse einen Topjob gemacht und das muss man ihm auch für seine zweite Station in Paderborn bescheinigen.

Sein erster Fehler war es, als Trainer zu den Blauen zu gehen. Was sich im ersten Moment als logischer Aufstieg angehört hat, entpuppte sich in der Realität als Karriereknick. Wie Du schon sagst, in der Retrospektive hat er dort eigentlich zumindest ordentliche Arbeit abgeliefert. In der damaligen Gegenwart wurde der 5. Platz (und damit das Verpassen der CL) am Saisonende als enttäuschend empfunden. Zumal dem Club damit dringend benötigtes Geld entging. Sein Pech in dieser Situation war auch, dass für die darauffolgenden Saison Christian Heidel als ‚Heilsbringer‘ verpflichtet worden war. Der hatte bezüglich der Trainerposition andere Vorstellungen und teilte Breitenreiter dessen Beurlaubung noch vor dem letzten Spieltag der laufenden Saison mit, obwohl er eigentlich noch gar nicht im Amt war.

Es klingt aus heutiger Sicht merkwürdig, aber damit haftete Breitenreiter der Geruch des Gescheiterten an. Ein Topclub (als solcher wurde der Gelsenkirchener Vorortverein vor ein paar Jahren in der Tat auf die Bundesliga bezogen noch gesehen) sei für ihn dann doch eine Nummer zu groß gewesen, so der Tenor seinerzeit in vielen Kommentaren.

Martin Kind holte Breitenreiter, der auch aufgrund seiner regionalen Herkunft und Verbundenheit mit dem Raum Hannover und den 96ern als absoluter Wunschkandidat galt, zu dem damaligen Zweitligisten, nachdem man zuvor Trainer Stindel im Laufe der Rückrunde beurlaubt hatte. Breitenreiter schaffte dann in der Schlussphase der Saison auch den Aufstieg in die Bundesliga und hielt den Club auch in der Folgesaison dort. In der allgemeinen Bewertung wurde dies als Beleg dafür kommentiert, dass ein Club wie 96 seine Kragenweite sei. Als er dort dann in der darauffolgenden Saison nach einer Niederlagenserie beurlaubt wurde, galt dies vielen als erneutes Scheitern, diesmal bei einem ‚Fahrstuhl‘-Cub. Hannover erwies sich somit als sein zweiter Fehler.

Damit wurde Breitenreiter in vielen Kommentaren erst recht als Gescheiterter dargestellt und selbst sein Abstieg am letzten Spieltag mit Paderborn wurde (völlig zu unrecht) auf einmal als Indiz dafür herangezogen. Dass er sich dann aus dem deutschen Fußball zurückzog und in die Schweiz ging, mag mangelnden Alternativen geschuldet gewesen sein, war aber genau der richtige Schritt. Unbelastet von den Beurteilungen in den deutschen Medien konnte er in Zürich seine fußballerischen Vorstellungen in Ruhe implementieren und hatte damit Erfolg. Ein Erfolg, der ihn wieder in die Bundesliga zu einem Club gebracht hat, der den Anspruch hat international zu spielen. Wo er aktuell auch ein gute Performance zeigt.

Wobei Hoffenheim ihn auch geholt hat, weil sein typischer fußballerischer Pressingansatz dort gewünscht wird. Interessanterweise wurde Breitenreiter genau dieser Pressingansatz unterschwellig oder auch offen immer wieder als fußballerische Limitiertheit ausgelegt. Dass die bisher von ihm trainierten Teams in Ballbesitzphasen eher unkreativ wirkten, wurde auf mangelnde Flexibilität seinerseits zurückgeführt. Warum das bei ihm so war/ist und nicht bei anderen Trainern, die einen ähnlichen Ansatz verfolgen und deren Teams in Ballbesitzphasen Probleme aufwiesen/aufweisen, ist mir persönlich nicht ganz klar.

Vielleicht liegt dies ja daran wie er in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Im sprachlichen Duktus mitunter an ‚Professor‘ Olaf Thon erinnernd und insgesamt im Erscheinungsbild eher bieder wirkend, macht er vielleicht mehr den Eindruck eines in einem Vorort in einem Reihenhaus wohnenden Sparkassenangestellten als den einer charismatischen Führungsfigur. Um einmal die gängigen Klischees zu bedienen. Die in den Medien genauso wie im richtigen Leben präsent sind.

Mal schauen, wie erfolgreich Breitenreiter diese Saison und mittelfristig bei Hoffenheim wirken wird. Das dürfte entscheidend sein dafür, ob er zukünftig eher Zweit- oder Erstligatrainer sein wird.


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