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Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal (Sonstiges)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Montag, 07.02.2022, 22:34 (vor 1438 Tagen)

Heute jährt sich zum sechzigsten Mal die wahrscheinlich größte Katastrophe im deutschen Steinkohlebergbau. Einer Schlagwetterexplosion auf der Grube Luisenthal in Völklingen fielen 299 Bergleute zum Opfer. Ein Ereignis, das auch nach so langer Zeit im Saarland noch sehr präsent ist. Rund um dieses Datum fanden mehrere Gedenkveranstaltungen statt.

Im Saarland gibt es seit 2012 keine Kohleförderung mehr, aber der Bergbau hat diese Region stark geprägt. So wie es auch im Ruhrgebiet der Fall war. Ich bin kein Saarländer, stamme aber aus einer über Generationen mit dem Bergbau verbundenen Dortmunder Familie. Ein beklemmendes Gefühl begleitet mich daher, wenn ich bei der Erinnerung an das Unglück auf der Grube Luisenthal an die unausgesprochene, aber stets latent vorhandene Furcht zurückdenke, die In den Familien immer präsent war, wenn der Vater, Sohn, Bruder oder Onkel einfuhr.

Ich denke gerne an meine Kindheit und auch an den Bergbau zurück, der unseren Alltag bestimmte. Auch das Bewusstsein für die Gefahr. Den Moment, an dem eine Abordnung der Bergwerksgesellschaft vor der Haustür steht, wollte man nie erleben.

U.a. der SR berichtet:

https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/60_jahre_grubenunglueck_luisenthal_100.html

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Andypsilon, Dienstag, 08.02.2022, 23:35 (vor 1437 Tagen) @ Will Kane

Mein Opa mütterlicherseits hat in Göttelborn uff da Gruub geschafft. Als junger Mann an der Ostfront ein paar Zehen verloren, Jahrzehnte später bei einem Grubenunglück schwere Brüche erlitten, die er nur knapp überlebte. Anschließend konnte er nur noch über Tage arbeiten, was ihn sehr mitgenommen hatte, so als Bergmann durch und durch.

Und obwohl er das war war es doch sein ganzer Stolz, seinen Söhnen Akademiker-Laufbahnen zu ermöglichen damit sie nicht uff da Gruub oder uff da Hütt arbeiten mussten.
Ich kann mich noch gut daran erinnern wie es war, als Opa in Rente war und jedes Jahr im Spätsommer die Ladung Kohle für den Ofen kam. Ich weiß nicht mehr, ob das ein Privileg für alle ehemaligen Bergmänner war oder ob das mit seinem Unfall und der deswegen früheren Verrentung zu tun hatte. Auf jeden Fall war das quasi sein Jahreshighlight, wenn der LKW kam und die Ladung Kohle in die Einfahrt kippte wo die Klappe zum Kohlenkeller war, die Gespräche mit den Fahrern, dann Hemd aus, Schaufel raus und Kohle geschippt. Da durfte auch keiner mit anpacken, höchstens mal ne Flasche Sprudel bringen.

Ein harter Mann mit viel strenger Liebe für seine Söhne. Und wie in so vielen Familien damals blieb dann wenig für die Töchter über. Andere Zeiten.
RIP Opa.

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Ulrich, Mittwoch, 09.02.2022, 06:42 (vor 1437 Tagen) @ Andypsilon

Ich kann mich noch gut daran erinnern wie es war, als Opa in Rente war und jedes Jahr im Spätsommer die Ladung Kohle für den Ofen kam. Ich weiß nicht mehr, ob das ein Privileg für alle ehemaligen Bergmänner war oder ob das mit seinem Unfall und der deswegen früheren Verrentung zu tun hatte. Auf jeden Fall war das quasi sein Jahreshighlight, wenn der LKW kam und die Ladung Kohle in die Einfahrt kippte wo die Klappe zum Kohlenkeller war, die Gespräche mit den Fahrern, dann Hemd aus, Schaufel raus und Kohle geschippt. Da durfte auch keiner mit anpacken, höchstens mal ne Flasche Sprudel bringen.

Deputat-Kohle. Die stand früher allen aktiven und verrenteten Bergleuten zu. Sie ist mit dem Ende des Bergbaus in Deutschland abgeschafft und durch eine Energie-Beihilfe ersetzt worden. Interessanterweise haben dagegen einige ehemalige Bergleute geklagt. Die sind aber wie zu erwarten gescheitert: Kein Erfolg vor Gericht - Eine Ära ist zu Ende: Karlsruhe bestätigt Ende der Deputat-Kohle für Bergleute und ihre Familien (Saarbrücker Zeitung vom 01.05.2020)

P.S.: Bei Brauereien gab es früher vielfach Deputat-Bier.

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Andypsilon, Mittwoch, 09.02.2022, 14:50 (vor 1437 Tagen) @ Ulrich

Ich kann mich noch gut daran erinnern wie es war, als Opa in Rente war und jedes Jahr im Spätsommer die Ladung Kohle für den Ofen kam. Ich weiß nicht mehr, ob das ein Privileg für alle ehemaligen Bergmänner war oder ob das mit seinem Unfall und der deswegen früheren Verrentung zu tun hatte. Auf jeden Fall war das quasi sein Jahreshighlight, wenn der LKW kam und die Ladung Kohle in die Einfahrt kippte wo die Klappe zum Kohlenkeller war, die Gespräche mit den Fahrern, dann Hemd aus, Schaufel raus und Kohle geschippt. Da durfte auch keiner mit anpacken, höchstens mal ne Flasche Sprudel bringen.


Deputat-Kohle. Die stand früher allen aktiven und verrenteten Bergleuten zu. Sie ist mit dem Ende des Bergbaus in Deutschland abgeschafft und durch eine Energie-Beihilfe ersetzt worden. Interessanterweise haben dagegen einige ehemalige Bergleute geklagt. Die sind aber wie zu erwarten gescheitert: Kein Erfolg vor Gericht - Eine Ära ist zu Ende: Karlsruhe bestätigt Ende der Deputat-Kohle für Bergleute und ihre Familien (Saarbrücker Zeitung vom 01.05.2020)


Danke für die Erklärung, die Begriffe Deputatlohn und Hausbrand kannte ich noch nicht.

P.S.: Bei Brauereien gab es früher vielfach Deputat-Bier.

Hmm... ich hab mal bei Rheinmetall als Konstrukteur gearbeitet, da hätte man firmenseits auch mal eine Deputat-30mm Panzerflak Doppellafette anbieten können. So für den Vorgarten, die Tauben nerven echt ungemein dieses Jahr. Und einmal im Jahr kommt der LKW und kippt keine 7 Tonnen Kohle, sondern 5000 Schuss Munition in die Einfahrt.

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Ulrich, Mittwoch, 09.02.2022, 15:10 (vor 1437 Tagen) @ Andypsilon

P.S.: Bei Brauereien gab es früher vielfach Deputat-Bier.


Hmm... ich hab mal bei Rheinmetall als Konstrukteur gearbeitet, da hätte man firmenseits auch mal eine Deputat-30mm Panzerflak Doppellafette anbieten können. So für den Vorgarten, die Tauben nerven echt ungemein dieses Jahr. Und einmal im Jahr kommt der LKW und kippt keine 7 Tonnen Kohle, sondern 5000 Schuss Munition in die Einfahrt.

Ich kenne vom Wehrdienst bei der Luftwaffe noch die 20-mm-Zwillingsflak, müsste auch von Rheinmetall gewesen sein ;-)

Frag mal in Gelsenkirchen nach, vor ein paar Jahren hatten die Bedarf ;-)

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Rupo, Ruhrpott, Mittwoch, 09.02.2022, 12:38 (vor 1437 Tagen) @ Ulrich

Yepp..genau richtig erklärt, danke.

Bei Brauereien gab es früher vielfach Deputat-Bier

Ich hatte mich mal bei Brau und Brunnen in Dortmund beworben, war ein Argument dort anzufangen ;-) ist aber leider nix drauß geworden...

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Rupo, Ruhrpott, Dienstag, 08.02.2022, 13:13 (vor 1438 Tagen) @ Will Kane

Moin,
irgendwie nen schwieriges Thema. Kohle und Stahl haben Deutschland nach dem WKII wieder hoch geholt und wir haben jedem einzelnen Bergmann sehr viel zu verdanken, die wie es der Ausgangspost beschreibt, auch mit ihrem Leben für uns alle 'bezahlt' haben.

Auf der anderen Seite leben wir als Gesellschaft auch weiterhin mit den Auswirkungen des Steinkohleabbau (Ewigkeitsaufgabe)
https://www.rag-stiftung.de/ewigkeitsaufgaben
https://backend.dnr.de/sites/default/files/Projekte/Rohstoffpolitik_2.0/Publikationen_PDF/Bergbaukarte_Deutschland.pdf

bzw. bei der Braunkohle immer noch weiterhin mit den negativen Auswirkungen, siehe Umweltschutz – Klimaschutz.

Das Unglück hat damals einen sehr jungen Mann aus einer saarländischen Familie geprägt (nicht ich). Er ist nicht, wie sein Vater, Brüder, Bergmann geworden und eingefahren, sondern hat Übertrage einen Job angenommen, es ging nicht anders.

Ganz interessante Seite zum generellen weiter stöbern
http://www.ruhrkohlenrevier.de/intro.html

Glück auf!

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Mob-Jenson, Siegen, Dienstag, 08.02.2022, 13:46 (vor 1438 Tagen) @ Rupo

Moin,
irgendwie nen schwieriges Thema. Kohle und Stahl haben Deutschland nach dem WKII wieder hoch geholt und wir haben jedem einzelnen Bergmann sehr viel zu verdanken, die wie es der Ausgangspost beschreibt, auch mit ihrem Leben für uns alle 'bezahlt' haben.

Auf der anderen Seite leben wir als Gesellschaft auch weiterhin mit den Auswirkungen des Steinkohleabbau (Ewigkeitsaufgabe)
https://www.rag-stiftung.de/ewigkeitsaufgaben
https://backend.dnr.de/sites/default/files/Projekte/Rohstoffpolitik_2.0/Publikationen_PDF/Bergbaukarte_Deutschland.pdf

bzw. bei der Braunkohle immer noch weiterhin mit den negativen Auswirkungen, siehe Umweltschutz – Klimaschutz.

Das Unglück hat damals einen sehr jungen Mann aus einer saarländischen Familie geprägt (nicht ich). Er ist nicht, wie sein Vater, Brüder, Bergmann geworden und eingefahren, sondern hat Übertrage einen Job angenommen, es ging nicht anders.

Ganz interessante Seite zum generellen weiter stöbern
http://www.ruhrkohlenrevier.de/intro.html

Glück auf!

Wobei dieser junge Mann besser einen Job unter Tage angenommen hätte...

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Rupo, Ruhrpott, Mittwoch, 09.02.2022, 12:36 (vor 1437 Tagen) @ Mob-Jenson

ging gesundheitlich nicht...der hatte Panik Attacken beim einfahren :-(

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Oranjeborusse, Dienstag, 08.02.2022, 07:50 (vor 1438 Tagen) @ Will Kane


Ich denke gerne an meine Kindheit und auch an den Bergbau zurück, der unseren Alltag bestimmte. Auch das Bewusstsein für die Gefahr. Den Moment, an dem eine Abordnung der Bergwerksgesellschaft vor der Haustür steht, wollte man nie erleben.

U.a. der SR berichtet:

https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/60_jahre_grubenunglueck_luisenthal_100.html

Leider kenne ich diesen Moment, denn mein Vater starb am 22. März 1979 beim Grubenunglück auf Zeche Hansa.

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 08.02.2022, 12:51 (vor 1438 Tagen) @ Oranjeborusse


Ich denke gerne an meine Kindheit und auch an den Bergbau zurück, der unseren Alltag bestimmte. Auch das Bewusstsein für die Gefahr. Den Moment, an dem eine Abordnung der Bergwerksgesellschaft vor der Haustür steht, wollte man nie erleben.

U.a. der SR berichtet:

https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/60_jahre_grubenunglueck_luisenthal_100.html


Leider kenne ich diesen Moment, denn mein Vater starb am 22. März 1979 beim Grubenunglück auf Zeche Hansa.

Ich kenne diesen Moment leider auch, allerdings hat mein Vater überlebt.

Zehn Jahre zuvor hatte mein Vater einen schweren Grubenunfall auf Gneisenau. Es war eine Sonntagsschicht und er hatte einen Sonderauftrag des damaligen Bergwerksdirektors erhalten. Als die Nachricht überbracht wurde, war es für uns ein Wechselbad der Gefühle in wenigen Sekunden, bis wir realisiert hatten, dass er schwer verletzt überlebt hatte. Hat ein halbes Jahr im Knappschaftskrankenhaus Brackel gelegen. War egal, Hauptsache überlebt.

Andere, wie Dein Vater, hatten dieses Glück leider nicht.

Heute vor 60 Jahren: 299 Tote nach Schlagwetterexplosion auf Grube Luisenthal

Thomas, Dortmund, Mittwoch, 09.02.2022, 15:37 (vor 1437 Tagen) @ Will Kane

Grubenunfall auf Gneisenau

Hm, wo habt ihr denn damals gewohnt?

Ruhrgebiet, Bergkamen Weddinghofen, Grimberg 3/4, 1946

schwesterhilde, Montag, 07.02.2022, 23:10 (vor 1438 Tagen) @ Will Kane

Heute jährt sich zum sechzigsten Mal die wahrscheinlich größte Katastrophe im deutschen Steinkohlebergbau.


https://bergkamen-infoblog.de/auch-nach-73-jahren-ist-die-erinnerung-an-das-grubenunglueck-auf-grimberg-3-4-wach/

Beides furchtbar.

Ruhrgebiet, Bergkamen Weddinghofen, Grimberg 3/4, 1946

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 08.02.2022, 00:26 (vor 1438 Tagen) @ schwesterhilde

Heute jährt sich zum sechzigsten Mal die wahrscheinlich größte Katastrophe im deutschen Steinkohlebergbau.

https://bergkamen-infoblog.de/auch-nach-73-jahren-ist-die-erinnerung-an-das-grubenunglueck-auf-grimberg-3-4-wach/

Beides furchtbar.

Absolut.

Dass es so viele Opfer waren hatte ich so gar nicht mehr in. Erinnerung.

Ich weiß noch sehr gut, als es im Zusammenhang mit der Gründung der Ruhrkohle AG als Lösung in der Kohlenkrise zu Verlegungen auf andere Schachtanlagen kam, einige Kollegen meines Vaters nach Haus Aden / Grimberg verlegt wurden. Dieses Bergwerk war äußerst unbeliebt und hatte einen schlechten Ruf, wurde unter den Kumpels auch ‚Haus Elend‘ genannt. Dieser schlechte Ruf und die Bedenken der dorthin verlegten Kollegen resultierten noch auf dem Unglück von 1946, obwohl das ja über 20 Jahre zurücklag und in einer ganz anderen Bergbauzeit stattfand.

Ruhrgebiet, Bergkamen Weddinghofen, Grimberg 3/4, 1946

klsch, Ort, Dienstag, 08.02.2022, 15:31 (vor 1438 Tagen) @ Will Kane

Bis 1990 wohnte ich in Oberaden von einem damaligen Schulkollegen hatte der Opa sich 1 Tag davor das Bein gebrochen und konnte am besagten Tag nicht arbeiten.
Bei jeder Feier wurde immer gesagt das der Beinbruch das Glück seines Lebens war.
Ich weiß noch wo er erzählte wie die hinterbliebenen Frauen gelitten haben.
Die vielen der Männer waren Deserteure der Ostfront bzw. Kriegsgefangene sie waren froh zu Hause zu sein und begannen ein Leben zu führen und dann dieser schrecklicher Unfall.

Ruhrgebiet, Bergkamen Weddinghofen, Grimberg 3/4, 1946

kriwi09, Dienstag, 08.02.2022, 13:00 (vor 1438 Tagen) @ Will Kane

https://hammwiki.info/wiki/Grubenunglück_1908_auf_der_Zeche_Radbod

Radbod war "nur" mit 350 Toten.
Es war ein gefährlicher Job, wobei auch mein Opa 1952 auf Kaiserstuhl verunglückte. Entscheidend ist auch wie man später mit den Hinterbliebenen umgegangen ist und da war Radbod ein ganz schwarzes Schaf.

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