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Ein lesenswertes Interview von Christian Heidel über Kloppo und Tuchel (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Donnerstag, 23.12.2021, 21:27 (vor 1490 Tagen) @ Taifun

Fehlendes tiefes Vertrauen in ihn. Damit fehlt das Gefühl, dass man volles Risiko gehen kann und man nimmt die Standardlösung.

Eines der größten Probleme bei Projekten. Wenn Menschen kein Vertrauen spüren, dann nehmen sie die Standardlösung. Damit macht man sich nicht angreifbar.

Bei Mainz spürt er wieder volles Vertrauen.

Vertrauen ist äußerst wichtig, um erfolgreich arbeiten zu können.

Vertrauen ist allerdings keine Einbahnstraße. Es ist wichtig, dass man selbst Vertrauen spürt. Sowohl von Vorgesetztenseite, als auch von Mitarbeiterseite und im besten Falle auch von Kollegenseite. Und man muss selbst Vertrauen geben und Vertrauen haben können; in seine Vorgesetzten, seine Kollegen, seine Mitarbeiter.

In Mainz war Heidel der spiritus rector. Eine Handvoll Menschen waren der innere Kern des gesamten Clubs. Und Heidel war der Mittelpunkt. Er war nur umgeben von Menschen, die ihm vertrauten und denen er vertraute. Die konnten sich auf sein Urteil und er sich auf deren Urteil verlassen.

Das änderte sich auch nicht, als der Xlub mit steigendem Erfolg langsam Abe reicher wuchs. Es kamen mehr Menschen hinzu, die sich um den ‚inneren Kreis‘ gruppierten. Die aber alle passten.

Und dann, ja und dann ging Heidel nach Gelsenkirchen. Das genaue Gegenteil von Mainz. Wo viel von ‚Ruhrgebietsmentalität‘ die Rede war, von ‚Malocherverein‘, von Kumpeln und Knappen. Wo seit Jahrzehnten eine Solidaritätsscheinwelt der Fußballöffentlichkeit vorgegaukelt wurde und in Wahrheit Hauen und Stechen herrschte. Ein Club der Intriganten und Königsmörder, in dem gefühlte (oder vielleicht auch tatsächliche) 287 Oppositionsgruppen um die Übernahme der Macht im Club ringen und sich dabei ständig Knüppel zwischen die Beine werfen und Messer in den Rücken stechen. Ein einziger verlogener Sumpf, in dem jeder jeden hinterrücks belügt und betrügt und an dem jeder an jedem Stuhl sägt.

Heidel war vor allem eines, als er in Gelsenkirchen anfing und schnell den Wind spüren durfte, der dort weht: Verunsichert. Er hatte wohl gedacht, Gelsenkirchen sei Mainz in größer. Was ihm die Personen, die ihn vom Rhein an die Emscher geholt haben, so auch vorgegaukelt haben dürften. Ein großer Taditionsclub, dem ein wenig der innere Kompass verloren gegangen sei, den er ihm mit seiner Expertise zurückgeben sollte. Und nebenbei sollte er den hoch verschuldeten Club aus dem finanziellen Tal der Tränen irgendwie in solides Gelände führen. Was er sich dann auch zutraute.

Heidel war in einen Intrigantenstadl geraten, in dem er zusehends unsicherer wurde. Er hatte zwar einen Vertrauten mitgebracht, merkte aber schnell, dass er in diesem Club niemanden vertrauen konnte. Wer kein Vertrauen spürt und keinem vertrauen kann wird immer unsicherer. Und wer unsicher ist, verliert seine Instinkte. Versucht Fehler zu vermeiden und verkrampft immer mehr. Und macht nur umso mehr Fehler. Bis zum bitteren Ende.

In Mainz ist es auch nicht mehr so wie früher. In der Zwischenzeit gab es strukturelle Änderungen und auch einiges an Zwistigkeiten und Zerstrittenheit, und nicht zu knapp. Deshalb hat Heidel auch dafür gesorgt, dass er eine übergeordnete Position bekommt und hat (was wohl auch seine Bedingung war) stante pede Menschen seines Vertrauens auf wichtigen Positionen installiert. Das hat er sich sehr genau und reiflich vorher überlegt, um direkt zum Start gleich zielgerichtet agieren zu können. Mit Erfolg, wie man Wochenende für Wochenende sehen kann.


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