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Ein Spieltag im Jahr 2037 - Ein Gegenentwurf (BVB)

huerde, Mittwoch, 24.03.2021, 07:59 (vor 2055 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Wir schreiben den 31. Spieltag der Coca-Cola-Europa-Liga Division 1. Im pickepacke vollen Westfalenstadion wird an diesem Samstag um 15.30 Uhr der Abstiegskrimi zwischen Borussia Dortmund und dem AS Rom stattfinden.
60 Minuten vor Anpfiff sind die Tribünen schon gut besucht und man kann das Knistern in der Luft förmlich greifen. Die Handys sind auf Radio-Empfang gestellt. Was wird Villareal und was wird West Ham in den Parallel-Spielen machen?
Endlich wieder Spannung. Endlich wieder Spiele, wo es um etwas geht. Vorbei die unsäglichen Zeiten, wo 12 mal in Folge die Bayern Meister waren um dann endlich mal von Leipzig abgelöst zu werden. Scheiß auf die Bayern. Scheiß auf Leipzig. Und vor allem: Scheiß auf die Chance Meister zu werden. Abstiegskampf ist doch irgendwie viel geiler. Jeder noch so hässlich erkämpfte Punkt ist ein Grund zur Freude. Ein Sieg ein Triumpf. Und wenn es am Ende knapp reicht, liegen sich alle in den Armen. Damals, als man in einer fast perfekten Saison Zweiter und in einer Scheiß-Saison Vierter wurde… und beides war exakt gleich viel wert... Damals lag sich längst keiner mehr in den Armen.

Klar ist nicht alles gut.
Die Eintrittspreise sind teurer geworden. Aber so viel dann auch wieder nicht, weil die Zuschauereinnahmen nach und nach immer mehr an Bedeutung in der gigantischen Geld-Druckmaschine verloren haben. Und wollen wir ehrlich sein…. Billiger geworden sind die Ticktes vor Einführung der Europaliga auch nie.
Die Auswärtsspielreisen sind weiter geworden. Aber damals als die Bundesliga eingeführt wurde, war eine Reise von Hamburg nach München sicher nicht einfacher, als heute von Dortmund nach Rom.
Und klar. Für Mainz05 ist das jetzt in der ProA Liga national Deutschland ein jämmerliches Dasein. Aber das war es nach Einführung der Bundesliga auch für Westfalia Herne. Und irgendwie sind wir drüber hinweg gekommen. Und Frankfurt, Mönchengladbach, Stuttgart, Bremen, Leverkusen und Freiburg haben in der zweiten bzw. dritten europäischen Liga durchaus auch ihren Spaß. Vermutlich auch mehr, als in den ganz düsteren Zeiten im Bundesliga-Mittelmaß-Dauerabo.

Weil eines wollen wir mal klar stellen. Ja. Auch ich trauere den 90ern hinterher, als der Fußball noch so richtig geil war. Aber hätten wir es 2021 geschafft, die CL-Reform zu verhindern, die uns nach und nach zur Europa-Liga gebracht hatte…. Wir hätten davon auch nicht die 90er zurück bekommen. Wir hätten nur die 20er für alle Zeiten manifestiert. Und damals war der Fußball wirklich tot. Damals ist man zwar noch für ein paar Euro weniger ins Stadion und öfter zum Auswärtsspiel gekommen. Aber man hatte sich dabei eigentlich jedes mal gefragt, wozu überhaupt. Nur um Kumpels zu treffen… das hätte man auch mit etwas Absprache beim lokalen Klub auf dem Dorf-Sportplatz oder auch in der nächsten Kneipe haben können. Und früher oder später wäre es wohl auch so gekommen.
Damals hatte dem Fußball alles, wirklich alles gefehlt, wofür man ihn lieben kann. Insbesondere die Spannung. Dadurch aber auch zunehmend die Atmosphäre. Die Bedeutung bis tief in den Alltag hinein. Die besonderen Spiele, auf die man hin gefiebert hatte. Alles war belanglos, austauschbar, emotionslos.

Und so habe ich heute noch nicht mal wahr genommen, was die Bratwurst kostet, wie das Wetter ist, oder wie viele Fans aus Rom dabei sind. Ich habe nur einmal kurz die Aufstellung angeschaut. Danach habe ich das Handy auf Radio gestellt und seither nicht mehr drauf geschaut. Ich fiebere dem Anpfiff entgegen und habe keinen Nerv auf irgendetwas anderes. Es knistert. Geil. Das ist Fußball.


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