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Heute woll´n wir.... (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Samstag, 14.03.2020, 14:28 (vor 2374 Tagen) @ mephi
bearbeitet von Will Kane, Samstag, 14.03.2020, 14:37

War heute früh wie jeden Samstag auch bereits auf dem Wochenmarkt. Waren deutlich mehr Kunden dort als in den letzten Wochen, aber nicht mehr als an anderen Tagen mit freundlichem Wetter. Alles entspannt, allerdings scheint einigen Mitmenschen das Mitdenken ein wenig schwer zu fallen, wenn es um Mindestabstände beim Schlangestehen geht. Auffallend auch, dass viele ihre Kinder mitgebracht haben.

Der Alt-Saarbrücker Wochenmarkt auf dem Ludwigsplatz vor der Ludwigskirche (und direkt neben der Staatskanzlei) ist ein eher kleiner, aber vom Angebot her attraktiver Markt in reizvoller Umgebung. Er lebt auch von denjenigen, die mit ihren Ständen aus Lothringen herüberkommen. So hole ich meine Baguettes, aber auch so manche Tarte, immer beim lothringischen Bio-Bäcker oder meinen Ziegenkäse beim Betreiber eines Bio-Ziegenhofes in Lothringen. Die Produkte sind nicht nur frisch, sondern von der Qualität her exzellent und schmecken auch besser als die der deutschen Anbieter. Ein kleines Schwätzchen und/oder das Probieren eines neuen Produktes runden den Marktbesuch ab. So weit so gut.

Nur ist Lothringen vor einigen Tagen vom RKI zum Hochrisikogebiet erklärt worden, aus gutem Grund. Und zumindest die großen saarländischen Unternehmen haben umgehend reagiert. Das Saarbrücker ZF-Werk (direkt an der Grenze gelegen) beschäftigt über 9000 Mitarbeiter, wovon knapp 1100 Franzosen aus Lothringen sind. Beim Ford-Werk in Saarlouis sind über 800 Grenzgänger aus Lothringen beschäftigt. Beide Unternehmen haben zunächst ihre französischen Mitarbeiter gebeten/angewiesen, zuhause zu bleiben und nicht zur Arbeit zu erscheinen. Mittlerweile ist es sogar so, dass die Geschäftsleitung mit Zustimmung des Betriebsrates beschlossen hat, dass für die französischen Kollegen ein absolutes Betretungsverbot für das Werksgelände gilt. Wogegen die Vereinigung der Grenzgänger, eine (nur aus Franzosen bestehende) Interessenvertretung der Grenzgänger, massiv protestiert und auch schon die Politik eingeschaltet hat.

Da frage ich mich natürlich, warum Markthändler ohne Probleme auf deutscher Seite ihre Waren anbieten können und die Saarbrücker Innenstadt wie üblich vor lauter französischer Kunden nur so wimmelt, wie meine Frau mir gerade berichtet hat. Nahe kommt man sich bei jeder Gelegenheit, nicht nur am Arbeitsplatz.

In den letzten Tagen gab es auch einige Pressemeldungen mit fake-touch. So hieß es, der Bundesinnenminister habe verstärkte Grenzkontrollen an der Grenze zu Frankreich veranlasst, um einreisende Franzosen auf Covid-19-Krankheitssymptome zu kontrollieren. Die hiesige Regionalzeitung (mit Monopolstellung) titelte: „Corona macht Grenze dicht“. Was ausgemachter Schwachsinn, ja eine (bewusste oder unbewusste) Falschmeldung ist. In der Tat hat der Bundesinnenminister einen Bereitschaftszug der Bundespolizei aus Bad Bergzabern ins Saarland zur Unterstützung der Kollegen beordert. Nur kann er gar keine Grenzkontrollen anordnen, dazu müssten die Schengen-Regelungen ausgesetzt werden, was wiederum begründet beantragt werden müsste. Der französische Generalkonsul hat sich auch gleich beschwert, da die französische Seite nicht konsultiert worden sei. Nur läuft diese Beschwerde ins Leere. Denn was aktuell hier stattfindet, ist rein rechtlich eine ‚erweiterte Fahndungsmaßnahme‘, die im Einklang mit den Schengen-Regelungen steht. Wonach ‚gefahndet’ wird, bleibt offen. Die Grenze ist weiterhin komplett offen, der Verkehr rollt hin und her wie eh und je. Am Autobahnübergang ‚Goldene Bremm‘ nach Frankreich (und mittlerweile auch in Perl am Autobahnübergang nach Luxemburg) werden stichprobenartig ‚einreisende‘ Fahrzeuge mit französsichem Nummernschild herausgewinkt und die Insassen auf Anzeichen einer Cobid-19-Erkrankung in Augenschein genommen. Hat ein Beamter nun den Eindruck, bei einem oder mehreren Insassen entsprechende Anzeichen zu entdecken, dann kann er ihn/sie allerdings nicht an der Einreise hindern. Er kann lediglich den zuständigen Amtsarzt (in diesem Fall die Saarbrücker Behörde) verständigen und diesen um Amtshilfe bitten. Der kommt dann auch zur Grenze und kann den/die Betreffenden näher untersuchen und nur er kann dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Mit anderen Worten: Das ganze ist eine Luftnummer. Es soll wohl lediglich der Bevölkerung signalisiert werden, dass die Politik ‚etwas tut‘.

Derweil bringt Präsident Macron die vorübergehende Aussetzung des Schengen-Abkommens ins Spiel, was dann tatsächliche Ein- und Ausreisekontrollen bedeuten würde inkl. der Rückweisung.

Österreich hat sich übrigens mit Bayern bei seinen jüngst getroffenen Maßnahmen hinsichtlich der Grenzgänger vorab verständigt; sie bleiben vorläufig nicht betroffen.

Ich persönlich werde mir gleich unsere Töle schnappen und mit ihr ein Läufchen machen. Natürlich mit Grenzüberschreitung. Oberhalb der Goldenen Bremm, auf der Spicherer Höhe im Wald. Da patrouillieren höchstens die Wildschweine..


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