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Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg? (Fußball und Sport allgemein)

Rupo, Ruhrpott, Freitag, 06.03.2020, 14:29 (vor 2128 Tagen)
bearbeitet von Rupo, Freitag, 06.03.2020, 14:35

Moin,
wie wir jetzt gelernt haben, geht es bei den Protesten um zwei Dinge:
1. Kollektivstrafen.
2. Protest gegen die kapitalistischen Strukturen in der Unterhaltungsindustrie Profifußball, verkürzt Kommerz.

Ich würde gerne mal auf den zweiten Punkt fokussieren, diskutieren und nach einem möglichen Ausweg suchen. Mich würden drei Punkte interessieren:
1. Wann habt ihr das erste Mal Kommerz im Profifußball festgestellt, was war euer Erweckungsmoment als ihr gemerkt habt, ok es geht gar nicht mehr um das Spiel.
2. An welchen Kriterien macht ihr schlechten Kommerz (gibt es guten?) fest?
3. Was wäre aus euer Sicht ein möglicher Ausweg um die Dauerschleife Kommerz zu unterbrechen und wieder auf die Schönheit des eigentlichen Spiels zurück zu kommen oder ist es nicht mehr möglich?

Ich gehe mal in die Bringschuld:
1. Anfang der 90iger war ich relativ naiv (ja ja ;-) ) und hab mich sehr über die beiden Meisterschaften und den CL Sieg des BVB gefreut, mit allem Drum und Dran. Hab mir auch keine Gedanken gemacht wie die Stars finanziert wurden, wie der Stadionausbau gestemmt wurde, wie die Meisterschaft mit Amoroso (Wahnsinn wie man damals so einen Transfer stemmen konnte) 2002 zu Stande kam. Wir am 18.02.2005 zum Bundesligaspiel nach München unterwegs (19.02.2005-Sa., 15:30 Uhr-5:0 für die Bayern) und der Donnerstag KICKER macht mit dieser Schlagzeile auf:
Borussia Dortmund bemüht sich um eine Riesen-Anleihe - Die Summe in Ziffern: 100.000.000 Euro!
da war ungläubiges ablehnen, Schock, nicht wahrhaben wollen, etc. alles in einem Mix.
https://www.kicker.de/292616/artikel
Was danach kam hat mir den Glauben an den fairen Profifußball genommen, ist alles in der Akte Schwarzgelb nach zu lesen und alles was danach kam. Ausnahme war dann die naive Klopp Zeit, wo ich das einigermaßen ausblenden konnte und wollte.

2. Gucken wir mal gar nicht so weit und schauen uns das Unternehmen KGaA an:
a) Stadionnamen verkauft.
b) Sponsorenverträge die für 99% aller anderen ‚Vereine‘ außer Reichweite sind.
c) TV Verträge die für 99% aller anderen ‚Vereine‘ außer Reichweite sind.
d) Internationale Einnahmen die für 99% aller anderen ‚Vereine‘ außer Reichweite sind, Gründe wissen wir.
e) Vermarktung im Ausland, aka Erschließung neuer Märkte.
f) diverse Marketingaktion um noch den letzten Euro raus zu holen, aktuell neuer Trikotsponsor für einen Wettbewerb.
e) Die Krone = Aktien an der Börse, dem kapitalistischen aller Orte :-)

3. mögliche Auswege:
Ich kann mich noch gut an die Aktion 12:12 erinnern
http://www.12doppelpunkt12.de/
diese Aktion war richtig und wichtig. Sie war von hinten bis vorne sauber durch kommuniziert und nahm alle Fans mit. Ich hatte damals meine Dauerkarte auf der Westtribüne und es war beindruckend zu erleben wie das ganze Stadion sich solidarisierte für 12:12 Minuten.
Wenn wir es ernst damit meinen, dass der Fußball aus der Kommerzspirale raus soll, dass Vereine gleiche Chancen haben werden, dass auch mal Paderborn deutscher Meister werden kann, dann gibt es aus meiner Sicht nur folgende Möglichkeiten:
a) Verzicht auf Ablöse.
b) Drastische Gehaltsobergrenzen die sich irgendwie an einem halbwegs ‚vernünftigen‘ Maßstab orientieren.
c) Ein Draft System, welches es auch Clubs wie Paderborn erlaubt sich die besten Spieler und Talente für eine gewisse Zeit zu sichern.
Downer: Die drei Punkte sind aber wohl leider illusorisch und Utopie in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem, also wird es weiter business as usual geben. Btw: Was es ausdrücklich nicht ist also der Ausweg, ist das Placebo 50+1!

Meinungen, Kommentare, Ansichten?
Beste Grüße,
Thomas

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

horstenberg, Block 62, Montag, 09.03.2020, 11:50 (vor 2125 Tagen) @ Rupo

Übrigens schade, dass Dein guter Beitrag nur so wenig Resonanz findet. Wird derzeit halt von anderen Dingen überlagert.

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

horstenberg, Block 62, Samstag, 07.03.2020, 18:34 (vor 2126 Tagen) @ Rupo

Danke für Deinen gedankenreichen Beitrag. Drei Gedanken:

1. Das erste mal Kommerz festgestellt habe ich bei der damals "unvorstellbaren" Ablösesumme von über DEM 2,0 Mio. beim Transfer von Tony Woodcock zum 1. FC Köln (ca. 1978). Das Thema Kommerz ist für mich aber spätestens durch seit den Kommerzialisierungsschritten, die der BvB seit ca. 95 gegangen ist. Die Fußballabteilung wird jetzt von einem gewinnverpflichteten Kaufmann geführt, Aktionäre dürfen zwar nichts unmittelbar bestimmen, sitzen aber in einem Aufsichtsgremium, alles was kommerzialisierbar ist, ist kommerzialisiert (der Stadionname war da sicher eine Zäsur). 50+1 ist dabei für mich nur noch ein Feigenblatt. Hoffenheim und Wolfsburg mag ich auch nicht, aber ich nehme es hin. Viel besser sind die durchkommerzialisierten Traditionsvereine auch nicht. Mich nervt aber, wenn Spiele wie TSG-WOB schlecht besucht sind (und fände eine Partie Vfl Bochum gegen Hansa Rostock besser).

2. Ob das Geld von einem Scheich, einem Milliardär, von adidas oder sonstwem kommt, das Financial FairPlay verhindert die Kommerzialisierung nicht.

3. Ob nun mit oder ohne 50+1 und Milliardären wie Hopp und Matteschitz: Wir sind komplett durchkommerzialisiert. Die von Dir aufgeführten Gedanken zur Belebung des Wettbewerbs finde ich gut. Sie stammen ja aus dem Mutterland des Kapitalismus, den USA. Das passiert aber erst, wenn die Stadien leer bleiben und der TV-Abonnent nicht mehr zahlt. Derzeit guckt der sich die 9 Meisterschaft in Folge für Juve oder den FCB immer noch gerne an. Das Kommerz-System lässt sich nur reformieren, wenn der Kommerz nicht mehr läuft.

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

istar, Samstag, 07.03.2020, 00:40 (vor 2127 Tagen) @ Rupo
bearbeitet von istar, Samstag, 07.03.2020, 00:45

Moin,
wie wir jetzt gelernt haben, geht es bei den Protesten um zwei Dinge:
1. Kollektivstrafen.
2. Protest gegen die kapitalistischen Strukturen in der Unterhaltungsindustrie Profifußball, verkürzt Kommerz.

Ich würde gerne mal auf den zweiten Punkt fokussieren, diskutieren und nach einem möglichen Ausweg suchen. Mich würden drei Punkte interessieren:
1. Wann habt ihr das erste Mal Kommerz im Profifußball festgestellt, was war euer Erweckungsmoment als ihr gemerkt habt, ok es geht gar nicht mehr um das Spiel.
2. An welchen Kriterien macht ihr schlechten Kommerz (gibt es guten?) fest?
3. Was wäre aus euer Sicht ein möglicher Ausweg um die Dauerschleife Kommerz zu unterbrechen und wieder auf die Schönheit des eigentlichen Spiels zurück zu kommen oder ist es nicht mehr möglich?

Ich gehe mal in die Bringschuld:
1. Anfang der 90iger war ich relativ naiv (ja ja ;-) ) und hab mich sehr über die beiden Meisterschaften und den CL Sieg des BVB gefreut, mit allem Drum und Dran. Hab mir auch keine Gedanken gemacht wie die Stars finanziert wurden, wie der Stadionausbau gestemmt wurde, wie die Meisterschaft mit Amoroso (Wahnsinn wie man damals so einen Transfer stemmen konnte) 2002 zu Stande kam. Wir am 18.02.2005 zum Bundesligaspiel nach München unterwegs (19.02.2005-Sa., 15:30 Uhr-5:0 für die Bayern) und der Donnerstag KICKER macht mit dieser Schlagzeile auf:
Borussia Dortmund bemüht sich um eine Riesen-Anleihe - Die Summe in Ziffern: 100.000.000 Euro!
da war ungläubiges ablehnen, Schock, nicht wahrhaben wollen, etc. alles in einem Mix.
https://www.kicker.de/292616/artikel
Was danach kam hat mir den Glauben an den fairen Profifußball genommen, ist alles in der Akte Schwarzgelb nach zu lesen und alles was danach kam. Ausnahme war dann die naive Klopp Zeit, wo ich das einigermaßen ausblenden konnte und wollte.

2. Gucken wir mal gar nicht so weit und schauen uns das Unternehmen KGaA an:
a) Stadionnamen verkauft.
b) Sponsorenverträge die für 99% aller anderen ‚Vereine‘ außer Reichweite sind.
c) TV Verträge die für 99% aller anderen ‚Vereine‘ außer Reichweite sind.
d) Internationale Einnahmen die für 99% aller anderen ‚Vereine‘ außer Reichweite sind, Gründe wissen wir.
e) Vermarktung im Ausland, aka Erschließung neuer Märkte.
f) diverse Marketingaktion um noch den letzten Euro raus zu holen, aktuell neuer Trikotsponsor für einen Wettbewerb.
e) Die Krone = Aktien an der Börse, dem kapitalistischen aller Orte :-)

3. mögliche Auswege:
Ich kann mich noch gut an die Aktion 12:12 erinnern
http://www.12doppelpunkt12.de/
diese Aktion war richtig und wichtig. Sie war von hinten bis vorne sauber durch kommuniziert und nahm alle Fans mit. Ich hatte damals meine Dauerkarte auf der Westtribüne und es war beindruckend zu erleben wie das ganze Stadion sich solidarisierte für 12:12 Minuten.
Wenn wir es ernst damit meinen, dass der Fußball aus der Kommerzspirale raus soll, dass Vereine gleiche Chancen haben werden, dass auch mal Paderborn deutscher Meister werden kann, dann gibt es aus meiner Sicht nur folgende Möglichkeiten:
a) Verzicht auf Ablöse.
b) Drastische Gehaltsobergrenzen die sich irgendwie an einem halbwegs ‚vernünftigen‘ Maßstab orientieren.
c) Ein Draft System, welches es auch Clubs wie Paderborn erlaubt sich die besten Spieler und Talente für eine gewisse Zeit zu sichern.
Downer: Die drei Punkte sind aber wohl leider illusorisch und Utopie in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem, also wird es weiter business as usual geben. Btw: Was es ausdrücklich nicht ist also der Ausweg, ist das Placebo 50+1!

Meinungen, Kommentare, Ansichten?
Beste Grüße,
Thomas

Punkt zwei ist Quatsch. Es geht nicht um kapitalistische Strukturen, sondern um Clubkonstrukte, die fremdfinanziert durch Mäzene oder Konzerne a la RedBull sind.

Man könnte auch sagen, die ihre Kohle nicht selbst verdienen.

Der Punkt 3.a) ist noch mehr Quatsch (sorry), aber grade Ablösen verhindern, dass Vereine, die Spieler ausbilden und weiterentwickelt haben, nach Vertragsende leer ausgehen, so hat Rot-Weiss Essen z. B. an jedem Özil-Transfer mitverdient.

Die Punkte 3.b) und c) stammen wohl aus dem US-Sport, da ist der Sozialismus noch nicht ausgebrochen Fände ich im Ansatz gut, so einen salary cap jedenfalls.

Die Gelder aus der CL müssten mehr in den Ligen verteilt werden, dann müsste das financiel fair play konsequent angewendet werden.

Wenn ich Spitzenfussball sehen will, dann muss ich es abkönnen, dass da einer auch mal ein paar Millionen verdient. Wenn ich die Unbekümmertheit und Reinheit einer wilden Liga will, dann muss ich da hingehen, dann ist das aber auch kein Spitzensport und alle laufen nichtmal halb so schnell bei eingeschränkter Ballbehandlung.

Den selbst in den unteren Ligen gibt es Financies, die Geld in Vereine stecken, dass andere nicht haben.

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

Rupo, Ruhrpott, Samstag, 07.03.2020, 17:16 (vor 2126 Tagen) @ istar

Hi istar,
danke für Deine Antwort.

Natürlich geht es um kapitalistische Strukturen.
google via:*dfl wirtschaftsreport 2019*
oder hier per Link
https://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-vermeldet-14-umsatzrekord-in-folge-a-1252998.html
es geht nicht um Vereinsstrukturen. Der FC Bayern München AG, dem BVB KGaA, Wolfsburg, Leverkusen, RB, Hoffenheim, die Blauen, Hertha, etc. etc. denen ist es mit ihren Unterhaltungsunternehmen völlig egal was die Mitglieder verabschieden.

Das FFP hatte ja die Absicht den Ausgaben die notwendigen Einnahmen gegenüber zu stellen, wird leider unterlaufen.
https://www.dw.com/de/financial-fairplay-einladung-zum-tricksen/a-52519797

Die einzige wirklich gerechtfertigte Einnahme sind die Kartenverkäufe. Ich bezahlen mit meinem Eintritt die Leistung des Unterhaltungsunternehmen. Alles andere an Einnahmen kreist mehr oder weniger um den Kommerz Gedanken im Fußball und um die explodierenden Ausgaben zu rechtfertigen.

Warum begrenzen wir nicht die Kaderkosten? Warum deckeln wir sie nicht für alle Bundesligavereine auf sagen wir 20 Mio Euro? Damit wären sofort viele Probleme und Irrungen der Einnahmenseite erledigt.

Beste Grüße,
Thomas

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

Franke, Samstag, 07.03.2020, 19:27 (vor 2126 Tagen) @ Rupo

Hi istar,
danke für Deine Antwort.

Natürlich geht es um kapitalistische Strukturen.
google via:*dfl wirtschaftsreport 2019*
oder hier per Link
https://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-bundesliga-vermeldet-14-umsatzrekord-in-folge-a-1252998.html
es geht nicht um Vereinsstrukturen. Der FC Bayern München AG, dem BVB KGaA, Wolfsburg, Leverkusen, RB, Hoffenheim, die Blauen, Hertha, etc. etc. denen ist es mit ihren Unterhaltungsunternehmen völlig egal was die Mitglieder verabschieden.

Das FFP hatte ja die Absicht den Ausgaben die notwendigen Einnahmen gegenüber zu stellen, wird leider unterlaufen.
https://www.dw.com/de/financial-fairplay-einladung-zum-tricksen/a-52519797

Die einzige wirklich gerechtfertigte Einnahme sind die Kartenverkäufe. Ich bezahlen mit meinem Eintritt die Leistung des Unterhaltungsunternehmen. Alles andere an Einnahmen kreist mehr oder weniger um den Kommerz Gedanken im Fußball und um die explodierenden Ausgaben zu rechtfertigen.

Warum begrenzen wir nicht die Kaderkosten? Warum deckeln wir sie nicht für alle Bundesligavereine auf sagen wir 20 Mio Euro? Damit wären sofort viele Probleme und Irrungen der Einnahmenseite erledigt.


Und die Sponsoren zahlen weniger an die Fußballfirma, aber es gibt viele gut bezahlte Werbedrehtermine und Autogrammstunden mit Spielern?

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

Sven, Witten, Freitag, 06.03.2020, 15:34 (vor 2128 Tagen) @ Rupo

Hallo Thomas,

ich schreibe mal nur etwas zu Punkt 3. Ich glaube, dass der Zug abgefahren ist und zwar aus purem Egoismus.

Eine gute Aktion fand ich tatsächlich 12:12. Aber machen wir uns nichts vor: Diese war doch auch nur dadurch möglich, dass alle Lager gleichermaßen betroffen waren. Nur wenn nämlich ganz konkrete Faninteressen aller Lager im Vordergrund stehen, dann halten die Fanlager zusammen. Aus diesem Grund war 12:12 möglich, ebenso wie Hopp.

Man sieht daran, dass der Fan selbst die Fanseite am höchsten gewichtet wird, was auch erstmal nicht erstaunlich ist. Sie sind höher gewichtet gar als diese ekelhaften Affenlaute (die erstmal nichts mit Kommerzialisierung zu tun haben). Aber auch höher als das Thema Kommerzialisierung ganz allgemein. Denn dafür müsste man die eigenen Interessen aufweichen zugunsten von Solidarität, die ich aber nicht im Ansatz sehen kann.

Denn solange wir der Meinung sind, das Verteilungssystem, welches die Schere zwischen reichen und ärmeren Vereinen immer weiter öffnet, sei gerechtfertigt, solange brauchen wir uns über die Verhältnisse auch gar nicht zu beschweren. Solange jeder einzelne Verin mitmacht, was noch höhere Gehälter und Ablösesummen (entweder verlangen oder zahlen) angeht, sind wir selbst Teil des Problems. Solange Geschäfte machen mit künstlichen Konstrukten okay ist, wenn wir nur davon proftieren, wird es dagegen auch keine Proteste geben. Gleiches gilt für Zweitmannschaften im Profifußball, wo der höhere Stellenwert darauf gerichtet wird, dass ambitionierte Erstligisten sich einen Nachwuchs aufbauen können, als dass andere Traditionsvereine zurückkommen können in den Profifußball. Es gibt sicherlich viele, viele weitere Beispiele. Und für jede lässt sich ein Grund (oder eine Ausrede?) finden, warum das hingenommen wird. Und sei es mit dem Totschlagargument "Alles andere ist doch unrealistisch".

Mit anderen Worten: Das Hauptaugenmerk eines jeden Fanlagers ist es, dass zuallererst auf den Nutzen für den eigenen Verein geschaut wird und erst an zweiter Stelle auf die Bedeutung für die ganze Liga. Solange das so ist und ich sehe nun wirklich keinen Trend in eine andere Richtung, wird sich auch nichts ändern, höchstens etwas verlangsamen.

Und auch wenn diese Botschaft hier nicht gern gehört wird. Klar finde ich vieles sehr schlimm vom DFB. Aber man kann sich ja trotzdem mal fragen, wo der eigene Anteil an der Entwicklung ist. Das geschieht mir leider viel zu wenig. Denn nur aus einer solchen Reflektion und Einsicht heraus könnte aus meiner Sicht eine Änderung erfolgen, wenn sie denn überhaupt noch möglich ist.

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

Rupo, Ruhrpott, Samstag, 07.03.2020, 17:32 (vor 2126 Tagen) @ Sven

Hi Sven,
danke für Deine Antwort. Bei dem Stichwort Egoismus bin ich komplett bei Dir.
Auch und vor allem hier:
Aber man kann sich ja trotzdem mal fragen, wo der eigene Anteil an der Entwicklung ist. Das geschieht mir leider viel zu wenig. Denn nur aus einer solchen Reflektion und Einsicht heraus könnte aus meiner Sicht eine Änderung erfolgen, wenn sie denn überhaupt noch möglich ist.

Zum BVB hab ich ja schon was geschrieben. Bei den Bayern verhält es sich ähnlich oder noch krasser. Geheimdeals mit Kirch / Premiere.
https://www.manager-magazin.de/digitales/it/a-236992.html
https://www.faz.net/aktuell/sport/kirch-affaere-wir-wollen-mit-dieser-dfl-nichts-mehr-zu-tun-haben-1103114.html
Schwarze Kassen der Bayern.
https://www.nzz.ch/sport/die-kriminelle-kehrseite-des-fc-bayern-die-einnahmen-flossen-in-die-taschen-der-stars-oder-wurden-bei-einer-zwischenlandung-in-der-s...
Beteiligungen von Adidas, Audi, Telekom und nun Qatar.
https://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-katar-kritik-fans-1.4761589-0#seite-2
Der Wettbewerbsvorteil der Bayern mit dem Olympiastadion 1972 wird nirgendswo thematisiert, auch nicht der vom BVB mit dem Westfalenstadion 1974.

So könnte man sicherlich bei fast jedem Bundesligisten, Zweitligisten oder nun Drittliga Traditionsverein (frag mal bei Lautern nach) entsprechende Bigotterie finden.

Noch mal zum Ausweg. Wenn überhaupt sehe ich nur einen radikalen Schlussstrich.
Nach Vorbild der NFL:
1. Zwei Ligen mit je 20 Vereinen machen, in der niemand auf und absteigen kann.
2. Es werden Play Offs gespielt um den Meister zu ermitteln.
3. Die Startplätze in internationale Wettbewerbe werden jedes Jahr der Reihe um vergeben.
4. Deckelung der Gehälter.
5. Draft Möglichkeiten.
etc. etc.
Hauptziel muss es sein die Ausgabenseite runter zu fahren, um nicht ständig die Einnahmenseite immer höher schrauben zu müssen, wollen. Das Gegenteil passiert aber wenn Watzke & Co. zum Beispiel über die internationale Club Liga nachdenkt und sie angeht.

Beste Grüße,
Thomas

Profifußball im kapitalistischen Kommerzsystem = Ausweg?

Sven, Witten, Sonntag, 08.03.2020, 09:03 (vor 2126 Tagen) @ Rupo

Noch mal zum Ausweg. Wenn überhaupt sehe ich nur einen radikalen Schlussstrich.
Nach Vorbild der NFL:
1. Zwei Ligen mit je 20 Vereinen machen, in der niemand auf und absteigen kann.
2. Es werden Play Offs gespielt um den Meister zu ermitteln.
3. Die Startplätze in internationale Wettbewerbe werden jedes Jahr der Reihe um vergeben.
4. Deckelung der Gehälter.
5. Draft Möglichkeiten.
etc. etc.
Hauptziel muss es sein die Ausgabenseite runter zu fahren, um nicht ständig die Einnahmenseite immer höher schrauben zu müssen, wollen. Das Gegenteil passiert aber wenn Watzke & Co. zum Beispiel über die internationale Club Liga nachdenkt und sie angeht.

Dieser Vorschlag nach US Vorbild ist ja nicht neu und prinzipiell gefällt er mir auch, wenn auch nicht 1:1 aus den USA übernommen. Warum ist es dafür aber eigentlich notwendig, keine Auf- und Absteiger zu haben? Das ist mir prinzipiell unsympathisch, weil es bedeuten würde, dass einige Traditionsvereine gar keine Möglichkeit mehr hätten, in Liga 1 zu kommen. Man könnte doch auch in den Ligen darunter ein ähnliches System fahren und dann mit zumindest einem Auf- und Absteiger spielen, oder was würde dagegen sprechen?

Ansonsten sind wir in vielem sicher einer Meinung. Leider wird es aus meiner Sicht nicht zu solch großen Veränderungen kommen. Wer sollte der Initiator sein? Der DFB? Kein Interesse! Die Vereine? Jeder ist sich selbst am nächsten. Die Spieler? Geld! Geld! Geld! Die Fans? Widersprüchliche Ziele (bitte noch mehr Geld für meinen Verein und noch höhere Ablösen und Umsätze generieren, aber iiih, bitte keine Kommerzialisierung) und jedem ist sein Verein am nächsten!!! Natürlich spreche ich hier über die Masse und meine nicht jeden einzelnen Spieler und jeden einzelnen Fan.

Das alles stimmt nicht gerade hoffnungsfroh Meine größte Hoffnung sind da am ehesten noch die kleineren Vereine, die es hoffentlich mal schaffen, sich besser zu solidarisieren gegen die Größeren und damit vielleicht etwas anstoßen könnten.

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