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Nochmal zu Brandt.. (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Sonntag, 02.02.2020, 14:16 (vor 2411 Tagen) @ Tremonius09

Weil er ja gestern kritisiert wurde:

- bereitete 6 von 14 Torschüsse vor
- 2 Assists zu Toren
- lief 11,68km, mehr als jeder andere
- 89% der Pässe erreichten seine Mitspieler

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Der gute Jule hat mich in der Hinrunde schon teilweise zur Weißglut getrieben. Was der für einen Larifari-Fußball spielen kann, ist schon erstaunlich. Mittlerweile sieht das aber wirklich gut aus. Nur leider hat er immer noch ab und zu unerklärliche Aussetzer in seinem Spiel drin, die so nicht mal in der Kreisklasse vorkommen. Wenn er das noch abstellen kann, hat er Weltklassepotential.


Dem ist eigentlich nix hinzuzufügen.
Brandt war gestern wirklich stark verbessert (gegenüber der Hinrunde).
Zweikampfverhalten,Rückwärtsbewegung,Spielübersicht,Kreativität etc. wären diese unerklärlichen Aussetzer,Ballverluste,Abspielfehler nicht gewesen,hätte man über Weltklasseleistung nachdenken müssen.
So war es (gegen schwache Berliner) nur stark!
Das eientliche Problem für mich ist,dass er es ja offensichtlich kann. Warum zeigt er das nicht häufiger? Ein mentales Problem?

Es hat mMn mit der Umstellung/Umgewöhnung zu tun, die für Julian Brandt durch den Wechsel auf die vorher von ihm noch nie gespielte Position im zentralen/defensiven Mittelfeld notwendig geworden ist. So eine Umstellung/Umgewöhnung ist ein Prozess, der eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Ich persönlich empfinde die diesbezügliche Entwicklung Brandts als sehr zügig vonstattengehend, womit ich nicht unbedingt gerechnet habe.

Brandt hat in seiner bisherigen Karriere die allermeiste Zeit auf den offensiven Flügelpositionen gespielt und im letzten halben Jahr in Leverkusen unter Bosz dann im zentralen offensiven Mittelfeld. Dabei hat er zwar seine z.T. herausragenden kreativen/offensiven Fähigkeiten immer wieder unter Beweis gestellt, seine Defensivarbeit war dabei allerdings nie sehr stark ausgeprägt (freundlich formuliert). Gerade in der letzten Rückserie in Leverkusen musste Bosz so einiges ausprobieren, um die Defensivabsicherung für Brandt einigermaßen verlässlich hinzubekommen, was durch den zentralen offensiven Einsatz von Havertz zusätzlich erschwert wurde.

Brandt kam zum BVB mit dem Anspruch, zentral offensiv zu spielen. Da dieser Raum allerdings bereits für Reus ‚reserviert‘ war und Brandt zu Saisonbeginn verletzungsbedingt erst später einsteigen konnte, wurde er von Favre zunächst auf den offensiven Flügelpositionen eingesetzt, was ihm nicht unbedingt schmeckte. Der zentrale offensive Einsatz mit Reus im Wechsel als Sturmspitze kam ihm zwar etwas mehr entgegen, war allerdings keine optimale Nutzung der Fähigkeiten beider Spieler. Irgendwie musste Favre diese Thematik lösen, was mit der offensichtlich mit der Mannschaft gemeinsam getroffenen Entscheidung zur Systemumstellung gelang.

Dass Brandt in seiner neuen Rolle im zentralen/defensiven Mittelfeld nicht nur für das kreative Spiel nach vorn zuständig ist, sondern in erheblichen Maße auch Defensivaufgaben übernehmen muss, liegt in der Natur der Sache. Ein hohes Risiko, was Favre, aber auch Brandt selbst eingegangen sind. Und das auch von den Mitspielern die Übernahme zusätzlicher Aufgaben und Verantwortung erforderte. Insbesondere, weil niemand wissen konnte, ob Brandt die notwendige Umstellung überhaupt wird bewerkstelligen können und wenn ja, wie lange der entsprechende Prozess dauern würde.

Selbstverständlich ist die Entwicklung Brandts auf seiner neuen Position nicht. Denn war vorher als reiner Offensivspieler sein Risikospiel gefragt, das zwangsläufig immer auch zu Ballverlusten führt, so bedeuten solche Ballverluste auf einer weiter hinten angesiedelten Position höchste Gefahr für das eigene Tor. Als Offensivspieler fallen die vergeblichen Versuche und auch Unkonzentriertheiten nicht so auf, zumal wenn man defensiv abgesichert ist. Im zentralen/defensiven Mittelfeld sind sie aber häufig ‚tödlich‘. Hier ist permanent höchste Konzentration erforderlich. Brandt muss einerseits das Spiel aus der Tiefe auch mit Risikobereitschaft initiieren, andererseits immer konzentrationsmäßig auf der Höhe sein. Das musste er im reinen Offensivbereich nicht bzw. nicht in diesem Maße.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis Brandt seine Phasen der Unkonzentriertheiten weitgehend abgestellt haben wird. Gänzlich abstellen wird man sie wohl nie können. Aber hier ist es eben eine Frage der Abwägung, ob die Vorteile und der Nutzen für das Spiel der Mannschaft mit Brandt auf dieser Position deutlich größer sind als das Risiko, was damit einhergeht. Für mich hat Brandt diese Frage bislang sehr eindeutig beantwortet.


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