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Inversives Offensivspiel (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Freitag, 22.11.2019, 11:13 (vor 2476 Tagen) @ Paolo
bearbeitet von Will Kane, Freitag, 22.11.2019, 11:19

Wenn schon eine Füßigkeit das Ausschlusskriterium für eine Position ist, dann läuft doch was falsch. Dann hätte Robben immer links außen spielen müssen.

Eben nicht.

Inversives offensives Flügelspiel. Bei Bayern seit van Gaal usus, aber teilweise bereits vorher praktiziert (Ribéry). Wird in der niederländischen Fußballschule propagiert, bei Barça (deren Spielstil auf der niederländischen Schule basiert) schon lange umgesetzt (Messi), eigentlich insgesamt etabliert mittlerweile.

Gerade weil Robben Linksfuß ist, hat er fast die gesamte Zeit seiner Spielerkarriere (bis auf wenige Ausnahmen) auf der rechten Offensivseite gespielt; genauso wie Ribéry als Rechtsfuß immer auf der linken Offensivseite.

Der offensive Flügelspieler zieht diagonal nach innen, um dann entweder selbst den Abschluss zu suchen (was er dann mit seinem Spielfuß kann) oder zu einem Mitspieler durchzustecken (was ihm mit seinem Spielfuß naturgemäß besser gelingt als mit seinem anderen Fuß). Der ‚Robben-Move‘ wäre gar nicht möglich gewesen, wenn Robben als Linksfuß auf links gespielt hätte.

Früher war das Spiel der klassischen Links- oder Rechtsaußen auf Flanken in den Strafraum ausgelegt, gerne aus vollem Lauf, um den Mittelstürmer zu bedienen. Dazu war es unbedingt notwendig, dass ein Linksfuß auf links und ein Rechtsfuß auf rechts spielte. Die Aufgabe, solche Hereingaben/Flanken zu spielen/schlagen, übernehmen heute in einer Spielweise mit inversiven Offensivspielern auf den Flügeln die Außenverteidiger, was gerne auch mit dem sog. ‚Hinterlaufen’ des offensiven Flügelspielers praktiziert wird. Deshalb ist es für diese wichtig, mit ihrem Spielfuß auf der ‚richtigen‘ Seite eingesetzt zu werden. Übrigens einer der Gründe, warum Lahm von der linken auf die rechte Außenverteidigerposition gewechselt ist. Daneben ist es für einen (nicht nur Außen-)Verteidiger wichtig, mit seinem Spielfuß defensiv agieren zu können (weil er sonst den die entscheidende Sekunde zu spät kommen kann) und in der Vorwärtsbewegung den Pass gleich mit seinem Spielfuß zu spielen, anstatt sich den Ball erst auf diesen legen zu müssen und eben auch hier Zeit verliert. Das geht nur, wenn er auf der ‚richtigen‘ Seite spielt.

Es gibt Außenverteidiger, die inversiv spielen. Meist auf der linken Seite. Der Hauptgrund ist häufig, dass es keinen geeigneten Linksfuß gibt. Um im Defensivzweikampf ihren Nachteil auszugleichen, haben sich diese Spieler oft eine besondere Grätschtechnik angeeignet (Lahm z.B., bei Hakimi auch zu beobachten, Breitner bereits in den frühen Siebzigern), wobei dies auch teilweise für Innenverteidiger gilt (z.B. Hummels). Der Vorteil solcher inversiven Außenverteidiger ist (wenn sie offensiv ausgerichtet sind), dass sie es sind, die im Offensivspiel diagonal nach innen ziehen und den Abschluss suchen. Breitner und Lahm haben so einige denkwürdige Tore erzielt, aber auch Hakimi besticht hier. Spielt man mit einem solchen offensiv ausgerichteten inversiven Außenverteidiger, dann empfiehlt es sich allerdings, mit einem nichtinversiven offensiven Flügelspieler zu agieren. Dann wird häufig nicht das ‚Hinterlaufen‘ praktiziert, sondern sozusagen das ‚Vorderlaufen‘.

Aufgrund seiner Stärken sehe ich persönlich im übrigen Hakimi am liebsten auf der offensiven linken Außenseite spielen. Wenn er diagonal nach innen zieht mit seinem Antritt und seiner Dynamik und dann mit seiner sehr guten Schusstechnik den Abschluss sucht, dann ist das mMn eine echte Waffe, die nur sehr schlecht zu verteidigen ist.


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