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[Kicker] Standard-Schwäche:BVB-Abwehr fehlt es auch an Größe (BVB)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Dienstag, 30.04.2019, 13:43 (vor 2662 Tagen) @ ahw79

Kicker

Der Artikel geht mMn am Problem vorbei.

Im Prinzip ist der von Favre gewählte Ansatz bei Defensivecken,also ein Mix aus Raum- und Manndeckung, genau richtig. Und Größe allein hat noch längst nichts mit Kopfballstärke zu tun, weder defensiv, noch offensiv. Weder Weigl, noch Zagadou verfügen trotz ihrer Körpergröße über ein überdurchschnittlich gutes Kopfballspiel.

Das Problem liegt mMn woanders. Kleiner Rückgriff: ‚Finale dahoam‘ 2012. kurz vor Schluss der regulären Spielzeit gibt es beim Stand von 1:0 für Bayern eine (die erste?) Ecke für Chelsea. Deren Kopfballstärkster Mann ist Drogba. Ihm zugeteilt ist Boateng, sicherlich kein ‚Hemd‘, sogar ein paar Zentimeter größer als Drogba und ein guter Defensivkopfballspieler. Dennoch erzielt Drogba den Ausgleich per Kopf. Warum? Er löst sich frühzeitig von Boateng, läuft mit schnellem Antriit dorthin, wo er die Eckballflanke erwartet, steigt aus dem Lauf mit Vooler Kraft hoch und wuchtet den Ball Richtung Tor. Boateng versucht ihm zwar zu folgen, kommt aber zu spät. Drogba Kopfball kommt zwar ziemlich genau über den Kopf von Neuer, aber bei dieser Wucht des Balles bekommt er nicht mehr rechtzeitig die Arme hoch. Tor zum Ausgleich, Folgen bekannt.

Wären beide Spieler quasi aus dem Stand zum Kopfball gegangen, wären die Chancen Boatengs an den Ball zu kommen ungleich größer gewesen. Und wenn Drogba dennoch an den Ball gekommen wäre, hätte seinem Kopfball die Wucht gefehlt und Neuers Chancen,an den Ballkommen wären deutlich höher gewesen. So hat sich Drogba durch das Loslösen und vor allem den Anlauf den entscheidenden Vorteil verschafft, mit Wucht und Kraft zum Ball gehen zu können.

Und genau dies sehe ich als Hauptmank bei unserer Eckenverteidigung an. Als verteidigender Spieler hat man immer den Nachteil, reagieren zu müssen während der angreifende Spieler agiert. Und ich weiß nicht, in welche Richtung mein Gegenspieler sich bewegen wird. Durch kurze Antäuschungen kann ich genau den Augenblick falsch reagieren, den mein Gegenspieler braucht, um Anlauf nehmen zu können. Bei ausreichender Sprungkraft reichen da einige wenige Schritte. Das ist auch der große Nachteil bei der Manndeckung. Läuft der Angreifer in einen deckten Raum, kann der dort verantwortliche Spieler aber auch nur dann rechtzeitig reagieren, wenn er die Aktion mitbekommt. Nur hat man bekanntlicherweise hinten keine Augen. Und man darf nicht vergessen, in welcher Geschwindigkeit alles abläuft.

Es kommt also mMn nicht auf die Zuteilung eines großen, kopfballstarken Spielers an (zumindest nicht allein), sondern darauf, den potentiellen Kopfballspielern des Gegners (in der Regel deren Innenverteidiger) keinen Raum zu lassen, um sich mit Antritt und Anlauf zum Ball bewegen zu können. Das erfordert mehr als einen Mann. Und genau hier sind auch mMn unsere Defizite.


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