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Der BVB gehört nicht in eine European Super League (BVB)

Voomy, Berlin, Sonntag, 04.11.2018, 02:34 (vor 2761 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de

Dass der BVB nicht unbedingt in eine European Super League gehört würde ich ja noch unterschreiben. Aber als Begründung die Finanzen anderer regionaler oder internationaler Vereins heranzuziehen ist dann doch ein bisschen einfach.

Eines muss man festhalten: Der Königsklasse könnte eine Reform durchaus guttun.

Der Champions League würde eine Reform nicht nur gut tun, die Champions League ist im derzeitigen Modus ein Wettbewerb, der, bis auf die Prämien, vor allem zum Scheitern verurteilt ist. Das weiß die UEFA, das wissen die teilnehmenden Vereine - ansonsten hätte man sich nicht bereits vor zwei Jahren dem Druck der SuperLeague Gründer gebeugt und die Reform für die Verteilung der Startplätze eingeleitet. Wäre sich die UEFA nicht sicher, dass ihr eigener Wettbewerb kaum eine langfristige Perspektive hat, wäre man bei Weitem weniger erpressbar durch große Vereine oder wahlweise auch ganze Nationen, die mit den richtigen Mitteln ihren Ausschluss aus diesem Wettbewerb zu verhindern wissen. Würden die Kataris nämlich ernst machen, wäre die SuperLeague schon zur neuen Saison fertig.

Sie möchten nicht, dass AEK Athen, Young Boys Bern, Roter Stern Belgrad oder Lokomotive Moskau künftig auch nur noch einen Krümel von ihrer Torte naschen.

Hier beginnt dann der etwas widersprüchlichere Part des Artikels. Vor AEK Athens Meisterschaft ist Olympiakos Piräus 13 Mal in 15 Jahren Meister geworden. Warum? Weil sie ihr Budget dank der CL Einnahmen weit über den Rest der Liga aufpumpen konnten. Das gleiche Spiel wie in der Schweiz: Basel 8 x Meister in 10 Jahren. Serbien? Seit Staatsgründung kein anderer Meister als Partizan oder Roter Stern. Niederlande? Seit 2000 sind nur drei Mal nicht Ajax oder PSV Meister geworden. Portugal? Sporting 2001, seitdem entweder Porto oder Benfica. Ukraine: Kein Meister seit 1992, der nicht Kiew oder Donzek hieß. Das lässt sich fortführen.

Während die Teilnahme der "kleinen Länder" hier als etwas wünschenswertes beschrieben wird - was man auch so sehen kann, für einen vielfältigen Wettbewerb - ist es für die nationalen Ligen der Tod. Die Einnahmen aus der reinen Qualifikation für die Gruppenphase sprengen dort das Budget der EL-Anwärter um ein vielfaches.

Man muss sich also schon die Frage stellen, ob die Champions League für die europäischen Ligen tiefer als Top 5 so ein Segen ist. Denn solange Real Madrid und Partizan Belgrad für die Qualifikation das gleiche Geld bekommen, aber am nächsten Samstag auf der einen Seite gegen Barcelona gespielt wird und Partizan in die serbische Provinz zu einem Club muss, dessen Jahresbudget unterhalb der Prämie für das Unentschieden gegen Real Madrid liegt, ist das zumindest zu bezweifeln. Es gibt also aus verschiedensten Sichtweisen durchaus Gründe, warum es für den europäischen Fußball klug wäre, wenn sich die großen Geldgeber und Geldnehmer aus diesem System verabschieden. Entweder in Form des Ausstiegs aus den nationalen Ligen oder eben durch eine Entkernung des internationalen Wettbewerbs und seiner Sponsoren-Attraktivität.

Doch das Ganze ist auch eine Prinzipiensache. In den Niederlanden sorgt gerade eine Idee für Aufsehen, wonach Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam zehn Prozent ihrer Champions-League-Einnahmen, wenn auch unter Bedingungen, den übrigen Vereinen der Eredivisie überlassen möchten

Und es reicht schon den sehr oberflächlichen ran-Artikel zu lesen um zu begreifen warum sie das tun. Nicht aus Solidarität, sondern als langfristige Investition in die nationalen Fernsehgelder. Mit der bald kommenden Aufhebung der Zentralvermarktung in den Niederlanden wird man dann die Topspiele besser vermarkten können. Also eine einmalige Investition bis 2021, die danach die Schere in den Niederlanden noch deutlich vergrößern wird.

Weil das System in der Bundesliga bereits jetzt verkorkst ist und die großen Vereine dabei unterstützt, sich weiter von den kleineren abzusetzen, ist es umso wichtiger, dass der BVB sich für einen ausgeglicheneren Wettbewerb und eine faire Umverteilung der Einnahmen in der Bundesliga einsetzt.

Das System der Bundesliga mag auf den ersten Blick verkorkst sein, es ist es aber nicht im internationalen Vergleich. Wir haben immer noch die Zentralvermarktung, wir haben immer noch Beschränkungen bei Investoren und wir haben immer noch eine Schlüsselverteilung von TV-Geldern, die fernab jeder zuschauer- und vermarktungstechnischen Realität ist. Dass Vereine wie Freiburg so viel Geld bekommen, ist alleine dem deutschen System geschuldet. In Spanien etwa würden sie nur einen Bruchteil bekommen.

Und man kann den Bogen durchaus weiter spannen: Der Dembélé-Transfer hat beispielsweise gezeigt, dass Ablösesummen jenseits der 100-Millionen-Grenze für vehementes Kopfschütteln bei vielen Fans sorgen.

Das ist eine recht subjektive Ansicht der traditionellen Seite. Es gab mindestens ebenso viel Kopfschütteln, dass man "nur" 100 Millionen bekommen hat. Auch das ist nur ein Stellvertreterkrieg Tradition gegen bittere Realität des Fußballgeschäfts.

Alles in allem kann ich den Schnack von der Schere zwischen Arm und Reich in der Bundesliga nicht mehr hören - übrigens so wenig wie den dauernden Vergleich mit Mieten oder den Gehältern von Pflegekräften. Das ist auch nur Populismus und Polemik und hilft mit Sicherheit nicht weiter, dass auch die deutschen Fans eine Beteiligung an der Entwicklung der Liga in den nächsten Jahren haben werden. Ein Solidaritäts-Geschäft würde in der Bundesliga zum Beispiel nur funktionieren, wenn wir beispielsweise bereit wären, auch Vereine wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen zu unterstützen. Man wird nicht einfach Werksvereine oder "unliebsame" Clubs ausschließen können.

Viele Probleme der Vereine sind hausgemacht. Das mag nicht auf Freiburg oder Mainz zutreffen. Aber in Mainz oder Freiburg sind auch keine Leute und eigentlich auch keine Fans, die die Erwartung haben, dass sie um die Champions League Plätze mitspielen können. Es gibt nun einmal große und kleine Vereine, es gibt reiche und eher arme Clubs, es gibt Fahrstuhlmannschaften und Traditionsmannschaften. Umverteilung wird nur dafür sorgen, dass die Relevanz der Bundesliga im internationalen Vergleich noch weiter sinkt. Und wenn die Bundesliga international an Wert verliert, sinken auch die Einnahmen für die kleineren Vereine.


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