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Jaden Sancho verlängert beim BVB (BVB)

Ulrich, Dienstag, 02.10.2018, 11:15 (vor 2869 Tagen) @ Frankonius

Ich kann die Entwicklung dort auf der Insel nicht nachvollziehen.
So richtig kann mir das mein englischer Kollege auch nicht erklären.

Ich glaube, das kann niemand. Letzten Endes war das Ergebnis der Abstimmung wohl auch der Rundumschlag der Alten, der Armen, der Vernachlässigten. Genau derjenigen denen es nach dem Brexit nochmals schlechter gehen dürfte.

Bei den Briten kommt wohl einiges zusammen. Die zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts waren in Europa das Zeitalter des Faschismus. Gut möglich dass man später die zehner und zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts als Zeitalter des Populismus in der westlichen Welt bezeichnen wird. Und speziell in Großbritannien ist wohl das Gefälle zwischen Reich und Arm größer als in allen anderen EU-Staaten. Auf der einen Seite der prosperierende Großraum London -und selbst da enorme soziale Unterschiede-, auf der anderen Seite von der britischen Politik weitgehend vergessene Regionen.

Zwei große Parteien, die anscheinend ideologisch irgendwo in den 70er oder 80ern des vergangenen Jahrhunderts stecken geblieben sind arbeiten daran das Land zu Grunde zu richten. Modernere Parteien wie die dortigen Liberalen oder gar Grüne haben wegen des steinzeitlichen Wahlrechts kaum eine Chance.

Die Konservativen hängen noch immer der Ära Thatcher nach. Und das obwohl die für die aktuelle Lage mit verantwortlich ist. Sie ist wie eine Dampfwalze über weite Teile der britischen Industrie gefahren, zurück geblieben sind ganze Landstriche ohne Perspektive weil sie es versäumt hat dort irgend eine Art von Wirtschaftsentwicklung zu betreiben die neue Arbeitsplätze geschaffen hätte. Auf der anderen Seite Labour. Dort ist man noch immer wegen der Politik des New Labour von Tony Blair gespalten. Der hat zwar einerseits die Entwicklung des Finanzplatzes London weiter voran getrieben, aber auch nichts für die Menschen getan die bereits unter Thatcher und ihrem Nachfolger John Major vergessen worden waren. Dazu kommt dass der Parteiführer Jeremy Corbyn ein Außenseiter ist der von einer durchaus ebenfalls populistischen Graswurzelbewegung gegen den Willen des Partei-Establishments an die Spitze der Partei gewählt wurde.

Spezifisch britisch ist dass dort seit vielen Jahrzehnten von den Medien und Teilen der Politik eine ganz massive Anti-EU-Stimmung geschürt wird. Für alles was man in London verbockt hat wurde und wird grundsätzlich Brüssel verantwortlich gemacht. Und ein Boris Johnson beispielsweise ist groß geworden indem er als Korrespondent in Brüssel den britischen Boulevard mit an den Haaren herbei gezogenen Horror-Geschichten über die EU gefüttert hat.

Und im Hintergrund schwingt bei manchen auf der Insel immer noch die irrwitzige Vorstellung mit, das Empire könne wieder die Rolle einnehmen die es bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts in der Welt gespielt hat.

Was die Liberalen angeht so muss man sagen dass sie die Chance gehabt hätten, ein zeitgerechteres Wahlsystem durchzudrücken bevor sie vor einigen Jahren als Mehrheitsbeschaffer der Konservativen in die Regierung eingetreten waren. Die Chance haben sie verspielt, in der nächsten Legislaturperiode ist dann nicht viel von ihnen übrig geblieben.

Das ist so bedauerlich. Es gibt vielen Dinge von der Insel die ich gerne mag. Den Humor, die Musik, das etwas Schräge (mit Schirm, Charme und Melone) und schottischen Whisky.
Aber wenn man meint ohne EU besser da zu sehen, muss man eben mit den Konsequenzen leben.

Bisher hatten die Populisten eigentlich immer das Glück dass der Schaden den sie anzurichten drohten immer wieder von Realpolitikern verhindert oder zumindest in Grenzen gehalten wurde. Ich befürchte aber, dieses Mal wird es nicht so sein. Und die negativen Folgen würde dann auch die gesamte Rest-EU spüren. Für Großbritannien sehe ich in dem Fall allerdings eine Katastrophe heran ziehen. Ich befürchte beispielsweise dass wir dort eine Pleitewelle erleben werden wie man sie seit den Zeiten der Großen Depression nicht erlebt hat. Aber eventuell müssen solche Menschen wie Boris Johnson oder Jacob Rees-Mogg einfach einmal richtig auf die Schnauze fallen damit die anderen daraus lernen.


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