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[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde (BVB)

mcprivat, Brandenburg, Sonntag, 26.08.2018, 10:35 (vor 2903 Tagen)

Hallo Zusammen,

ich stelle mir manchmal die Frage was der Grund ist warum es so schwer für Stürmer ist bei Topklubs einzuschlagen.

- Der europäische Stürmermarkt ist sehr eingeschränkt. Bei den TopTeams sprechen wir immer über 10-15 Stürmer die angeblich in dieses Raster passen.

- Junge Stürmertalente kommen kaum an den "etablierten" vorbei. Dadurch verschwinden viele Stürmertalente schnell wieder in der Versenkung.

- Trainer lassen auf der Stürmerposition wenig rotieren

- Was fehlt z.b. einem S. Terodde (der gestern ein Dreierpack gemacht hat) um bei einem Topklub zu spielen? Von der Physis, von der Ausstrahlung und der Trefferquote verstehe ich einfach nicht warum so ein Spieler in der 2. Liga landet

Liegt es an den Beratern? An den Vereinen die immer die große Lösung suchen?
Eure Meinungen?

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Sonntag, 26.08.2018, 12:58 (vor 2903 Tagen) @ mcprivat

Ich glaube, das von Dir gewählte Beispiel Simon Teroddes ist vielleicht nicht ganz passend. Am Beispiel Nils Petersens lässt sich mMn recht gut einiges bezgl. der grundsätzlichen Problematik aufzeigen. Dazu aber weiter unten mehr.

Zunächst ein Hinweis auf den Nachwuchsbereich. Dort solltest Du Dich eventuell einmal etwas intensiver und genauer gerade hinsichtlich der Stürmerposition umschauen. Was mir immer wieder auffällt, ist die Bedeutung der körperlichen Entwicklung. Trotz aller frühzeitigen Schulung in allen Bereichen und strenger Selektion von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe spielt die Physis immer wieder eine entscheidende Rolle. In der Negativselektion spielt sie heute deutlich weniger eine Rolle als noch vor 10, 15 Jahren. Dass ein Talent wie Reus durchs Raster fällt, weil man ihm rein körperlich den harten und fordernden Profifußball nicht zutraut, dürfte heutzutage wohl kaum mehr passieren. Aber in der Positivselektion passiert es nach wie vor und dazu recht häufig, dass junge Spieler, die in ihrer Physis im Entwicklungsstand ihren Altersgenossen z.T. weit voraus sind, bis in den Profibereich auf von Topclubs aufrücken, obwohl letztlich die Begabung dafür nicht ausreicht.

Die körperliche Entwicklung ist nämlich mit 15,16 keinesfalls durchgängig abgeschlossen. Gerade im Bereich des Muskelzuwachses tut sich in den Jahren darauf noch einiges. Nicht selten werden auf der Stürmerposition Spieler eingesetzt, die sich auch aufgrund ihrer körperlichen Präsenz leichter gegen Spieler durchsetzen können, die körperlich noch nicht ganz so weit sind. Letzteres trifft sogar auf die IV-Positionen zu. Dann trifft ein Nachwuchsspieler im Nachwuchsbereich sehr oft, wenn er dann aber im Profibereich gegen körperlich gleichwertige oder gar überlegene Spieler antritt, gereichen ihm eventuelle Defizite in anderen Bereichen, die im Nachwuchsbereich durch die körperliche Überlegenheit übertüncht wurden, zum Nachteil. So ist schon manche erwartete Stürmerkarriere frühzeitig beendet gewesen. Zeit für die weitere spielerische / taktische Entwicklung, für die nicht nur Training, sondern auch ausreichend Einsatzzeiten im Spielbetrieb notwendig ist, bekommen junge Spieler in Topclubs nur eher selten. Siege bedeuten Geld, und genau darum geht es im Profifußball. Niederlagen will und kann niemand riskieren, und deshalb spielen auch fast immer die zuverlässigen scorer. Es ist ja kein Zufall, dass bei vielen Topclubs als Rotationsspieler hinter dem Topstürmer kein junges Talent steht, sondern ein erfahrener Stürmer. Kann man in der PL sehen, aber auch z.B. bei Bayern. Sicherlich gibt es auch Ausnahmen, aber es bleiben halt Ausnahmen.

Zu Petersen:
Er war ein junger, erfolgreicher Stürmer in der dritten Liga, der dann als junger Spieler in der zweiten Liga ebenfalls erfolgreich wurde. Dann holte ihn die Bayern, um weitere Konkurrenz zu Gomez zu haben. Naturgemäß bekam er kaum Einsatzzeiten, für die Bayern geht es in allen Wettbewerben um alles. Auch war der Schritt von Cottbus zu den Bayern riesig; Petersen konnte sich da in der Kürze der Zeit gar nicht an das erforderliche Niveau heranarbeiten. Er wurde nach nur einem Jahr nach Bremen ausgeliehen, wo es dann im Jahr der Ausleihe deutlich besser lief. Anderes Niveau, andere Ansprüche, andere Konkurrenzsituation. Petersen war in diesem Jahr im Sturm gesetzt, genoss das Vertrauen des Trainers. Als es wieder zu Bayern zurückging, hatten die Münchner auf der Stürmerposition bereits andere Kaliber verpflichtet (Mandzukic, Pizarro), um Gomez mehr Druck zu machen. Für die Weiterentwicklung eines Petersen war da kein Raum mehr. Werder kaufte ihn und alles schien in Ordnung für Petersen. Doch Formkrisen, Verletzungen und vor allem ein neuer Trainer (Skripnik) waren für ihn der Weg auf das Abstellgleis. Skripnik wollte unbedingt einen kombinativen Stürmer und sah in Petersen einen reinen Strafraum-/Abschlussstürmer. In Bremen sprach man allerdings auch von persönlichen Antipathien, die für Skripnik eine Rolle gespielt haben sollen. Man lieh Petersen an den SC Freiburg aus, wo er auf Anhieb überzeugte und man ihn dann auch verpflichtete. Streich als Befürworter des Kombinationsfußballs konnte also den Stürmer Petersen passend in das Spiel seiner Mannschaft einbinden. Petersen stellte sich dann auch in den ‚Dienst der Mannschaft‘, als er nach einer längeren Verletzungspause sich auf der Bank wiederfand und Streich nichts am neuen, erfolgreichen Sturm ändern wollte, und wurde einer der erfolgreichsten ‚Joker-Stürmer‘ überhaupt. Letztlich setzt er sich dort immer wieder durch. Er wurde Olympiateilnehmer und sogar noch spätberufener Nationalspieler (wenn auch mehr in Alibifunktion).

Petersen hat in Freiburg den richtigen Club, das passende Umfeld und vor allem den richtigen Trainer gefunden. Der Schritt zu Bayern war zu früh und zu groß. Bei Werder fand er nicht das passendes Umfeld und vor allem nicht den passenden Trainer vor. Bei Freiburg passt alles. Um den Konjunktiv zu bemühen: Wie wäre Petersens Karriere wohl verlaufen, wenn er erst zu Freiburg gewechselt wäre statt zu den Bayern? Letztlich weiß man nicht, ob sein Talent und Potential, seine Fähigkeiten und Anlagen sowie seine Spielweise und individualtaktische Lernfähigkeit ausgereicht hätten, ihn zu einem größeren Club zu führen und dort ebenfalls erfolgreich zu sein. Vielleicht nein, vielleicht wäre er auch Nationalspieler geworden. Es bleibt hypothetisch. Interessant finde ich es allemale.

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

MKB, Siegen, Sonntag, 26.08.2018, 11:14 (vor 2903 Tagen) @ mcprivat

Bei Stürmern und auch bei Torhütern ist nach den meisten taktischen Systemen eben nur ein Platz möglich wo gespielt werden kann. Lewandowski ist zum Anfang daher bei uns auf eine andere Position gerückt. Dies hat ihm durchaus gut getan in seinem technischen Spiel. Aber ohne Spiel Rhythmus ist es einfach schwer. Der Stürmer wird an Toren gemessen und diese hat der jungprofi einfach nicht vor zu weisen. Man sieht bei Stürmern aus diesem Grund den Durchbruch etwas später. Die 18 jährigen sturmtalente die regelmäßig spielen und treffen gibt es kaum. Hier muss man gerade fragen was einen isak z. B. Bewogen hat zum Bvb zu kommen. Es war klar er bekommt hier keine Einsätze und dadurch steht seine Karriere. Talent ist nicht alles im Sturm, man braucht Spiele. Dann gibt es aber die teroddes dieser Welt. Gehen den Weg über spielpraxis, können dann aber das Image 2. Liga stürmer nicht mehr ablegen sobald sie mal nicht treffen. Ich denke den meisten Vereinen fehlt eine Ausbildungsstrategie für stürmer von 18 bis 22. Die braucht man. Nur macht es die lange Zeit für Vereine schwierig diesen mit zu gehen. Ist er dann ausgebildet und kommt ins Rollen laufen die Verträge aus. Daher denke ich müssen hier die stürmer sich um ihren Karriere Plan kümmern. Dazu brauchst guten Berater und da enden dann die meisten. Auf der Bank bei großen Vereinen.

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

majus_1909, Sonntag, 26.08.2018, 11:39 (vor 2903 Tagen) @ MKB

Es war klar er bekommt hier keine Einsätze und dadurch steht seine Karriere. Talent ist nicht alles im Sturm, man braucht Spiele. Dann gibt es aber die teroddes dieser Welt. Gehen den Weg über spielpraxis, können dann aber das Image 2. Liga stürmer nicht mehr ablegen sobald sie mal nicht treffen. Ich denke den meisten Vereinen fehlt eine Ausbildungsstrategie für stürmer von 18 bis 22. Die braucht man. Nur macht es die lange Zeit für Vereine schwierig diesen mit zu gehen. Ist er dann ausgebildet und kommt ins Rollen laufen die Verträge aus. Daher denke ich müssen hier die stürmer sich um ihren Karriere Plan kümmern. Dazu brauchst guten Berater und da enden dann die meisten. Auf der Bank bei großen Vereinen.

Meiner Meinung nach bot der BVB eigentlich lange optimale Voraussetzungen für Sturmtalente, da man ja meistens nur einen robusten Stürmer hatte und dahinter nichts (siehe Lewandowski, Aubameyang). Ich denke daher schon, dass es für Isak Sinn gemacht hat hierhin zu kommen, da er mit 17 bereits Perspektiven hatte auf viele Bundesligaminuten zu kommen, wenn man denn Aubameyang hätte schonen wollen. Dass der Trainer dann diesen Transfer schon fast als Affront aufnimmt und er daher komplett raus ist, ist natürlich schon sehr ärgerlich...

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

donotrobme, Münsterland, Sonntag, 26.08.2018, 12:03 (vor 2903 Tagen) @ majus_1909

wobei der Vergleich zwischen dem talierten b-jugend Spieler Isak und den talierten Jungprofis Lewandowski (Polen) und Aubameyang (Frankreich) nicht ganz treffend ist.

Letztere haben vor dem Wechsel immerhin schon beweisen, dass sie sich mit Erwachsenen messen können, Isak hat nur unter gleichaltrigen gespielt.
Ob Moukoku dies schaffen wird, wird sich auch noch zeigen.
Und gerade als Stürmer hast du es eben einfacher, wenn du deinen Gegenspieler körperlich überlegen bist. Deswegen hat es viele Talente gegeben, die im Jugendfußball massig Tore geschossen haben, dann aber Probleme im Profifußball hatten.
Um nur mal eine Auswahl zu nennen:
- Mike Hanke
- Benjamin Auer
- David Selke
- Peniel Mlapa
- Julian Schieber
- Enrico Kern
...

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

Burgsmüller84, Sonntag, 26.08.2018, 11:28 (vor 2903 Tagen) @ MKB

Das Problem des Alters 18 bis 22 und darüber hinaus kennt der BVB nun zur Genüge. Ginczeck, Ducksch, jetzt aktuell Serra. Die einzige Lösung wäre, diesen Spielern schon als 18-järigen saftige 4-Jahres-Verträge zu geben und sofort auszuleihen in niedere Klassen mit dem Ziel, dass sie sich dort entwickeln. Aber auch mit 22 zu ihrem Vertragsende hin sind die meisten Stürmer noch nicht soweit. Ginczeks Quasi-Durchbruch bei Pauli kam erst mit 22, Ducksch wurde erst mit 24 Zweitligatorschützenkönig. Und wie sich gerade ein Stürmer entwickelt, ist vor allem vom leihenden Club abhängig und dem dortigen Trainer.

Dazu kommt: wir sind nicht der FC Chelsea, der auch den Perspektivspielern Millionenverträge geben kann und davon dann auch noch zwei Dutzend europaweit herumlaufen lässt, leihweise.

Eigentlich nötig wäre ein Farmteam-System.

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

majus_1909, Sonntag, 26.08.2018, 11:10 (vor 2903 Tagen) @ mcprivat


Liegt es an den Beratern? An den Vereinen die immer die große Lösung suchen?
Eure Meinungen?

Mir ist unklar, warum du jetzt genau Terodde als Beispiel nimmst. Der Mann ist 30 und hat 35 Bundesligaspiele auf dem Buckel. Er durfte 15 mal beim VfB und 15mal beim FC ran und hat 7 Tore und 1 Vorlage geschafft in knapp 2000 Minuten. Das sind einfach keine Zahlen, die einem Erstligastürmer gerecht werden. Das hat dann auch nichts mit der Blindheit der Sportdirektoren zu tun.

Er scheint im übrigen ein intelligenter Mann zu sein und sein Leistungsvermögen sehr gut einschätzen zu können, sodass er selbst es immer vorgezogen hat bei 2. Liga Vereinen zu spielen, statt bei einem Bundesligaclub auf der Bank zu sitzen.

[meinungsaustausch] Stürmerkarrieren am Beipsiel S. Terodde

Oleoleole, Sonntag, 26.08.2018, 11:32 (vor 2903 Tagen) @ majus_1909

Naja, die blanken Zahlen von 7 Toren in 2000 Minuten, ca 20 spielen, ist nicht so schlecht. Auf eine Saison und vollzeit wären das ca 11-12 Tore. Der Zweitligasturmer nebenan netzt ja auch ab und an.
Muss wohl an was anderem liegen....

Wie sagte Scholl mal, manchmal sind es einfach Sekunden oder Bruchteile derer an denen es liegt. Mal schauen was Ducksch in Liga 1 bewegt

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