Neu auf schwatzgelb.de: Leitlinien der Nutzung der Videotechnologie (BVB)
Redaktion schwatzgelb.de
, Dortmund, Donnerstag, 21.09.2017, 19:33 (vor 3072 Tagen)
Auch Tage nach dem Kölnspiel bewegen die Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns. Gastautor Max mit seinen Gedanken zur Durchführung des Videobeweis.
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Neu auf schwatzgelb.de: Leitlinien der Nutzung der Videotechnologie
stfn84, Köln, Freitag, 22.09.2017, 07:59 (vor 3072 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
bearbeitet von stfn84, Freitag, 22.09.2017, 08:02
Lieber Max,
ich zähle mich zu den Kritikern des Videobeweises. Und das obwohl ich ein großer Freund des gerechten Wettbewerbs bin. Vielleicht bin ich es sogar genau aus diesem Grund.
Du stellst fest, dass die Ergebnisse in der Bundesliga nun gerechter geworden sind. Klar ist: Es gab einige Eingriffe des Videoschiedsrichters, die vollkommen zu Recht erfolgt sind und damit Fehlentscheidungen des Unparteiischen überstimmen konnten. Zum gleichen Zeitpunkt gab es aber auch klare Fehlentscheidungen des Videoschiedsrichters. Weiterhin gab es Spiele, in denen die Videotechnik gar nicht oder nur teilweise zur Verfügung stand. Entsprechend ist die generelle Aussage nicht zutreffend, dass der Videoschiedsrichter in den ersten Saisonspielen zu mehr Gerechtigkeit geführt hat.
Die von Dir aufgestellten Leitlinien widersprechen sich in meinen Augen. Einerseits soll das Spielleiterprinzip gelten, wodurch die Autorität des Schiedsrichters gestärkt wird. Andererseits soll dieser in kniffligen Szenen lieber alles weiterlaufen lassen, damit der VAR im Zweifel eingreifen kann. Wenn der Schiedsrichter aber zum Ferngesteuerten wird, büßt er Autorität ein.
Zudem liegt es im Wesen des Videoschiedsrichters, dass er klare Fehlentscheidungen überstimmt.
Dies ist nicht näher definiert, eines der großen Probleme des VAR.
In meinen Augen können mit klaren Fehlentscheidungen nur jene gemeint sein, die mindestens 90:10, eher aber 100:0 Entscheidungen sind. Foulspiele/Handspiele die man auch anders entscheiden kann, würden entsprechend nicht durch den VAR überstimmt werden können.
Sowohl in die eine als auch andere Richtung stellt das ein großes Problem dar!
Wenn man Deiner Leitlinie "für den Spielfluss" folgte, würden nur noch die 100%-igen (womöglich auch 90%-igen) Elfmeter gepfiffen. Elfmeter á la Robben 2012, RL9 2017 dürfte es dann nicht mehr geben. Da das aber der Großteil der gepfiffenen Elfmetern ist, bliebe die Pfeife eben fast immer stumm. Genau so wäre das natürlich bei Foulspielen rund um den Strafraum.
Diese Leitlinie würde auch das Wesen des Fußballspiels verändern, da der Schiedsrichter im Grunde nur noch als Marionette des VAR im Stadion ist.
Der Videoschiedsrichter im Stadion? Ernsthaft? Was ist der Vorteil?
Ich sehe darin einen immensen Nachteil, da der VAR sich von der Stimmung auf den Rängen anstecken lassen könnte.
Der von Dir geäußerte Wunsch nach mehr Transparenz für Stadionbesucher stütze ich. Sie wird allerdings nicht kommen.
Im Gegensatz zu Dir sehe ich viele Probleme beim VAR und bin nicht der Meinung, man möge jetzt bitte alles hinnehmen. Kritik muss erlaubt sein, vor allem, da es aktuell dilettantisch angewendet wird!
Mir missfällt es, dass in Köln zwei klare Elfmeter nicht gegeben werden, während aus einer weniger eindeutigen Szene in (beispielhaft) GE ein Elfmeter resultiert.
Der Videoschiedsrichter führt eine weitere Sicht ein, aber nicht automatisch zu mehr Gerechtigkeit. Vielmehr ist die subjektive Entscheidung des Schiedsrichters am Bildschirm als weitere Entscheidungsebene zu verstehen. Es wird, auch nach der Schärfung der Kriterien, keine 100% gleichverteilte Anwendung der Regeln geben. Das was mich heute einen Elfmeter kostet, wird im nächsten Spiel laufen gelassen. Foulspiele die in Hamburg zu einem Elfmeter führen, werden in Berlin gar nicht geahndet.
Entsprechend ist der Videobeweis zwar etwas weniger ungerecht als das aktuelle System, führt aber eben nicht zu genereller Gerechtigkeit. Dies beziehe ich übrigens explizit auf die glasklaren, 100%-igen Fehlentscheidungen! Ich erwarte nicht, dass der Videoschiedsrichter ALLE Fehler des Schiedsrichters bereinigt.
Ein weiteres Problem des VAR, beispielhaft verdeutlicht:
Ein Einwurf wird fälschlicherweise zugesprochen, es handelt sich um eine klare Fehlentscheidung - daraus resultiert unmittelbar ein Eckball/Freistoß/Elfmeter, aus dem wiederum ein Tor resultiert. Das wäre ein ungerechtes Tor, da es aus einer klaren Fehlentscheidung hervorgeht.
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Melange, Berlin, Freitag, 22.09.2017, 12:58 (vor 3072 Tagen) @ stfn84
Unabhängig davon, was ich vom VAR halte, aber fällt dir auf, dass du deine Argumentation von gerechter zu 100%ige Gerechtigkeit änderst.
Das ist aber unfair. Kein VAR kann 100%ig gerecht sein. Phillips Selldorf in der SZ tat heute auch so, als ob versprochen worden wäre, dass der VAR absolut alles löst. Das ist natürlich Quatsch.
Das Problem mit viel Kritik an Schiedsrichterentscheidungen hat ja auch mit Besserwisserei zu tun. Dabei kennen viele Journalisten die Regeln gar nicht gut.
Ich fände es allerdings gut, wenn die Mannschaften selber den VAR anfordern müssten. Dann wäre die Entscheidung in der Verantwortung des Teams. Und meinetwegen könnten sie jede Entscheidung anzweifeln. Aber wenn sie es zu Unrecht tun, verlieren die ihr Recht. Das würde auch das Meckern einschränken...
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Eastwood, Freitag, 22.09.2017, 13:37 (vor 3071 Tagen) @ Melange
Ich fände es allerdings gut, wenn die Mannschaften selber den VAR anfordern müssten. Dann wäre die Entscheidung in der Verantwortung des Teams. Und meinetwegen könnten sie jede Entscheidung anzweifeln. Aber wenn sie es zu Unrecht tun, verlieren die ihr Recht. Das würde auch das Meckern einschränken...
Das ist eine Sache die ich wirklich nicht verstehe und die mich auch etwas ärgert, da man am Beispiel der NFL hätte lernen können, dass der übermäßige, quasi "Anlasslose" Einsatz des Videobeweises dem Produkt schadet.
Ich wäre immer noch für ein Challenge System, bei dem jedes Team zweimal pro HZ den VAR anfordern kann, aber jeweils eine Einwechselmöglichkeit riskiert. Damit könnte man einerseits die ganz krassen Fehlentscheidungen korrigieren, also die Dinger wo jeder im Stadion sieht, dass es sich um eine Fehlentscheidung handelt (Möller-Schwalbe, Phantomtor, Hummels Tor im Pokalfinale). Und man nimmt die Schiris aus der Schusslinie und verhindert damit so absurde Situationen, wie bei unserem Spiel gegen Köln, wo die Spieler den Schiri volllabern, der gerade zu Ihren Gunsten entschieden hat, aber vom VAR überstimmt wurde.
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stfn84, Köln, Freitag, 22.09.2017, 13:31 (vor 3071 Tagen) @ Melange
Ich meine damit keineswegs, dass der VAR keine 100%-ige Gerechtigkeit schaffen kann.
Der VAR trat an, alle 100%-igen Fehlentscheidungen zu revidieren, um dadurch die Gerechtigkeit zu verbessern.
Momentan werden aber auch 100%-ige Fehlentscheidungen nicht immer revidiert. Vielmehr kommen auch 80:20, 70:30 Entscheidungen dazu, bei denen der VAR überhaupt nicht eingreifen dürfte.
Die Hüter des Regelwerks halten sich nicht an die von ihnen auferlegten Regeln, sondern justieren im Vollbetrieb daran rum. Eine Entscheidung die heute noch vom VAR geprüft wird, darf in 10 Spieltagen vielleicht gar nicht mehr geprüft werden. Es kann daher mE keineswegs von einer flächendeckenden Steigerung der Gerechtigkeit gesprochen werden. Vielmehr ist es auf einzelne Spiele und/oder Spielabschnitte zu sehen.
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Gordi, Freitag, 22.09.2017, 15:35 (vor 3071 Tagen) @ stfn84
Ich meine damit keineswegs, dass der VAR keine 100%-ige Gerechtigkeit schaffen kann.
Der VAR trat an, alle 100%-igen Fehlentscheidungen zu revidieren, um dadurch die Gerechtigkeit zu verbessern.Momentan werden aber auch 100%-ige Fehlentscheidungen nicht immer revidiert. Vielmehr kommen auch 80:20, 70:30 Entscheidungen dazu, bei denen der VAR überhaupt nicht eingreifen dürfte.
Die Hüter des Regelwerks halten sich nicht an die von ihnen auferlegten Regeln, sondern justieren im Vollbetrieb daran rum. Eine Entscheidung die heute noch vom VAR geprüft wird, darf in 10 Spieltagen vielleicht gar nicht mehr geprüft werden. Es kann daher mE keineswegs von einer flächendeckenden Steigerung der Gerechtigkeit gesprochen werden. Vielmehr ist es auf einzelne Spiele und/oder Spielabschnitte zu sehen.
Ja gut, aber wie soll man denn festlegen, ob und wann eine Fehlentscheidung eindeutig und einhundertprozentig ist?
Die Entscheidung beruht doch auf der subjektiven Sicht des VAR auf Basis der Fernsehbilder. Und wenn der jeweils zuständige VAR nach Sicht der Fernsehbilder der persönlichen Meinung ist, dass die vom Schiedsrichter getroffene Entscheidung falsch ist, greift er eben ein. Wäre er nicht absolut davon überzeugt, dass der Schiedsrichter falsch liegt, würde er ja auch nicht eingreifen. Dass dann bestimmte Szenen von dem einen VAR anders bewertet werden als von dem anderen, find ich dann auch irgendwie nachvollziehbar.
Und auch, dass ein VAR trotz Fernsehbildern Fehler macht, kann man eben nicht ausschließen. Siehe Köln - Frankfurt. Sie wiegen nur gefühlt schwerer und sind gravierender als die des Schieris auf dem Feld, weil jeder Zuschauer eben auch ein kleiner Videoschiedsrichter ist. Da muss dann aber doch der jeweilige VAR in der Kritik stehen und nicht das ganze System. Genau, wie eben vor der VAR-Phase der Schiedsrichter auf dem Feld persönlich in der Kritik stand.
Auch deswegen ist es meiner Meinung nach weiterhin ein grober Fehler, dass der spielleitende Schiedsrichter nicht dazu verpflichtet ist, selbst die strittige Szene zu begutachten. Denn er verlässt sich viel zu sehr auf seinen Assistenten vor dem Fernseher.
DFB kündigt detaillierte Bewertung bisheriger VAR-Erfahrungswerte in Länderspielpause an.
Scrutinizer, Donnerstag, 21.09.2017, 22:01 (vor 3072 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
Passt hier thematisch wohl am besten hin. Interview mit Lutz-Michael Fröhlich.
DFB.de: Stattdessen gibt es in der Öffentlichkeit sehr emotionale Diskussionen...
Fröhlich: ... die bis zu einem gewissen Punkt auch verständlich sind. Es ist eben vielen noch nicht komplett verständlich, warum bei manchen Szenen, die sich auf den ersten Blick zwar ähneln, aber regeltechnisch dann doch anders zu bewerten sind, eingegriffen wird oder eben nicht. Das zu ändern, da sind wir im Schiedsrichterwesen gefordert. Genau dieses Kriterienprofil müssen wir zeitnah mit allen Unparteiischen noch mal schärfen und dann die Öffentlichkeit, vor allem aber auch die Vereine, detailliert darüber informieren.
Bin immer noch der Meinung, man sollte vom Feldhockey lernen:
Bilder im Stadion zeigen und auch die Kommunikation von Schiri und VAR live transparent machen.
www.dfb.de/news/detail/froehlich-zum-video-assistenten-neunmal-perfekt-funktioniert-174471/
DFB kündigt detaillierte Bewertung bisheriger VAR-Erfahrungswerte in Länderspielpause an.
Marc2006, Essen-Kettwig, Freitag, 22.09.2017, 12:52 (vor 3072 Tagen) @ Scrutinizer
Wobei das zeigen der Bilder ja nicht am DFB liegt sondern daran, dass sich die Vereine gewünscht haben, hierauf zu verzichten. Sollte man bei aller berechtigten Kritik am DFB nicht vergessen.
DFB kündigt detaillierte Bewertung bisheriger VAR-Erfahrungswerte in Länderspielpause an.
Scrutinizer, Freitag, 22.09.2017, 13:01 (vor 3071 Tagen) @ Marc2006
Das stimmt, habe ich selbst hier schon mehrfach darauf hingewiesen. Vereine haben selbst zur Intransparenz beigetragen.
Allerdings war es ein Wunsch der Vereine. Würde als DFB-Funktionär überlegen, den Wunsch zu übergehen bzw. freundlich-bestimmte Überzeugungsarbeit zu leisten.
Finde beim Feldhockey sehr gut, dass man als Zuschauer hört, was Umpire und Video-Umpire bereden. Trägt stark zur Akzeptanz bei, weil man weiß, was Gegenstand war; selbst wenn man abweichender Meinung ist.
DFB kündigt detaillierte Bewertung bisheriger VAR-Erfahrungswerte in Länderspielpause an.
stfn84, Köln, Freitag, 22.09.2017, 07:33 (vor 3072 Tagen) @ Scrutinizer
Transparenz? Beim DFB?
Der war gut!