Neu auf schwatzgelb.de: Platzt die Blase bald? (BVB)
Redaktion schwatzgelb.de
, Dortmund, Mittwoch, 30.08.2017, 08:42 (vor 3060 Tagen)
200 Millionen hier, 100 Millionen da. Die Ablösesummen im Fußball lassen sich mit den Maßstäben des Durchschnittsbürgers nicht mehr begreifen. Geht das jetzt immer so weiter? Und wann platzt die Blase eigentlich?
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Neu auf schwatzgelb.de: Platzt die Blase bald?
Ulrich, Mittwoch, 30.08.2017, 17:30 (vor 3060 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
Ich bin kein Fachmann, aber im Augenblick ist wohl einerseits Geld sehr "billig", die Kreditzinssätze sind teilweise nahe Null. Andererseits ist es wohl auch für die "Superreichen" sehr schwierig wirklich lukrative Anlagemöglichkeiten zu finden. Diese beiden Effekte könnten meiner Meinung nach dazu führen dass zur Zeit viel Geld in den Fußball fließt. Einerseits direkt von irgend welchen Magnaten oder Oligarchen, andererseits über den Verkauf von Vermarktungsrechten, etc.
Eine eigenständige Blase sehe ich nicht, wohl aber eine Abhängigkeit von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Würden beispielsweise die Kreditzinsen deutlich anziehen, dann könnte dies eventuell auch einige Fußballclubs oder die dahinter stehenden Sponsoren in Probleme bringen. Andererseits könnte ein Anziehen der Preise für Erdöl russischen und arabischen Geldgebern zusätzliche Milliarden in die Kassen spülen. Wirklich problematisch wären allerdings ernsthafte Krisen der Weltwirtschaft. Nach den Terroranschlägen auf das WTC und vor dem sich anschließenden Golfkrieg hat sich wenn ich mich richtig erinnere der DAX zeitweise geradezu halbiert. Und auch wenn das Risiko hoffentlich deutlich geringer ist als von manchen befürchtet weiß man doch nicht in welche Richtung sich z.B. der Nordkorea-Konflikt entwickelt oder was Donald Trump in den nächsten Jahren so einfallen wird. Käme es wider Erwarten wirklich schlimm, dann wäre der Fußball aber unser kleinstes Problem.
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Rupo, Ruhrpott, Donnerstag, 31.08.2017, 14:51 (vor 3059 Tagen) @ Ulrich
Moin,
An dem Text kann man sehr schön sehen, wie schizophren wir Fußball Konsumenten Dinge sehen und vor allem Dinge ausblenden.
Das Profi Fußball Geschäft spiegelt genauso einen Markt wieder, wie jeder andere Markt im Kapitalismus. Gerade die Kritik an der kapitalistischen Ausrichtung des Profi Fußball vermisse ich komplett, wie auch die Kritik daran wie Menschen in diesem System als Ware behandelt werden und was wir eigentlich aus dem Spiel Fußball gemacht haben / bzw. machen.
Die Blase wird irgendwann platzen, dass ist das Wesen einer Blase. Die Frage wird sein wer die Zeche zahlen wird, analog zur Finanzkrise oder zur aktuellen Autoindustriekrise, der Verbraucher?
Zum letzten Absatz: Es ist schon auch irgendwie schizophren, dass das börsennotierte Fußballunternehmen BVB KGaA die höchste Transfersumme im deutschen Fußball generiert hat, auf der anderen Seite aber auch nicht – denn das ist das Ziel und Wesen der KGaA.
Das ausblenden, woher denn das Geld eigentlich stammt, gehört auch dazu. Letztendlich führt der Weg zurück zu einem Regime das mit Unrecht, Sklavenarbeit (Katar 2022) und Terrorfinanzierung in Zusammenhang gebracht wird und nicht unerheblich mit der deutschen Wirtschaft verbandelt ist
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/weltweiter-investor-an-diesen-unternehmen-ist-qatar-beteiligt-15048973.html
https://www.welt.de/wirtschaft/article165288243/Wenn-der-Investor-ploetzlich-als-Terror-Regime-gilt.html
Dies ist uns aber herzlich egal, so lange irgendwo ‚echte Liebe‘ drauf steht.
Gruß, Thomas
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HansA, Nähe Dortmund, Mittwoch, 30.08.2017, 23:09 (vor 3060 Tagen) @ Ulrich
Die Blase ist vielleicht nicht das viele Geld, sondern die komplette Übersättigung. Zumindest merke ich es bei mir.
Jedes Spiel im TV, Fußball auf Wunsch jeden Tag und in den Premium Wettbewerben immer die selben Clubs gegeneinander ohne echte Überraschungen-ist halt Unterhaltung und wird weniger echte Liebe.
Wobei es aktuell ja kaum eine Alternative zum Fußball gibt - ist halt Unterhaltung für alle und interessiert fast jeden - zumindest etwas. Und da es für das TV der aktuelle Top-Inhalt ist, wird das Geld auch weiter fließen. Plus ggf. Geldwäsche, Wettmafia und andere.
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Scherben, Kiel, Mittwoch, 30.08.2017, 18:57 (vor 3060 Tagen) @ Ulrich
Eine eigenständige Blase sehe ich nicht, wohl aber eine Abhängigkeit von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Würden beispielsweise die Kreditzinsen deutlich anziehen, dann könnte dies eventuell auch einige Fußballclubs oder die dahinter stehenden Sponsoren in Probleme bringen.
Bei den Sponsoren sehe ich aber nur ein Problem, wenn diese selbst insolvent würden. Ansonsten kann man ja durchaus mit Vorlauf auf veränderte Marktbedingungen reagieren, etwa wenn man merkt, dass man bei Auslaufen des Vertrags in (sagen wir mal) zwei Jahren vermutlich weniger Geld im Sponsoring generieren wird. Sich gesundzuschrumpfen geht theoretisch ja relativ schnell im Fußball, weil viele Verträge nur kurz laufen.
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Ulrich, Mittwoch, 30.08.2017, 21:17 (vor 3060 Tagen) @ Scherben
Eine eigenständige Blase sehe ich nicht, wohl aber eine Abhängigkeit von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung. Würden beispielsweise die Kreditzinsen deutlich anziehen, dann könnte dies eventuell auch einige Fußballclubs oder die dahinter stehenden Sponsoren in Probleme bringen.
Bei den Sponsoren sehe ich aber nur ein Problem, wenn diese selbst insolvent würden. Ansonsten kann man ja durchaus mit Vorlauf auf veränderte Marktbedingungen reagieren, etwa wenn man merkt, dass man bei Auslaufen des Vertrags in (sagen wir mal) zwei Jahren vermutlich weniger Geld im Sponsoring generieren wird. Sich gesundzuschrumpfen geht theoretisch ja relativ schnell im Fußball, weil viele Verträge nur kurz laufen.
Wenn das ganze im Rahmen einer "normalen" Rezession stattfindet dann ist das sicherlich zutreffend. Falls beispielsweise der Brexit die von vielen erwarteten negativen Folgen auf das Wirtschaftswachstum auf der Insel hat wird das ganze die PL-Vereine nicht umbringen. Problematisch wären meiner Meinung nach plötzlich auftretende massive krisenhafte Zuspitzungen wie die Finanzkrise 2007 als das ganze Bankensystem zu kollabieren drohte und deshalb plötzlich niemand mehr dem anderen traute so dass auch gesunde Unternehmen ihre Liquiditätsgrundlage zu verlieren drohten.
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AlfonsoMuskedunder, Köln, Mittwoch, 30.08.2017, 16:56 (vor 3060 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
Danke für den interessanten Text.
Die Verflechtung der Akteure lässt sich kaum bestreiten
Darf ich fragen, wie du das genau meinst, bzw. siehst du da eine Analogie zum Bankensektor, an den man ja gemeinhin denkt, wenn es um Blasen geht?
Ich selbst sehe eigentlich nicht so eine große Ansteckungsgefahr, sollte ein Club sich mal übernommen haben und in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Solange keine ausstehenden Ratenzahlungen für vergangene Transfers vorliegen, dürften andere Clubs doch kaum betroffen sein?
Ich denke eigentlich auch, dass die irren Summen, die wir seit einiger Zeit beobachten, im Wesentlichen durch zusätzliches Geld von außen verursacht werden, und weniger durch Verschuldung, insofern gibt es womöglich gar keine Blase, und die Hoffnung, von der man da und dort liest, dass es mal einen großen Knall gibt und das alles kracht in sich zusammen, ist unbegründet.
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Scherben, Kiel, Mittwoch, 30.08.2017, 17:16 (vor 3060 Tagen) @ AlfonsoMuskedunder
Die Verflechtung der Akteure lässt sich kaum bestreiten
Darf ich fragen, wie du das genau meinst, bzw. siehst du da eine Analogie zum Bankensektor, an den man ja gemeinhin denkt, wenn es um Blasen geht?Ich selbst sehe eigentlich nicht so eine große Ansteckungsgefahr, sollte ein Club sich mal übernommen haben und in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Solange keine ausstehenden Ratenzahlungen für vergangene Transfers vorliegen, dürften andere Clubs doch kaum betroffen sein?
Dazu kommt es aber nicht gerade selten. ;)
Davon abgesehen: Letztlich bewegen sich die Vereine ja schon in einem gewissen Marktumfeld, das zum Beispiel auch einen gewissen Wiederverkaufswert für neu verpflichtete Spieler bedeutet. Meine Spieler stehen also mit einem gewissen Wert in den Bilanzen. Verändern sich diese Werte, etwa weil der Transfermarkt nach ein paar Ausfällen zum erliegen kommt, können sich plötzlich über diesen Weg Probleme ergeben.
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AlfonsoMuskedunder, Köln, Mittwoch, 30.08.2017, 17:35 (vor 3060 Tagen) @ Scherben
Meine Spieler stehen also mit einem gewissen Wert in den Bilanzen. Verändern sich diese Werte, etwa weil der Transfermarkt nach ein paar Ausfällen zum erliegen kommt, können sich plötzlich über diesen Weg Probleme ergeben.
Da fehlt mir halt ein bisschen die Phantasie mir vorzustellen, wie das gleichzeitig in der Breite auftreten soll. Aber gut, vor Crashs im Bankensektor denkt ja auch fast jeder, alles sei bestens. ;)
Für alle volkswirtschaftlich Interessierten: Ich denke, die zunehmende Konzentration des Geldes bei einigen europäischen Top-Clubs lässt sich ganz gut durch die Theorie der "Economics of Superstars" (https://www.jstor.org/stable/1803469) fassen. Die überproportionale Zunahme der Transfersummen für absolute Spitzenspieler über die Zeit ließe sich in diesem Rahmen vielleicht dadurch erklären, dass der europäische Spitzenfußball (und seine immer gleichen, wenigen Clubs) einen immer größeren, fast weltweiten Markt vorfindet (durch Senken der Kosten mittels moderner Informationstechnologie).
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Ulrich, Mittwoch, 30.08.2017, 17:46 (vor 3060 Tagen) @ AlfonsoMuskedunder
Meine Spieler stehen also mit einem gewissen Wert in den Bilanzen. Verändern sich diese Werte, etwa weil der Transfermarkt nach ein paar Ausfällen zum erliegen kommt, können sich plötzlich über diesen Weg Probleme ergeben.
Da fehlt mir halt ein bisschen die Phantasie mir vorzustellen, wie das gleichzeitig in der Breite auftreten soll. Aber gut, vor Crashs im Bankensektor denkt ja auch fast jeder, alles sei bestens. ;)
Das käme vermutlich darauf an wie viele Vereine unter massiven Druck gerieten und was die Folgen wären. Nehmen wir mal das Beispiel Atletico. Würde der Club in Bedrängnis geraten, dann müsste er sich von einigen "wertvollen" Spielern trennen. Kann er die zu erwartenden Ablösen halbwegs erzielen würde das ganze als singuläres Ereignis wahrgenommen. Geraten aber mehrere Clubs in Turbulenzen und bricht der Spielermarkt ein, dann könnte dies von Geldinstituten, etc. zum Anlass genommen werden europaeit ihre Kreditlinien für Fußballclubs deutlich zu kürzen. Und dies würde für weiteren Verkaufsdruck sorgen während auf der Gegenseite potentielle Interessenten abwinken müssten weil ihnen die liquiden Mittel fehlen würden.
Ähnlich sähe es eventuell aus wenn ein Pay-TV-Anbieter wie Sky in schweres Fahrwasser geriete und die Gefahr bestünde dass die Fernsehgelder nicht mehr ausgezahlt werden könnten.
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Finanztaktiker, Wesel, Mittwoch, 30.08.2017, 16:50 (vor 3060 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
Wie lässt sich eine Blase bewerten?
Zum einen muss man die Kreditfrage auch nach Ländern getrennt betrachten. Spanien und Italien haben ziemlic wackelige Konstrukte, die nur solange funktionieren, wie ein Mäzen Geld zuschießt. Deswegen auch der Kaufrausch bei Milan und Inter, die sich neue Leute an der Spizte geangelt haben. Nur ob Asiaten dauerhaft Spendierfreudig sind und dazu angesichts ihres unfreien Kapitalmerktes in einem schneller wechselnden politischen Klima immer in der lage sind, ist zweifelhaft. Der Rest des italienischen Fußballs befindet sich aber in einer Schuldenkrise, wenn man nicht gerade Juventus oder Napoli heißt. Und dass obwohl man weitflächig in Ruinen spielt.
Spanien hat jahrelang im Klima des Immobilienbooms zweifelhaft gewirtschaftet (Valencia!) und tut es immer noch. Atletico ist auf Kante genäht und hat viele der Transferrechte ihrer Spieler abgetreten. Die leben von der Hand in den Mund. Wie quassi alles außerhalb des glitzernden Clasico. Die Schuldenbelastung ist hoch, insbesondere die Steuerschulden.
England ist kerngesund. Solange die TV-Anstalten diesen mörderischen Bieterwettbewerb überleben. Denn der heimische Markt wird ausgequetscht wie eine Zitrone, was schon die Gefahr einer Krichkrise heraufbeschwört. Aber nicht in dem Ausmaß, schon weil die Liga in der Auslandsvermarktung ein zweites Standbein hat. Wobei die Klubs schon massiver von dieser Einnahmequelle abhängig sind, insbesondere alles außerhalb der Top 3 (United, Arsenal, Liverpool) und der beiden Ölvereine. Denn die nehmen oft über 70% über die TV-Rechte ein, was nie gesund sein kann.
Die Bundesliga ist en gros gut augestellt. Sieht man von Ausnahmen wie HSV udn Schalke ab, hat jeder Verein/Klub seine Finanzen in Griff und der Einnahmemix recht ausgewogen ist.
Frankreich kann ich nicht bewerten, da habe ich mir noch nichts groß angeschaut.
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Ulrich, Mittwoch, 30.08.2017, 17:36 (vor 3060 Tagen) @ Finanztaktiker
Zum einen muss man die Kreditfrage auch nach Ländern getrennt betrachten. Spanien und Italien haben ziemlic wackelige Konstrukte, die nur solange funktionieren, wie ein Mäzen Geld zuschießt. Deswegen auch der Kaufrausch bei Milan und Inter, die sich neue Leute an der Spizte geangelt haben. Nur ob Asiaten dauerhaft Spendierfreudig sind und dazu angesichts ihres unfreien Kapitalmerktes in einem schneller wechselnden politischen Klima immer in der lage sind, ist zweifelhaft. Der Rest des italienischen Fußballs befindet sich aber in einer Schuldenkrise, wenn man nicht gerade Juventus oder Napoli heißt. Und dass obwohl man weitflächig in Ruinen spielt.
Leider finde ich die Quelle nicht mehr. Aber ich meine vor einiger Zeit gelesen zu haben dass die chinesischen Investoren beim AC Probleme hatten ihr Geld aus Italien heraus zu transferieren und sich deshalb eine dreistellige Millionensummen zu einem satten Zinssatz am Kapitalmarkt besorgt haben. Dreht ihnen der chinesische Staat dauerhaft die Geld-Pipeline zu, dann könnten sie so das stimmt auf mittlere Sicht durchaus Probleme bekommen.
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Scherben, Kiel, Mittwoch, 30.08.2017, 16:54 (vor 3060 Tagen) @ Finanztaktiker
Sehe ich im Großen und Ganzen auch so. Die Idee hinter dem Text war ein bisschen grundlegender: Man hörte so viel darüber, dass irgendeine Blase bald platzen solle, und man fragt sich als interessierter Laie, wo diese Blase genau sein soll. Klar wird bei einigen Vereinen sehr auf Kante genäht, aber meist ist dieses Geld, das ausgegeben wird, halt wirklich auch da.